SteinhagenExistenzangst: Öffnung der Buchhandlungen kommt "keine Minute zu früh"

Die Öffnung des Buchhandels rückt näher. Nach Meinung von Susanne Lechtermann ist dieser Schritt überfällig. Die Buchhändlerin berichtet, dass der zweite Lockdown noch einmal deutlich härter ist als der erste.

Birgit Nolte

Vorfreude steht auf dem Schild, das bei Susanne Lechtermann direkt auf dem Tisch im Eingangsbereich steht. Die Buchhändlerin hofft, dass der Lockdown bald beendet sein wird. - © Birgit Nolte
Vorfreude steht auf dem Schild, das bei Susanne Lechtermann direkt auf dem Tisch im Eingangsbereich steht. Die Buchhändlerin hofft, dass der Lockdown bald beendet sein wird. © Birgit Nolte

Steinhagen. Susanne Lechtermann ist erschöpft. „Man kommt sich vor wie eine Waschtrommel im Schleudergang", klagt die Buchhändlerin. „Meine Nerven und Reserven sind fast aufgebraucht." Die Geschäftsfrau kann sich gut an den ersten Lockdown erinnern. „Die Stimmung war eine ganz andere als heute", hat sie beobachtet. „Kanzleien haben beispielsweise größere Bestellungen bei mir aufgegeben, weil sie explizit den Einzelhandel unterstützten wollten. Davon ist im zweiten Lockdown nichts mehr zu spüren."

Mit großer Spannung hat sie Mittwochabend die Ergebnisse der Ministerpräsidentenkonferenz verfolgt, denn nach wie vor kann die Kundschaft bei Susanne Lechtermann zurzeit nur Bücher bestellen. Sie übergibt die Ware dann direkt im Eingangsbereich. Und dann bleibt es auch bei diesem einen bestellten Titel. Denn Stöbern in den Regalen ist bislang verboten. Die Kunden dürfen die Buchhandlung nicht betreten. Und somit landet kein weiterer Titel in der Einkaufstüte, der sonst in den Regalen noch aufgefallen wäre.

Sinkende Einnahmen bedeuten schwindende Liquidität

Im Januar und Februar sind Susanne Lechtermanns Umsätze um ein Drittel zurückgegangen. „Dabei sind Januar und Februar ohnehin schon sehr harte Monate", berichtet die Geschäftsfrau.

Die Folgen sind nicht nur sinkende Einnahmen. Besonders gefährlich ist die damit verbundene schwindende Liquidität. Denn für die Buchhändlerin ist es überlebenswichtig, immer die neuesten Titel auf Lager zu haben. „Das sind ganz große Konzerne, mit denen man zu tun hat. Die sind knallhart. Wer nicht zahlt, fliegt von der Lieferliste."

Soforthilfen mussten zurückgezahlt werden

Von der Politik fühlt sich Susanne Lechtermann im Stich gelassen. Zwar seien die Soforthilfen im ersten Lockdown sehr schnell geflossen. „Die Sommermonate und das vorgezogene Weihnachtsgeschäft liefen wider Erwarten recht gut. Also habe ich die Soforthilfe wieder zurückzahlen müssen", berichtet Susanne Lechtermann. „Jetzt im zweiten Lockdown werden nur noch 40 Prozent der Fixkosten übernommen. Das ist zu wenig. Davon kann kein Mensch leben", so ihre Kritik.

Ihren festangestellten Mitarbeiterinnen hat sie glücklicherweise bisher nicht kündigen müssen. „Aber ich hatte zwei Mini-Jobberinnen, die haben zur Zeit Pause", berichtet Susanne Lechtermann. Sie befürchtet, dass durch den langen Lockdown noch mehr Menschen den Internethandel für sich entdeckt haben. „Wer bisher nicht online bestellt hat, der tut es spätestens jetzt."

Den Menschen fehlt das Shopping-Erlebnis

Susanne Lechtermann ist aber auch klar, dass Online Offline nicht eins zu eins ersetzen kann. „Den Leuten fehlt einfach das Shopping-Erlebnis. Die wollen sich endlich wieder gerne im Laden umschauen, in den Büchern blättern, neue Literatur entdecken", ist sie sich sicher.

Jetzt hofft sie nur noch, dass der Lockdown, der seit dem 16. Dezember läuft, bald ein Ende hat. Und da gibt es tatsächlich gute Nachrichten für Susanne Lechtermann und andere Buchhändler, denn beim Treffen der Kanzlerin mit den Ministerpräsidenten am Mittwoch wurde beschlossen, dass Buchhandlungen künftig dem Einzelhandel des täglichen Bedarfs zugeordnet werden. Damit darf Susanne Lechtermann ab dem 8. März ihre Buchhandlung wieder in vollem Umfang öffnen.  „Aus meiner Sicht wäre das keine Minute zu früh", macht Susanne Lechtermann klar.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.