SteinhagenPicknick zwischen Grabsteinen: Alter Friedhof wird ein Ort zum Verweilen

Im nächsten Jahr beginnt die Umgestaltung des Alten Friedhofs in einen Park. Landschaftsarchitektin Tanja Minardo muss der heikle Balanceakt zwischen Aufenthaltsqualität und Totenruhe gelingen.

Frank Jasper

Der Alte Friedhof in Steinhagen soll ab dem kommenden Jahr umgestaltet werden. Die Totenruhe soll trotz des Ausbaus zum Park gewahrt werden. - © Frank Jasper
Der Alte Friedhof in Steinhagen soll ab dem kommenden Jahr umgestaltet werden. Die Totenruhe soll trotz des Ausbaus zum Park gewahrt werden. © Frank Jasper

Steinhagen. Um die Besonderheit des Projektes einmal auf den Punkt zu bringen, stelle man sich folgende Frage: Möchte ich hier meine Decke ausbreiten und ein Buch lesen oder mit Freunden lachen? Hier, in einem Park, der früher mal ein Friedhof war und streng genommen immer noch einer sein wird? Wie pietätvoll ist ein Picknick zwischen Grabkreuzen? Landschaftsarchitektin Tanja Minardo aus Brockhagen hat im Haupt- und Finanzausschuss ihre überarbeiteten Pläne für das 1,2 Hektar große Grundstück vorgestellt und deutlich gemacht, dass der besondere Charakter des Ortes auf jeden Fall gewahrt wird – die Anlage soll aber ausrücklich auch zum Verweilen einladen.

Vom wenige hundert Meter entfernten Bürgerpark wird sich der neue Park, der aller Voraussicht nach den Namen Alter Friedhof tragen wird, unterscheiden. Dort hatte es im vergangenen Sommer immer wieder Beschwerden über Lärmbelästigung gegeben, weil sich Jugendliche hier bis in die Nacht zum Trinken trafen. Erst vor wenigen Tagen hatten Teenager aus reiner Boshaftigkeit Anpflanzungen aus dem Boden gerissen. Szenen, die auf dem Alten Friedhof eine andere Dimension hätten.

Grabsteine sollen über das Gelände verteilt sein

So sieht der Plan für den neuen Park aus. Im Zentrum steht weiterhin das Hochkreuz, um die Besonderheit des Ortes herauszustellen. Von dort aus zweigen die Wege in den Park ab. - © Tanja Minardo
So sieht der Plan für den neuen Park aus. Im Zentrum steht weiterhin das Hochkreuz, um die Besonderheit des Ortes herauszustellen. Von dort aus zweigen die Wege in den Park ab. (© Tanja Minardo)

Historische Grabsteine, die Tanja Minardo als Gestaltungselement in ihren Planungen aufnimmt, sollten darum nach Meinungen aus der Politik nicht an einer zentralen Stelle aufgestellt werden, sondern auf dem Gelände verteilt stehen. „Ich habe die Befürchtung, wenn wir die Grabsteine an einer Stelle sammeln, nehmen wir die Stimmung weg und haben möglicherweise die gleichen Probleme wie im Bürgerpark", sagte etwa FDP-Fraktionsvorsitzende Silke Wehmeier. Dieser Einschätzung stimmte Grünensprecher Detlef Gohr zu: „Die historischen Grabstellen sollten dort bleiben, wo sie jetzt sind." Weitere erhaltenswerte Grabsteine sollten versprenkelt im Park auftauchen, so Gohr. Das würde dazu beitragen, dass es ein „ruhiger Ort" bleibe.

Tanja Minardo hatte zuvor in ihrer Präsentation vorgeschlagen, einen Hain der Lebenserinnerung zu schaffen, um ein Stück der Friedhofskultur zu bewahren. „Dort sollen besondere Grabsteine dauerhaft erhalten bleiben und eventuell mit QR-Codes versehen werden. Darüber könnten mit dem Smartphone Informationen über die Gräber abgerufen werden", erläuterte Minardo.

Hochkreuz im Zentrum der Anlage

Auf jeden Fall erhalten werden beispielsweise das Grab der Familie König, ebenso die Soldatengräber. Andere Gräber zeichnen sich durch besonders kunstvolle Gedenksteine aus, die erhaltenswert seien, so die Landschaftsarchitektin. Die Nutzungsdauer einzelner Ruhestätten läuft noch bis zum Jahr 2040. Sie bleiben selbstverständlich ebenso lange erhalten.

An die besondere Bedeutung des Ortes soll weiterhin das Hochkreuz im Zentrum der Anlage dienen. Von hier aus zweigen die Wege durch den Park ab. Das Wegenetz orientiert sich am Logo der evangelischen Kirchengemeinde und symbolisiert ineinandergreifende Hände. Eine gestalterische Finesse, die sich freilich nur auf den gezeichneten Plänen erahnen lässt. „Die Wege bieten Potenzial, die Menschen in den Park zu holen", so Tanja Minardo, weil sie sich als direkte Verbindung von den umliegenden Wohngebieten ins Ortszentrum anbieten.

Zentraler Weg soll insektenfreundlich beleuchtet werden

Auch wenn die Vermeidung von überflüssiger Lichtemission in der Steinhagener Politik aktuell ein großes Thema ist, möchte Tanja Minardo zumindest einen zentralen Weg durch den Park beleuchten. Dabei will sie auf insektenfreundliche Lichttechnik zurückgreifen. Eine stimmungsvolle Beleuchtung des Hochkreuzes im Zentrum ist ebenso vorgesehen.

Tanja Minardo entwirft den Park. - © Sonja Faulhaber
Tanja Minardo entwirft den Park. (© Sonja Faulhaber)

Auf Spiel- und Sportgeräte wie sie Bestandteil des Bürgerparks sind, hat Tanja Minardo bewusst verzichtet. Weitere Merkmale sind stattdessen Hängematten, „um die Seele baumeln zu lassen", natürlich gehaltene Wiesenflächen, ein Apfelgärtchen, eine Brunnenanlage und eine Reihe mit sogenannten Zukunftsbäumen. Damit sind neue Baumarten gemeint, die dem wandelnden Klima standhalten sollen.

Steinhagener sollen Bäume sponsern

Mit der Anpflanzung neuer Bäume will Tanja Minardo im nächsten Jahr starten. Sie schlägt in diesem Zusammenhang ein Sponsoringmodell vor, bei dem sich die Steinhagenerinnen und Steinhagener beteiligen können. „Auf diese Weise schaffen wir eine Verbindung zur Bevölkerung", so die Planerin.

Ihr Vorschlag fand in der Politik spontan Zuspruch. Im August/September soll dann die Aussaat für weitere Pflanzen erfolgen. Die Kosten für die gesamte Umgestaltung des Alten Friedhofs in einen Park beziffert Tanja Minardo auf 568.000 Euro.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.