Schaeffler-Betriebsrat: „Notfalls besetzen wir die Autobahnbrücke“

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Arbeitskampf bei Schaeffler - © Anja Hanneforth, HK Arbeitskampf bei Schaeffler Foto: Anja Hanneforth, HK - © Anja Hanneforth, HK Coronakonform im Freien und mit Maske treffen sich die Beschäftigten zur Betriebsversammlung. - © Anja Hanneforth, HK Gesamtbetriebsratschef Salvatore Vicari (links) und sein Steinhagener Kollege Jörg Schütze informieren die Mitarbeiter. - © Anja Hanneforth, HK

Steinhagen. Die Gesichter der Männer und Frauen, die sich auf dem Betriebshof eingefunden haben, sind ernst. Sie sorgen sich um den Verlust ihrer Arbeitsplätze, vermissen ein Signal der Geschäftsleitung, dass es Hoffnung für den Standort Steinhagen gibt. „Es ist leicht, über unsere Köpfe hinweg zu entscheiden, wenn man 500 Kilometer entfernt wohnt", macht der stellvertretende Betriebsratschef Andreas Heil den Ernst der Lage deutlich. „Hier geht es um unsere Existenz. Wir brauchen endlich ein Zeichen, dass es hier weitergeht."

Es sind schwierige Zeiten für Autozulieferer

Es sind schwierige Zeiten für Automobilzulieferer wie Schaeffler. 25 Standorte unterhält der Konzern allein in Deutschland, alle treten am Mittwoch zumindest stundenweise in den Ausstand, um gegen Personalabbau, Werksschließungen oder -verkäufe zu demonstrieren. „Lasst das Licht an!" heißt es auf einem Banner in Steinhagen, und auf einem anderen „Erhaltet unser Werk und unsere Existenz!"

Wie viele Standorte es am Ende schaffen werden, darauf hat niemand eine Antwort. Wie berichtet stehen allein an der Gottlieb-Daimler-Straße um die 160 Arbeitsplätze zur Disposition. Die Betriebsräte hoffen, dass sich dies noch abwenden lässt.

„Wir haben hier eine hoch motivierte und innovative Mannschaft", so Betriebsratschef Jörg Schütze. „Wir können Komponenten für den Automobilbereich ebenso wie für die Industrie fertigen. Das ist unsere Chance. In den vergangenen Monaten haben wir in Steinhagen Alternativen aufgezeigt, wie es laufen kann. Jetzt ist die Firmenleitung gefordert."

Unterstützung aus Bayern für die Ostwestfalen

Unterstützung erhält er von Salvatore Vicari, Gesamtbetriebsratsvorsitzender der Unternehmensgruppe und Mitglied des Aufsichtsrats, am Vormittag eigens zur Versammlung aus Bayern nach Ostwestfalen gereist: „Unser Unternehmen steckt in einem schwierigen Strukturwandel. Verschärfte Klimaschutzziele und die Forderung nach alternativen Antriebstechniken setzen den Konzern unter Druck." Umso wichtiger, dass die Entscheider jetzt ihre Hausaufgaben machten und ihre Energie in die Entwicklung zukunftsweisender Techniken steckten.

„Wir brauchen eine Agenda, wie wir den Wandel schaffen können. Dabei müssen wir die Veränderungen als Chance, nicht als Gefahr begreifen. Doch dazu scheint das Unternehmen derzeit nicht fähig. Ich bin in großer Sorge, was das für die Standorte bedeutet – nicht nur für Steinhagen." Wie seine Betriebsratskollegen berichtet Vicari, dass der Konzern als einzige Lösung aktuell betriebsbedingte Kündigungen sieht. „Das können und werden wir so nicht akzeptieren."

Andreas Heil bestätigt, wie ernüchternd es sei, wenn sich trotz aller Anstrengungen nichts bewegt. „Dagegen ist eine Eisenbahnschranke flexibel." Er bedauert, dass „niemand aus der Führungsriege den Mumm hat, hier und heute den Mitarbeitern Rede und Antwort zu stehen. Das ist beschämend."

Weitere Gespräche folgen

Natürlich wisse er, dass man mit Produkten wie Schiebemuffen auf dem absteigenden Ast sei. „Aber wir sind am Standort gut aufgestellt, sind kreativ und haben Ideen. Wir wollen eine Perspektive für die Zukunft." Die große Zahl der Beschäftigten, die am Vormittag in den Ausstand getreten sind, und ihr klarer Kampfeswille machten ihm Mut – und schickten eine deutliche Ansage zum Stammsitz nach Herzogenaurach. Und es ginge noch mehr, betont Heil: „Ich habe keine Hemmungen, notfalls auch die Autobahnbrücke zu besetzen."

Die Hoffnungen aller, die zur Betriebsversammlung gekommen sind, ruhen danach auf denen, die hinter verschlossenen Türen verhandeln. Betriebsräte, Vertreter der obersten Geschäftsleitung, Anwälte, zehn Personen vor Ort, der Rest online zugeschaltet. Mehrere Stunden sitzen die Verantwortlichen zusammen. Am Abend bilanziert Jörg Schütze: „Einen Durchbruch gab es zwar nicht. Aber unser Austausch war konstruktiv. Für die nächsten 14 Tage sind weitere Gespräche vereinbart."

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