VersmoldNagel wieder auf Kurs

Unternehmen legt Bilanz 2014 vor

87ÿSilke Derkum

Wieder fit durch Investitionen: Die Nagel-Niederlassung in Polen wurde vom Verlustgeschäft zum Gewinnbringer. - © Archivfoto: S. Schelp
Wieder fit durch Investitionen: Die Nagel-Niederlassung in Polen wurde vom Verlustgeschäft zum Gewinnbringer. © Archivfoto: S. Schelp

Versmold. Bei einem Konzernumsatz von 1,6 Milliarden Euro erwirtschaftete die Nagel-Group 10,26 Millionen Euro Gewinn. Dies bedeutet eine satte Steigerung nach einem extrem schlechten Jahr 2013

Wenn es um Unternehmensnachrichten geht, gibt man sich in der Nagel-Group traditionell zurückhaltend. Egal ob gute oder schlechte Neuigkeiten – nur wenig dringt aus der Kommandozentrale an der Friedrich-Menzefricke-Straße nach außen. Doch um eine Veröffentlichung ihrer Jahresbilanz im elektronischen Bundesanzeiger kommt auch die Nagel Logistik-Holding, zu der insgesamt 63 Unternehmen gehören, nicht herum. Und die liest sich für das Jahr 2014 durchaus positiv.

Denn in diesem Zeitraum stieg der Konzernumsatz des Kühllogistikers um 4,4 Prozent. Parallel dazu erhöhte sich der Jahresüberschuss von 2,25 Millionen Euro im Jahr 2013 auf 10,26 Millionen Euro im Jahr 2014. Eine Steigerung, die das Branchenblatt »Deutsche Verkehrszeitung« (DVZ) so einordnet, dass man nach „dem desaströsen Jahr 2013" offensichtlich die richtigen Schlüsse gezogen habe.

"Maßnahmenpakete haben gegriffen"

„Die eingeleiteten Maßnahmenpakete haben gegriffen", wird Finanzchef Frank Böschemeier zitiert. Und deutet an, dass die Bilanz auch 2015 ähnliche Verbesserungen enthalte, was ein Ergebnis von 17 bis 18 Millionen Euro bedeuten könnte.

Rund 66 Prozent ihres Umsatzes, nämlich 1,06 Milliarden Euro, macht die europaweit aufgestellte Nagel-Group in Deutschland. Nur ein Drittel wird im europäischen Ausland erzielt, wobei Osteuropa mit knapp 94 Millionen Euro das Schlusslicht bildet.

Die Maßnahmen zur Verbesserung des Gesamtergebnisses, von denen Böschemeier spricht, beziehen sich unter anderem auf die Töchter in Dänemark und Polen. Im hochdefizitären »Nagel Danmark« seien Fixkosten abgebaut worden, während in die verlustbringenden Standorte in Polen investiert wurde. Beides habe das Jahresergebnis um mehrere Millionen Euro verbessert, so Böschemeier. Zudem habe man die Kundenstruktur unter die Lupe genommen. „Dort, wo es preislich nötig war, sind wir dann mit den Kunden in den Ring gestiegen", sagt Björn Schniederkötter von der Geschäftsleitung gegenüber der DVZ. Dies habe dazu geführt, dass sich Nagel von Kunden getrennt habe, mit denen kein Konsens gefunden wurde.

Palettentausch bleibt Sorgenkind

Doch nicht von allen Fronten werden Erfolge vermeldet. So verursache der Palettentausch nach wie vor Kosten im Millionenbereich, die zu Lasten der Spediteure gehen. Und auch bei der Mitarbeitergewinnung für den 6000 Fahrzeuge umfassenden Fuhrpark ist die Situation unverändert schwierig. Möglicherweise ein Grund dafür, dass sich die Mitarbeiterzahl nur um 0,8 Prozent erhöhte.

Insgesamt waren im Jahr 2014 an den über 100 Standorten der Nagel-Group in 15 europäischen Ländern 10 814 Mitarbeiter beschäftigt, davon 3947 Angestellte, 6307 gewerbliche Arbeitnehmer und 560 Auszubildende. 311,67 Millionen Euro zahlte die Gruppe ihren Mitarbeitern an Löhnen und Gehältern.

Ziele im Tiefkühlbereich

Für das Jahr 2016 hat sich die Nagel-Group vor allem Ziele im Tiefkühlbereich gesteckt, in dem der ursprünglich als Frischelogistiker aufgestellte Konzern seit rund fünf Jahren verstärkt mitmischt. „Wir wollen Mitte des Jahres das engmaschigste Tiefkühlnetz in Deutschland haben", teilt Schniederkötter der DVZ mit, was bedeute, dass von jeder der 27 deutschen Niederlassungen tiefgekühlte Waren verteilt werden können. Fahrzeuge mit zwei unterschiedlichen Temperaturzonen sollen für die entsprechenden Synergieeffekte sorgen.

Die Zeichen stehen bei Nagel also deutlich auf Wachstum. Für das Jahr 2020, so die DVZ, erwarte die Gesellschafterfamilie von der Geschäftsführung einen Jahresüberschuss von etwa 50 Millionen Euro vor Steuern.