Fleischwarenfabriken begrüßen Azubis

Zwischen klassischem Handwerk und neuen Wegen

Tasja Klusmeyer,Marion Bulla,Rita Sprick

Die Wiltmänner – erfahrene wie neue: André Behrmann (hinten von links), Tatjana Spenst, Christina Glanemann-Heitkämper, André Roß, Florian Schluckebier, Mario Diekämper, Jacqueline Matthies und Jörg Hemkemeier sowie (vorne von links) Heinrich Ostlinning, Eva-Maria Schäfer, Alina Bewekenhorn, Daniel Brockmann, Melissa Boritzky, Anna-Lena Vorderwülbecke und Karl Kötter. - © Tasja Klusmeyer, HK
Die Wiltmänner – erfahrene wie neue: André Behrmann (hinten von links), Tatjana Spenst, Christina Glanemann-Heitkämper, André Roß, Florian Schluckebier, Mario Diekämper, Jacqueline Matthies und Jörg Hemkemeier sowie (vorne von links) Heinrich Ostlinning, Eva-Maria Schäfer, Alina Bewekenhorn, Daniel Brockmann, Melissa Boritzky, Anna-Lena Vorderwülbecke und Karl Kötter. (© Tasja Klusmeyer, HK)

Versmold. Die heimischen Fleischwarenfabriken heißen traditionell am 1. August ihren Nachwuchs willkommen und präsentieren sich als attraktive Arbeitgeber. Junge Menschen für den Beruf des Fleischers zu begeistern, bleibt aber schwierig. Technische und kaufmännische Ausbildungsberufe sind gefragter.

Wiltmann

Sechs junge Menschen starten beim Peckeloher Fleischwarenhersteller ins Arbeitsleben – fünf von ihnen kommen aus Versmold. Mit André Behrmann tritt am ersten Tag gleich einer der Geschäftsführer persönlich vor die jungen Leute – in Arbeitskleidung statt Anzug und gewohnt locker. „Ich bin für den Laden hier mit verantwortlich", plaudert Behrmann los. Das, was er dem Nachwuchs mit auf den Weg geben möchte, aber hat ernsten Hintergrund. „Die Ausbildung ist der Anfang Ihrer Karriere. Investieren Sie Ihr Engagement in Ihren Beruf, es gibt viele Möglichkeiten."

Seit 1979 bildet Wiltmann Fleischer aus. Junge Menschen für diesen klassischen Handwerksberuf zu gewinnen, ist in den vergangenen Jahren stets schwieriger geworden. Mit Melissa Boritzky startet nun eine junge Dame ihre Ausbildung im Peckeloher Betrieb. Die Technisierung in der Lebensmittelbranche hat Einzug gehalten. „Der Beruf der Fachkraft ist gefragter", sagt Personalleiter Heinrich Ostlinning. Drei Neue gibt es in diesem Bereich: Mario Diekämper, Anna-Lena Vorderwülbecke und Jacqueline Matthies. Beliebt ist nach wie vor die kaufmännische Ausbildung. Nur zwei freie Plätze gab es diesmal zu vergeben. Alina Bewekenhorn und Daniel Brockmann aus Sassenberg bekamen sie.

Insgesamt liegt die Zahl der Auszubildenden bei Wiltmann konstant bei 24. Viele der 800 Mitarbeiter sind Eigengewächse. Eva-Maria Schäfer ist ein Beispiel dafür. Ihr Ausbildungsstart liegt 25 Jahre zurück. Bis heute ist sie in der Personalabteilung beschäftigt und bekam zum silbernen Jubiläum anerkennende Worte. Lob hörten zudem André Roß, Tatjana Spenst, Christina Glanemann-Heitkämper und Florian Schluckebier. Das Quartett hat kürzlich seine Ausbildung abgeschlossen und ist weiterhin bei Wiltmann beschäftigt. Dass die Chancen auf ein Beschäftigungsverhältnis nach der Ausbildung gutstehen, sollte für die sechs Neuen Motivation genug sein, sich nun ins Zeug zu legen.

Reinert

Der Loxtener Fleischwarenhersteller hat an seinem bewährten Ausbildungskonzept gefeilt und setzt insbesondere auf ein stärkeres Wirgefühl. Für die neun Neuen aus dem gewerblichen wie kaufmännischen Bereich bedeutet das eine komplette Einführungswoche mit vielen Veranstaltungen, an denen auch erfahrene Lehrlinge teilnehmen. Gemeinsam geht es zu anderen Reinert-Standorten, es wird geklettert und gegrillt.

Reinert – erfahrene Kräfte und neue Gesichter: Cornelius Carl Kettler (von links), Patricia Hagemeyer, Reinhold Bellmann, Mathias Leon Schneider, Alex Kindsvater, Erik Hirsch, Thorben Töns-Rocklage, Danny Simon, Gustavo Fink Filho, David Blanke, Jonas Banik, Andreas Schneider und Laura Stinsky mit Reinert-Maskottchen Bärchen. - © Tasja Klusmeyer, HK
Reinert – erfahrene Kräfte und neue Gesichter: Cornelius Carl Kettler (von links), Patricia Hagemeyer, Reinhold Bellmann, Mathias Leon Schneider, Alex Kindsvater, Erik Hirsch, Thorben Töns-Rocklage, Danny Simon, Gustavo Fink Filho, David Blanke, Jonas Banik, Andreas Schneider und Laura Stinsky mit Reinert-Maskottchen Bärchen. (© Tasja Klusmeyer, HK)

Schon immer haben die Reinert-Azubis am 1. August gestartet. Zum Pressetermin hatte das Unternehmen immer etwas später eingeladen. Diesmal ist auch das anders und gehört zum neuen Konzept der Einführungswoche. Der Ausbildungsstart ist auch für Mathias Leon Schneider, Assistent der Geschäftsführung, Premiere. Mit der Nachwuchssituation am Hauptsitz in Versmold zeigt er sich zufrieden. Die freien Plätze mit geeigneten Bewerbern zu besetzen, sei hier kein Problem gewesen – auch aus der langjährigen Tradition heraus. „Da haben wir in Versmold klar einen Vorteil", sagt. er. Zudem habe das Unternehmen in der Vergangenheit bei Berufsmessen und in Schulen verstärkt für die Ausbildung geworben. Das mache sich bemerkbar.

20 Lehrlinge sind in Versmold beschäftigt, in der Unternehmensgruppe insgesamt 26. An anderen Standorten, beispielsweise im niedersächsischen Voerden, sei es dagegen unter anderem regional bedingt schwieriger, Kräfte zu bekommen. „Da hätten wir noch Potenzial", sagt Schneider in Hinblick auf die Besetzung von Ausbildungsplätzen.

Nölke

Im Unternehmen Nölke wurden fünf neue Auszubildende vorgestellt und dazu vier, die ihre Ausbildung erfolgreich abschließen konnten. „Wir haben wieder eine schlagkräftige Truppe für unser Unternehmen gefunden", sagt Raimund Wienke. Der Ausbildungsleiter stellte zusammen seinem Kollegen Udo Brune und dem Betriebsratsvorsitzenden Jürgen von Stürmer die Neuen vor: zwei Fleischer, eine Industriekauffrau, ein Informatikkaufmann und eine Fachkraft für Lagerlogistik. Von Nölke übernommen werden nach Ausbildungsabschluss eine Industriekauffrau, eine Fachkraft für Lebensmitteltechnik und zwei Fleischer.

Die Nölkianer – erfahrene wie neue: Viktoria Stolz (von links), Olivia Tonszki, Marcel Wehring, Doria Bresch, Fabio Eimler, Devon Wunderlich, Udo Brune, Maurice Leuschner, Raimund Wienke, Andre Cygon und Jürgen von Stürmer. - © Rita Sprick, HK
Die Nölkianer – erfahrene wie neue: Viktoria Stolz (von links), Olivia Tonszki, Marcel Wehring, Doria Bresch, Fabio Eimler, Devon Wunderlich, Udo Brune, Maurice Leuschner, Raimund Wienke, Andre Cygon und Jürgen von Stürmer. (© Rita Sprick, HK)

„Die Nachwuchssuche wird immer schwieriger. Der Trend der letzten Jahre setzt sich fort", sagt Wienke. Viele junge Leute begännen nach Schulende ein Studium und seien damit vom Bewerbermarkt der dualen Berufsausbildung weg. „Dazu kommt der Geburtenrückgang", so Wienke.

Waren es in der Vergangenheit noch bis zu fünf Azubis, die als Fleischer in der betriebseigenen Lehrwerkstatt ausgebildet wurden, so bewerben sich heute höchstens noch zwei für diese Lehre. Dabei seien die Aussichten gut. „Bei uns haben die Auszubildenden einen hohen Stellenwert. Wir sichern eine Übernahme zu", wirbt Wienke um Nachwuchs. Drei Stellen könnten kurzfristig noch besetzt werden. Für die Qualität der Ausbildung spräche auch, dass Nölke in den vergangenen acht Jahren drei Bundessieger im Fleischerhandwerk hervorgebracht hat.

Stockmeyer

660 Mitarbeiter arbeiten in der Füchtorfer Fleischwarenfabrik Stockmeyer. Darunter 21 Auszubildende, die acht verschiedene Berufe erlernen. Gestern sind sechs neue Lehrlinge in den Berufen Fachkraft für Lebensmitteltechnik, Fleischer und Industriekaufmann hinzugekommen.

Stockmeyer – erfahrene Kräfte und neue Gesichter: Sven Skricek (von links), Sebastian Dieck, Frank Pickenäcker, Pascal Hoffmann, Jens Vennemann, Johann Prier, Dieter Kositzki, Lara Friedrich und Corinna Wächter. - © Marion Bulla, HK
Stockmeyer – erfahrene Kräfte und neue Gesichter: Sven Skricek (von links), Sebastian Dieck, Frank Pickenäcker, Pascal Hoffmann, Jens Vennemann, Johann Prier, Dieter Kositzki, Lara Friedrich und Corinna Wächter. (© Marion Bulla, HK)

„In diesem Jahr sind wieder zwei angehende Fleischer dabei. Das freut uns sehr, denn sie bilden die Grundlage unseres Unternehmens", sagt Personalleiter Andreas Schlömp. Es sei schade, dass die Ausbildung für viele so wenig attraktiv sei. Die Jugendlichen würden die Möglichkeiten des Berufs oftmals nicht sehen. Dabei gebe es als gelernter Fleischer jede Menge berufliche Aufstiegschancen – wie der Blick ins Unternehmen zeige.

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