VersmoldHoffnung auf den Hanf

Joachim Klack will Garn gewinnen

Jan Herrmann

Passionierter Hanfbauer: Joachim Klack ist von den Vorteilen der Pflanze mit dem signifikanten Zackenmuster überzeugt. Kaum eine Pflanze wandele das Sonnenlicht so schnell in Wachstum um, wie der Hanf. - © Jan Herrmann
Passionierter Hanfbauer: Joachim Klack ist von den Vorteilen der Pflanze mit dem signifikanten Zackenmuster überzeugt. Kaum eine Pflanze wandele das Sonnenlicht so schnell in Wachstum um, wie der Hanf. © Jan Herrmann

Versmold-Bockhorst. Joachim Klack ist Idealist. Der Landwirt ist angetrieben von der Idee, dass Hanf der Baumwolle bei der Textilproduktion irgendwann ernsthaft Konkurrenz machen könnte. Seit fast zehn Jahren experimentiert er mit der Pflanze – und hat nun eine wichtige Hürde genommen.

Klack hat entdeckt, dass die Pflanze viel besser zur Herstellung eines Garns geeignet ist, wenn sie den Winter über stehen gelassen wird. „Dann ist sie nicht so widerspenstig und viel geschmeidiger“, sagt er. Dieses Konzept funktioniert aber nur, wenn der Hanf erst relativ spät angebaut wird – am besten erst Ende Juli. Dann sind die Pflanzen Anfang November mit Einsetzen des ersten Frosts noch nicht ganz ausgewachsen.

Der passionierte Landwirt hat festgestellt, dass das Wetter im Winter – Wind, Frost und Schnee – einen positiven Effekt auf die Weiterverarbeitung der Hanfpflanze hat. Durch diese Einflüsse wird ein ähnlicher Effekt wie beim sogenannten Rösten erzielt. Man lässt die Pflanze verrotten, um danach die Fasern besser voneinander trennen zu können. Das erleichtert den Weiterverarbeitungsprozess erheblich.

Was fehlt, ist ein Investor

Als Produzent kümmert sich Klack zwar um die Gewinnung des Rohstoffs, hat die Weiterverarbeitung aber in andere Hände gelegt. „Mein Abnehmer hat beteuert, dass wir nach dieser Methode einen ungeschliffenen Diamanten in Händen halten“, sagt er. Was jetzt noch fehle, sei ein Investor. Jemand, der die Gunst der Stunde erkennt und in Maschinen investiert, die die Herstellung von Garn im großen Stil ermöglichten. Klack glaubt an die Hanfpflanze und ist von ihren Vorteilen überzeugt. Negative Folgen der Baumwollgewinnung – wie das Absinkend des Wasserspiegels im kasachischen Aralsee aufgrund des hohen Wasserbedarfs – könnten dann der Vergangenheit angehören.

Info
Hanf

Hanf (Cannabis) gehört zu den ältesten Nutz- und Zierpflanzen der Welt. Neben dem Gebrauch als Faser- und Ölpflanze wird Hanf auch als Rauschmittel und Arzneimittel verwendet. Hanf ist ein wichtiger nachwachsender Rohstoff und findet auch in der Bauindustrie bei der Dämmung Verwendung.

Ein weiterer Vorteil ist, dass Hanf auch als Zwischenfrucht angebaut werden kann. Das ist besonders praktisch, wenn die Pflanze nach einer Hauptfrucht angebaut wird, die sich – wie beispielsweise Wintergerste – früh ernten lässt. Dann lässt sich noch Ende Juli eine Frucht anbauen, die dem Boden keine weiteren Nährstoffe entzieht. Und weil die Hanfpflanze ein so dichtes Blätterdach besitzt, hat es das Unkraut besonders schwer.

Immer noch viele Vorurteile

Joachim Klack räumt allerdings ein, dass mit der Pflanze Hanf immer noch viele Vorurteile verbunden sind. „Deswegen spreche ich lieber von Faserhanf. Sonst denken viele Menschen, dass man Drogen anbauen würde.“ Überhaupt lässt sich der Hanfanbau nur schwer genehmigen und hat Anträge bei der Bundesopiumstelle zur Folge. So darf der Versmolder die Pflanzen nur deshalb auf einer großen Fläche anbauen, weil auch ein Forschungsbereich der Universität Wuppertal involviert ist. Im Rahmen einer Doktorarbeit befasst sich ein Forscher damit, wie sich das Überwintern der Pflanze auf die Inhaltsstoffe auswirkt. Rauchen lassen sich die Pflanzen von Klack übrigens nicht. „Der THC-Gehalt ist so niedrig, dass man eher Durchfall bekommen würde“, so der Landwirt.

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