19-Jähriger kauft Führerschein auf der Straße und überfährt beinahe Radfahrer

Anke Schneider

Gericht Symbolbild - © kraximus2010 - Fotolia
Gericht Symbolbild (© kraximus2010 - Fotolia)

Steinhagen/Halle. Dem Angeklagten wurde vorgeworfen, am 16. August vergangenen Jahres mit einem Lkw in Bielefeld unterwegs gewesen zu sein. Beim Zurücksetzen übersah er einen Radfahrer, der stark bremsen musste, um nicht überfahren zu werden. Dabei kam der Fahrradfahrer zu Fall. Den herbeigerufenen Polizisten zeigte der Beschuldigte ein Foto eines griechischen Führerscheins vor, der ihm in Griechenland gestohlen worden sein soll.

Führerschein stellt sich als Fälschung heraus

Zwei Wochen später war der Angeklagte mit einem Pkw in Halle auf der Bahnhofstraße unterwegs. Inzwischen war festgestellt worden, dass der fotografierte Führerschein eine Fälschung war.

Am 20. Oktober sollte der Beschuldigte daher im Verkehrskommissariat in Gütersloh zu den beiden unerlaubten Fahrten eine Aussage machen. Die Beamten verdeutlichten ihm, dass er hier in Deutschland keinen Lkw und keinen Pkw fahren darf. Nach der Anhörung verließ der Beschuldigte das Verwaltungsgebäude – und stieg auf dem Parkplatz in einen VW Golf.

Vor dem Haller Amtsgericht sagte der Angeklagte jetzt, dass er den Führerschein in Athen auf der Straße von einem ihm unbekannten Mann gekauft habe. „Das ist in meinem Land auch so. Man gibt Geld und bekommt einen Führerschein", berichtete er.

"Es muss Ihnen doch klar sein, dass man eine Prüfung machen muss"

Der Amtsrichter und die Vertreterin der Staatsanwaltschaft hatten es schwer, die Fassung zu bewahren. „Sie sind einige Jahre in Deutschland, da muss Ihnen doch klar sein, dass man hier eine Prüfung machen muss", sagte die Amtsanwältin. Das sei übrigens auch in Griechenland so. „Dass Sie gedacht haben, ein Foto eines gekauften Führerscheines reicht, glauben wir Ihnen nicht."

Der Vertreter der Jugendgerichtshilfe meinte, dass der Beschuldigte in der Tat hier noch nicht Fuß gefasst habe. „Da ist noch einiges an Integrationsarbeit nötig", sagte der Sozialarbeiter und schlug einen Verkehrserziehungskurs vor. Der Beschuldigte müsse erst einmal verstehen, wozu ein Führerschein überhaupt gut ist.

Das Gericht verurteilte den 19-Jährigen zu 70 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Zudem muss er an einem Verkehrerziehungskurs teilnehmen und darf die nächsten zwölf Monate keine Fahrerlaubnis machen. „Es kann sein, dass man in Syrien an jeder Ecke einen Führerschein kaufen kann", so der Richter. Der Angeklagte sei aber seit fünf Jahren in Europa und müsse wissen, dass das hier nicht geht. Dennoch zu fahren, obendrein noch mit dem Auto zum Polizeiverhör, zeuge von einer Dickfelligkeit, die man selten anträfe.

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