Ohne Nölke auf Wachstumskurs

Frischdienst Union will ihr Profil schärfen

Tasja Klusmeyer

Steuern die FDU: Geschäftsführer Thomas Knaack (links) und Frank Nölke als Sprecher der Gesellschafterfamilie und Geschäftsführer der Holding »Gebrüder Nölke GmbH« sehen das Versmolder Unternehmen für die »Zeit nach Nölke« bestens aufgestellt. - © Foto: Tasja Klusmeyer
Steuern die FDU: Geschäftsführer Thomas Knaack (links) und Frank Nölke als Sprecher der Gesellschafterfamilie und Geschäftsführer der Holding »Gebrüder Nölke GmbH« sehen das Versmolder Unternehmen für die »Zeit nach Nölke« bestens aufgestellt. (© Foto: Tasja Klusmeyer)

Versmold. Die Frischdienst Union feiert 25-jähriges Bestehen. Das Jubiläum und die neue Eigenständigkeit nimmt der Lebensmittelgroßhändler zum Anlass, sein Profil zu schärfen – und aus dem Schatten des großen Namens Nölke herauszutreten.

Der Weg führt durchs bekannte Nölke-Werkstor, die fünf großen Lettern der Fleischwarenfabrik stechen dem Besucher beim Betreten des Geländes ins Auge. Im Gebäudekomplex links vom Pförtnerhäuschen aber ist ein ganz anderes Unternehmen ansässig. Die Frischdienst Union, als nationaler Lebensmittelgroßhandel Spezialist für Tiefkühlkost und Frische, hat ihren Sitz an der Ziegeleistraße 5.

Familiensache: Die Gesellschafter Stefan Nölke (von links), Michael Nölke, Frank Nölke und Petra Kröger (geb. Nölke) konzentrieren sich nun aufs Wachstum der Frischdienst Union. - © Foto: FDU
Familiensache: Die Gesellschafter Stefan Nölke (von links), Michael Nölke, Frank Nölke und Petra Kröger (geb. Nölke) konzentrieren sich nun aufs Wachstum der Frischdienst Union. (© Foto: FDU)

Vor 25 Jahren wurde das Unternehmen unter dem Dach der »Heinrich Nölke GmbH & Co. KG« gegründet. Unter diesem Dach befindet sich die FDU nach wie vor – nur rein räumlich gesehen. Seit dem Verkauf von Nölke an die Zurmühlen-Gruppe vor eineinhalb Jahren (das HK berichtete mehrfach) ist das Unternehmen komplett eigenständig. Die Räume am Nölke-Standort hat die FDU vom neuen Eigentümer Zurmühlen angemietet. Langfristig, wie Geschäftsführer Thomas Knaack betont, und darin ein „klares Bekenntnis zum Standort Versmold" sieht. Zur Heinrich Nölke GmbH bestehen weiterhin geschäftliche Beziehungen. Der vernünftige und faire Umgang der Handelspartner miteinander habe die FDU bewogen, ihrem Standort treu zu bleiben. Das möchte die Geschäftsführung nun nach außen tragen.

Umsatz soll auf 120 Millionen Euro steigen

Neben Knaack am Besprechungstisch sitzt Frank Nölke, Geschäftsführer der Gebrüder Nölke GmbH, die Holding der Frischdienst Union ist. „Nölke wurde immer als Einheit gesehen, aber es waren schon immer zwei getrennte Unternehmen in einer Gruppe", sagt der Sprecher der Gesellschafterfamilie. Mit dem Verkauf der Heinrich Nölke GmbH habe man sich Ende 2014 von einem Standbein getrennt. Das verbliebene Standbein – die FDU, die oft als Anhängsel des großen Fleischwarenherstellers wahrgenommen wurde – soll nun gestärkt werden.

Info

Die FDU in Zahlen

- 216 Mitarbeiter sind bei der Frischdienst Union GmbH beschäftigt. 66 von ihnen arbeiten in der Zentrale in Versmold. Deutschlandweit sind 49 Außendienstler unterwegs. Dazu kommen 101 eigene Auslieferungsfahrer.
- Zentrallager, Vertrieb sowie Verwaltung befinden sich an der Ziegeleistraße in Versmold. Deutschlandweit verfügt die FDU über 26 Logistikstandorte als Umschlagplätze (siehe Karte), über die die kommissionierte Ware zu den Kunden transportiert wird.
- Die FDU arbeitet mit etwa 200 Zulieferpartnern zusammen. Sie versorgt zirka 7000 Kunden.
- Der Jahresumsatz 2015 lag nach FDU-Angaben bei 80 Millionen Euro.

Mit »Strategie 2020« ist die Neuausrichtung überschrieben. Das Versmolder Unternehmen will seine Marktposition ausbauen und deutlich wachsen. Geschäftsführer Knaack nennt konkrete Zahlen: Der Jahresumsatz soll um 50 Prozent auf 120 Millionen Euro steigen. Gelingen soll dies sowohl durch die Erschließung neuer Kundengruppen und Intensivierung bestehender Kundenkontakte als auch durch Zukäufe.

Die FDU setzt bei diesem ambitionierten Weg auf bewährte Kompetenz. 1998 stieg Thomas Knaack ins Unternehmen Nölke ein. Dort übernahm er die Geschäftsführung im inzwischen geschlossenen Werk Waren an der Müritz – damals als Nachfolger von Frank Nölke. 2005 wechselte der Hamburger zur FDU nach Versmold, deren Geschäfte der 50-Jährige seitdem führt.

Zahl der Mitarbeiter soll steigen

Ein langjähriger Nölkianer unterstützt ihn bei der strategischen Neuausrichtung. Volker Wehmöller arbeitete seit 1979 beim Fleischwarenhersteller. Nach der Übernahme durch Zurmühlen wechselte er zur FDU und zeichnet dort nun als Leiter Zentrale Dienste unter anderem für den Personalbereich zuständig. Verbunden mit dem angestrebten ertragreichen Wachstum soll mittelfristig auch die Zahl der Arbeitsplätze steigen.

Sitz des Unternehmens: Von der Zentrale an der Ziegeleistraße aus werden die Kunden betreut und die Aufträge bearbeitet. Die FDU ist Mieterin der Zurmühlen-Gruppe. Ebenso sind auf dem benachbarten Nagel-Gelände Lagerflächen und Büros angemietet. - © Foto: FDU
Sitz des Unternehmens: Von der Zentrale an der Ziegeleistraße aus werden die Kunden betreut und die Aufträge bearbeitet. Die FDU ist Mieterin der Zurmühlen-Gruppe. Ebenso sind auf dem benachbarten Nagel-Gelände Lagerflächen und Büros angemietet. (© Foto: FDU)

Die FDU-Verantwortlichen sind sicher, dass der wachsende Markt der Außerhausverpflegung diese ambitionierten Ziele zulässt. Morgens schnell ein belegtes Brötchen beim Bäcker oder mittags in die Kantine, Ganztagsbetreuung in Schule und Kita oder die alternde Bevölkerung, die über Lieferdienste oder in Senioreneinrichtungen verpflegt werden, bringen dem Lebensmittelgroßhandel volle Auftragsbücher.

„Wir liefern keine Fertiggerichte", betont Thomas Knaack. Waren es in den Anfangsjahren Metzger und Fleischereien, die mit Ware beliefert wurden, macht das Unternehmen den Großteil seiner Umsätze heute mit einer breiten Palette an Lebensmitteln für Großverbraucher. Die FDU beliefert Großküchen in der Gemeinschaftsverpflegung wie Betriebskantinen, Krankenhäuser oder Mensen. Die Kunden erhalten all das, was auf den Teller kommen kann. Das Sortiment umfasst rund 4000 Artikel – frische Lebensmittel und Tiefkühlkost in allen Convenience-Stufen von roh bis gegart.

Die Frischdienst Union stellt dabei keinesfalls selbst Produkte her, sondern arbeitet mit etwa 200 Zulieferpartnern zusammen. Die in Versmold angelieferte Ware (zum Beispiel Molkereiprodukte, Frischfleisch, Fisch, Feinkost, Wurst, vegetarische Produkte oder Tiefkühlkost) wird entsprechend den Kundenaufträgen kommissioniert und über die Logistikstandorte (siehe Karte) an den Kunden geliefert.

IHK-Ehrung als Erstausbildungsbetrieb

Zum Teil der Neuausrichtung gehört auch die Profilierung als attraktiver Arbeitgeber in der Region. Im vergangenen Jahr hat die FDU erstmals eine Auszubildende im Bereich Groß- und Außenhandel eingestellt – und dafür in dieser Woche offiziell die Anerkennung der Industrie- und Handelskammer OWL als Erstausbildungsbetrieb erhalten. Jährlich soll nun ein Ausbildungsplatz besetzt werden. Ab 2017 ist zudem geplant, ein duales Studium anzubieten.

Auf der einen Seite Nachwuchs aus den eigenen Reihen, auf der anderen viele bewährte Kräfte. Die FDU setzt eigenen Angaben zufolge auf Mitarbeiterfreundlichkeit und -zufriedenheit. Geschäftsführer Thomas Knaack zählt Gesundheitsvorsorge, Prämien, „um Mitarbeiter am Erfolg des Unternehmens partizipieren lassen zu können", Fortbildungen, Personalcoaching für Führungskräfte, flexible Arbeitszeitmodelle, Homeoffice-Möglichkeiten und gemeinsame Events als Beispiele dafür auf.

Motivierte und gut ausgebildete Mitarbeiter nämlich seien die Grundlage für den Erfolg eines Unternehmens. „Am Ende leben wir von Ergebnissen", sagt Knaack.

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