CDU: 60 Jahre an der Macht

Sonntag feiert der Stadtverband 70-jähriges Bestehen

Jan Herrmann

Geballtes Wissen um die Geschichte der Versmolder Christdemokraten: Liesel Fronemann-Keminer (von links), Karl-Wilhelm Dieckmann und Marianne Kampwerth stöbern in der Historie des Stadtverbands. - © Foto: Jan Herrmann
Geballtes Wissen um die Geschichte der Versmolder Christdemokraten: Liesel Fronemann-Keminer (von links), Karl-Wilhelm Dieckmann und Marianne Kampwerth stöbern in der Historie des Stadtverbands. (© Foto: Jan Herrmann)

Versmold. Um ein offenes Wort ist Liesel Fronemann-Keminer nicht verlegen. „Früher musste man nicht um politisches Interesse betteln", sagt die Grande Dame des CDU-Stadtverbands, die unter anderem 30 Jahre im Kreistag saß.

Versmolds ehemaliger Bürgermeister: Hermann Oberschelp mit Ehefrau Alma beim Spaziergang im Stadtpark. - © Foto: HK-Archiv
Versmolds ehemaliger Bürgermeister: Hermann Oberschelp mit Ehefrau Alma beim Spaziergang im Stadtpark. (© Foto: HK-Archiv)

Selten verirre sich mehr als eine Handvoll Zuhörer in die öffentlichen Ausschusssitzungen. „Die Leute sind so verwöhnt wie in anderen Bereichen auch", sagt sie. Früher seien die Menschen mehr am politischen Geschehen interessiert gewesen, die Errungenschaften der demokratischen Strukturen seien gerade nach dem Zweiten Weltkrieg noch viel mehr geschätzt worden.

Die Etablierung dieser demokratischen Strukturen sind stark mit dem CDU-Stadtverband verwoben, der am 26. März 1946 gegründet wurde. Die fünf Ortsteile waren damals noch selbstständig, aber auf Verwaltungsebene waren sie mit der Stadt zum »Amt Versmold« zusammengefasst. Aus der ersten Kommunalwahl im September 1946 ging die CDU als haushoher Sieger hervor und stellte mit Otto Rahe den Amtsbürgermeister. Weil Rahe aber nur wenige Monate später zum Landrat gewählt wurde, einigte man sich beim Stadtverband auf Dr. Martin Keller. Es blieb ein kurzes Intermezzo, weil Keller nach nur zwölf Monaten zurücktrat. Erst danach begann an der Spitze des Amtes eine Phase der Kontinuität. Hermann Oberschelp wurde Bürgermeister und bekleidete das Amt insgesamt 26 Jahre. „Nach dem schrecklichen Wirrwarr das Krieges mussten wir überhaupt erst einmal den Anschluss an demokratische Strukturen hinbekommen", erinnerte sich Fronemann-Keminer. Aufgrund der Erfahrungen im Dritten Reich wurden Parteien noch mit viel mehr Misstrauen beäugt, politisch Engagierte besaßen nicht selten gar kein Parteibuch.

1969 trat Liesel Fronemann-Keminer dem Stadtverband bei und gestaltete die Politik aktiv mit – an der Stadtspitze stand allerdings nie. Ab 1973 leitete Franz-Heinrich Meyer-Hermann aus Bockhorst die Geschicke der Verwaltung.

Der Stadtverbandbesitzt aktuell 243 Mitglieder

Stets sei die Zusammenarbeit zwischen Ratsfraktion und Stadtverband sehr eng gewesen, sagt Karl-Wilhelm Dieckmann, der den Stadtverband von 1983 bis 1985 führte. Während die Ratsfraktion die öffentlich sichtbare Politik gestaltete, stellte der Stadtverband die Machtbasis dar. Von 1970 bis 1980 war Dr. Werner Bockemühl Vorsitzender des Stadtverbands.

Ab Mitte der 1980er-Jahre prägte Fritz Holtkamp das Geschehen im Rathaus. Als Oesterweger Bürgermeister hatte er bereits Erfahrung gesammelt, ehe er 20 Jahre die Tätigkeit des Versmolder Bürgermeisters ausfüllte. Ab 1999 wurde er auch der erste hauptamtliche Bürgermeister. Die Strukturen hatten sich bereits verändert: Die Frauenunion war genauso gegründet worden wie Junge Union und die Seniorenunion.

Nach einer zehnjährigen Durststrecke, in der Thorsten Klute als Sozialdemokrat das Bürgermeisteramt bekleidete, holte sich die Union die Verwaltungsspitze 2014 zurück. Seitdem ist Michael Meyer-Hermann Bürgermeister.

Seit 2011 ist Marianne Kampwerth als Vorsitzende des Stadtverbands aktiv – und hat besonders die gesellige Komponente gepflegt. „Den Stadtverband habe ich immer auch als Verein begriffen", sagt sie. Radtouren, Seniorennachmittage oder Familienfrühstücke sollen für ein harmonisches Miteinander der 243 Mitglieder sorgen. Den Zeitpunkt ihres Abschieds hat sie schon in den Blick genommen, verrät ihn aber noch nicht. „Es muss immer auch Wandel in einer Partei geben", sagt sie – so, wie in den vergangenen 70 Jahren.

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