LokalsportFür Klaus Völcker ist auch mit 79 Jahren noch lange nicht Schluss

Der Steinhagener ist wohl einer der ältesten Schwimmtrainer Deutschlands. Die Corona-Pandemie setzt ihm und seinen Athleten besonders zu. Er ist in der Krise aber bereit, neue Wege zu gehen.

Dennis Bleck

Klaus Völcker ist mit ganzer Leidenschaft Schwimmtrainer in Steinhagen und „erst 79 Jahre jung“, wie er selbst sagt. - © Dennis Bleck
Klaus Völcker ist mit ganzer Leidenschaft Schwimmtrainer in Steinhagen und „erst 79 Jahre jung“, wie er selbst sagt. © Dennis Bleck

Steinhagen. Die ersten warmen Tage des Jahres haben in Klaus Völcker etwas ausgelöst: Der Frühling, der in dieser Woche mit Macht sein Kommen ankündigt, bringt bessere Zeiten, hofft er. Wie viele andere Menschen auch hat er die Sonne und die Temperaturen genossen. Sie verdrängten den Corona-Blues, der den 79-Jährigen gerade in der sogenannten dunklen Jahreszeit voll erwischt hatte.

„Ich hatte mentale Probleme, befand mich in einem kleinen Tief", gibt Völcker zu. Die Kontaktbeschränkungen, das Sportverbot und die fehlende Perspektive, all das setzte dem Schwimmtrainer zu. Trotzdem hat er in keiner Minute ans Aufhören gedacht. Während andere Männer in seinem Alter längst das Leben als Rentner genießen und selbst jüngere Menschen die viele Freizeit in der Corona-Pandemie plötzlich zu schätzen gelernt haben, setzt sich Völcker weiter voll für den SC Steinhagen-Amshausen ein. Daran wird auch das Virus nichts ändern können.

Trockenübungen an Land sind besser als nichts

Seit Anfang Februar steht Völcker mit seinen Sportlern jetzt wieder regelmäßig in Kontakt. „Endlich", wie er sagt. Natürlich nur über das Internet, das versteht sich von selbst. Neben dem sonnigen Frühlingswetter hebt auch das seine Stimmung: „Mir fehlte in der Zeit davor der direkte Umgang mit meinen Athleten", sagt Völcker. Dreimal in der Woche schwingt sich der Senior jetzt vor den Computer: Schwimmtraining via Videokonferenz.

Aber bringt das überhaupt etwas? „Natürlich fehlt uns das Wasser. Aber Trockenübungen an Land sind besser als nichts", sagt Völcker. Er gibt sich kämpferisch, und die Sportler zahlen ihm seinen unermüdlichen Einsatz mit Motivation und Ehrgeiz zurück. Und doch gibt es da etwas, das Völcker nachdenklich stimmt.

Hoffen auf den Mai und die Freibad-Saison

Im Dezember hatte der SC Steinhagen-Amshausen ein Konzept zum Betrieb von Schwimmbädern unter Bedingungen in der Corona-Pandemie erstellt und dieses großflächig verbreitet. Empfänger waren der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), der Deutsche Schwimmverband (DSV) sowie die Schwimmverbände OWL und NRW. Auch hochrangige Spitzenpolitiker bekamen den Entwurf per Post. Die Reaktionen darauf fielen positiv aus – viel verändert hat sich seitdem aber nicht. Noch immer sind die Schwimmbäder nämlich pandemiebedingt geschlossen. Und bleiben es vermutlich noch etwas länger.

Zwar ist der erfahrene Völcker nach wie vor davon überzeugt, „dass der Sport und das Schwimmen Teil der Lösung nicht des Problems sind". Trotzdem richtet er seinen Blick erst auf den Monat Mai: Dann nämlich startet, so hofft Völcker, in vielen Kommunen die Freibadsaison. Hoffnung auf vorzeitige Lockerungen für den Schwimmsport macht er sich nur wenig. Ein Training im Becken unter freiem Himmel sei in naher Zukunft realistischer als im Steinhagener Hallenbad. Schon im vergangenen Jahr trainierten die Schwimmer die meiste Zeit an der frischen Luft.

„Irgendwann müssen auch wir zurück ins Wasser"

Dass die sonst so starken Athleten und Athletinnen des SC Steinhagen-Amshausen nach der Krise nicht an ihre gewohnten Erfolge anknüpfen können, fürchtet Völcker bislang noch nicht. Vor dem zweiten bundesweiten Lockdown im Oktober stellten sie in internen Wettkämpfen ihre Konkurrenzfähigkeit unter Beweis. Dass einige von ihnen damals ihre persönlichen Bestzeiten verbesserten, führt Völcker auf das intensive Athletik-Training zurück.

Schon vor der Pandemie überraschte der 79-Jährige seine Schützlinge nämlich immer mal wieder damit, auch schwimmferne Übungsformen in den Trainingsalltag zu integrieren. Kraftübungen und Elemente aus anderen Sportarten bestimmen an manchen Tagen den Übungsplan. „Weil wir ein kleiner Verein sind, müssen wir einige Dinge einfach anders machen, um erfolgreich zu sein", sagt Völcker: „Irgendwann müssen aber auch wir zurück ins Wasser."

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