Erinnerungen an Versmold im TV

Verfilmung des Treichel-Romans heute Abend in der ARD

87ÿSilke Derkum

Versmold. Für Versmolder steht heute Abend ein Pflichttermin auf dem Programm. Genauer gesagt, auf dem Fernsehprogramm der ARD. Dort wird um 20.15 Uhr der Film »Der verlorene Bruder« gezeigt. Und dabei handelt es sich um nichts weniger als die Verfilmung des Romans »Der Verlorene«, in dem der gebürtige Versmolder Hans-Ulrich Treichel seine Familiengeschichte verarbeitet und auf seine Kindheit in der westfälischen Provinz zurückblickt.

Heimaterinnerungen: Charly Hübner (links) und Noah Kraus spielen Vater und Sohn, die in der westfälischen Provinz mit der Familienvergangenheit zu kämpfen haben. - © Foto: WDR/Martin Menke
Heimaterinnerungen: Charly Hübner (links) und Noah Kraus spielen Vater und Sohn, die in der westfälischen Provinz mit der Familienvergangenheit zu kämpfen haben. (© Foto: WDR/Martin Menke)

Gedreht wurde der Film allerdings nicht am Originalschauplatz in Versmold, sondern in Bergheim, Elsdorf, Kerpen, Bedburg, Windeck, Wuppertal und Viersen. Das habe organisatorische Gründe, erklärt Produzent Jakob Claussen auf HK-Anfrage. Denn der Hauptdarsteller Noah Kraus war zum Zeitpunkt der Dreharbeiten im August/September 2014 erst 13 Jahre alt und durfte maximal drei Stunden pro Tag vor der Kamera stehen. Deshalb mussten die Wege zwischen den einzelnen Motiven ziemlich kurz sein. „Den im Roman zu erkennenden Erinnerungen von Hans-Ulrich Treichel versuchten wir dabei so nah wie möglich zu kommen“, sagt Claussen.

Info

Die Handlung

Auf der Flucht aus den deutschen Ostgebieten ist der erstgeborene Sohn der Blaschkes verloren gegangen – ein Trauma, das sie nicht überwinden. Sein nachgeborener Bruder Max erzählt von den Schuldgefühlen der Eltern und ihrer verzweifelten Suche, die er – anders als im Roman – versucht zu torpedieren.

Etwas anders als in der Romanvorlage gestaltet sich auch ein Teil der Handlung der Tragikomödie (siehe Kasten). Autor Hans-Ulrich Treichel sei mit dem Ergebnis des veränderten Drehbuchs und dem Film aber sehr glücklich, sagt der Produzent. Die Aussage des Films habe in den vergangenen Wochen sogar noch einmal an Aktualität gewonnen, ergänzt Barbara Buhl vom WDR. Denn er zeige die traumatischen Nachwirkungen, die eine Flucht mit sich bringe; eine Erfahrung, die Millionen deutscher Familien am Ende und nach dem Zweiten Weltkrieg machen mussten. Ebenso wie die Erfahrung, zum Teil aufgrund ihrer Traumata nicht willkommen zu sein. Und Gleiches geschehe zurzeit auch mit den Flüchtlingen, die in Deutschland ankommen.

Filmpremiere in Köln: Schriftsteller Hans-Ulrich Treichel (Mitte) umringt von (von links) Theo Bierkens, Jakob Claussen, Barbara Buhl, Noah Kraus, Johanna Gastdorf, Petra Müller, Matti Geschonneck. - © Foto: Herby Sachs/WDR
Filmpremiere in Köln: Schriftsteller Hans-Ulrich Treichel (Mitte) umringt von (von links) Theo Bierkens, Jakob Claussen, Barbara Buhl, Noah Kraus, Johanna Gastdorf, Petra Müller, Matti Geschonneck. (© Foto: Herby Sachs/WDR)

Neben Hans-Ulrich Treichel ist indirekt noch ein zweiter gebürtiger Versmolder an der Fernsehproduktion beteiligt. Historiker Rolf Westheider hat als Leiter des Stadtmuseums Gütersloh bei der Beschaffung der Requisiten mitgeholfen. Das Museum, das seinen Schwerpunkt auf historische Medizintechnik legt, ist regelmäßig Anlaufstelle von Produktionsfirmen, wenn es um die Ausstattung mit medizinischem Gerät aus dem Zeitraum von 1925 bis in die 1970er-Jahre geht. So werden heute Abend Instrumente zur Blutabnahme und Messzangen aus Gütersloh eine wichtige Rolle spielen. Ebenso wie ein historisches Miele-Fahrrad. „Ich werde auf jeden Fall vor dem Fernseher sitzen und darauf achten, ob ich die Sachen sehe“, verspricht Westheider. ¦Feuilleton

Copyright © Haller Kreisblatt 2019
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.