Versmold„Ohne Liebe läuft nichts“

Jessica Kloppe erstellt Trickfilm in Papierkollagen

87ÿSilke Derkum

Eine Hand voller Liebe: Freunde und Unbekannte schickten Jessica Koppe ihre berührenden Geschichten. Aus denen macht die aus Versmold stammende Künstlerin, deren Werke vor zwei Jahren auch in der Galerie et zu sehen waren, nun einen Film – und hofft auf Unterstützung aus ihrer Heimatstadt. - © Foto: Silke Derkum
Eine Hand voller Liebe: Freunde und Unbekannte schickten Jessica Koppe ihre berührenden Geschichten. Aus denen macht die aus Versmold stammende Künstlerin, deren Werke vor zwei Jahren auch in der Galerie et zu sehen waren, nun einen Film – und hofft auf Unterstützung aus ihrer Heimatstadt. © Foto: Silke Derkum

V ersmold. Eigentlich war es eine Trotzreaktion. Als Jessica Koppe eher nebenbei auf der Autofahrt ein Interview mit einem Prediger hörte, der sagte, dass man die unendliche Gottesliebe nicht abbilden könne, war ihr erster Gedanke „Das wollen wir doch mal sehen." Inzwischen ist daraus das wichtigste Projekt ihres bisherigen Künstlerlebens geworden. Der Kurzfilm »Liebe« erzählt in malerischen Papiercollagen vom größten aller Gefühle.

Aufwendig: Auf drei Scheiben ihres Tricktischs kann Jessica Koppe auf mehreren Ebenen den Bildern räumliche Tiefe verleihen. - © Foto: Philipp Dobczyk
Aufwendig: Auf drei Scheiben ihres Tricktischs kann Jessica Koppe auf mehreren Ebenen den Bildern räumliche Tiefe verleihen. (© Foto: Philipp Dobczyk)

„Als Künstlerin erforsche ich das menschliche Innenleben, Gefühle spielen immer eine große Rolle", sagt sie, machte aber gleichzeitig in anderen Bereichen die Erfahrung, dass das Menschliche auf der Strecke blieb. „Als dann 2013 mein Sohn geboren wurde, war mir klar: Ohne Liebe läuft nichts." Klar war auch, dass die freischaffende Künstlerin, deren Weg in Barbara Kahl-Zimmermanns Versmolder Malschule fossyart ihren Anfang genommen hatte, das Thema in ihrem Genre »Trickfilm« umsetzen wollte.

„Ich hatte mögliche Szenen gesammelt: Mutter-Kind-Liebe, Liebe zum Partner, zum Haustier – aber das war mir alles zu klischeehaft", erzählt die 34-Jährige. „Also habe ich über meinen E-Mail-Verteiler über Twitter Freunde und fremde Leute gefragt, wo sie Liebe erfahren haben, die man nicht fassen kann, die einem einfach das Herz aufmacht." Die Resonanz war überwältigend. „Ich habe unglaubliche Geschichten bekommen und tagelang Rotz und Wasser geheult."

Die für sie größte Geschichte war die von einem befreundeten Segler. Bei einer Regatta auf der Ostsee waren mehrere Schiffe in einen Sturm geraten. Beim Versuch, ein sinkendes Schiff leerzupumpen, war der Freund des Mannes tragisch ertrunken. Einige Zeit später fuhren alle Freunde an die Unglücksstelle, um dort ein Meer von Blumen ins Wasser zu werfen. „Als sie dort waren, öffnete sich plötzlich der Himmel. Mein Bekannter sagt, es habe ihm das Herz gebrochen, aber er habe sich gleichzeitig aufgenommen gefühlt und gewusst, dass alles seine Richtigkeit hatte."

Ungewöhnlich: Mit 25 Bildern pro Sekunde Film erweckt Jessica Koppe die Figuren aus bemaltem Papier zum Leben. - © Foto: Jessica Koppe
Ungewöhnlich: Mit 25 Bildern pro Sekunde Film erweckt Jessica Koppe die Figuren aus bemaltem Papier zum Leben. (© Foto: Jessica Koppe)

Diese Geschichte liefert die Rahmenhandlung für den fünfminütigen Film. In anderen Episoden kommen eine Mutter und ihr Kind vor, ein Bettler und ein junges Liebespaar. In etwa 8000 bis 12 000 Einzelbildern wird Jessica Koppe die Geschichte erzählen. Dafür zeichnet und schneidet sie alle Figuren und Kulissenteile aus bemalten Papieren, legt die verschiedenen Teile in mehreren Ebenen aufeinander und fotografiert sie – etwa 25 Bilder pro Sekunde Film. Die Musiker Joel Köhn und Nils Rabente liefern die Filmmusik, und der Schauspieler Christian Knäpper wird dazu »Das Hohe Lied der Liebe« rezitieren.

Und so wie die Geschichte des Films bereits ein Werk vieler verschiedener Menschen ist, soll auch die Finanzierung aus vielen Händen kommen. 11 260 Euro braucht Jessica Koppe, um die Produktionskosten zu decken und alle beteiligten Künstler fair zu entlohnen. „Ein Honorar für mich ist da allerdings nicht mit dabei. So viel Zeit, wie ich aufwende – da müsste der Film ein Vielfaches kosten", sagt die Künstlerin lachend. „Ich liebe, was ich tue – und es ist mir egal, wie viel Zeit ich dafür brauche." Sie möchte unabhängig bleiben, das ist ihr wichtig. Genauso, wie sie sich nach ihrem Studium bewusst für ein Leben in Ostwestfalen entschied und nun probiert, auch aus der sogenannten Provinz heraus Kunst zu schaffen, die alles andere als provinziell daherkommt.

Jeder, der einen Beitrag zu dem Film leistet – der Mindestbetrag sind fünf Euro – bekommt ein hochwertiges Dankeschöngeschenk – garantiert mit Liebe gemacht.

Wer mehr wissen und das Projekt unterstützen möchte, kann dies machen unter http://igg.me/at/liebe oder www.jessica-koppe.de

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