Steinhagens Top-Voltigierer Jannis Drewell hofft auf die WM

Auch für den Voltigierer vom PSV fielen und fallen viele Termine aus. Glück im Unglück: Der Bundeskader wurde deshalb eingefroren. Damit er davon profitiert, muss aber erst einmal eine Saison stattfinden.

Jonas Damme

Jannis Drewell - © Jonas Damme
Jannis Drewell (© Jonas Damme)

Steinhagen. Tatsächlich – so erläutert der Profisportler am Telefon – solle man die Kaderaufstellung nicht überbewerten. Sie verschaffe ihm zwar optimale Trainings- und Wettkampfvorbereitungsmöglichkeiten, lege aber nicht wirklich fest, wer an der nächsten WM teilnehmen dürfe. Das entscheide sich in den Qualifikationsturnieren. Die eigentliche Arbeit beginne deshalb erst jetzt.

Seit eineinhalb Jahren hat Jannis Drewell an keinem größeren Wettkampf mehr teilgenommen, die meisten seiner Gegner auch nicht. „Die komplette letzte Saison ist ausgefallen. Deswegen kann ich ganz schwer einschätzen, wo ich stehe", sagt der 29-Jährige. Eines ist allerdings sicher: Aus Sicht der Bundestrainerin gehört er nach wie vor zu den vielversprechendsten Pferde-Athleten des Landes. „Immerhin sind wir trainingsmäßig nicht groß eingeschränkt gewesen." Sein Job als Sportsoldat verschafft ihm auch weiterhin die nötige finanzielle Freiheit.

Nun ist natürlich die Frage, wie – und vor allem wann – es weitergeht. „Wir hoffen noch auf die Saison 2021." Oder besser: „Wir hoffen, dass wir überhaupt eine Saison haben werden", sagt Drewell. Erste Turniere ab Ostern seien allerdings schon verschoben worden. Auch der Winterweltcup sei vollständig abgesagt worden. „Wir schauen von Woche zu Woche und von Monat zu Monat. Aber so richtig weiß es keiner. Die Kunst ist, trotzdem die Motivation hochzuhalten und immer dran zu bleiben."

Wenn sich der Verband endlich entschließe, wieder zu starten, dann ginge es allerdings auch „gleich wieder voll los". Denn dieses Jahr könnte eine Weltmeisterschaft stattfinden. „Eigentlich wäre die Europameisterschaft dran, aber daraus ist eine WM gemacht worden", so der Europameister von 2015. Als Austragungsort sei Budapest geplant. Eigentlich hätte die WM im Vorjahr in Schweden stattfinden sollen, auch sie fiel der Pandemie zum Opfer.

Dass das Team Drewell dieses Jahr flexibel sein muss, ist offensichtlich. „Wie die Quali aussehen könnte, ist noch völlig unklar", berichtet Jannis Drewell. „Aber keiner will jetzt noch voreilig etwas absagen." Tendenziell könne das Einzelvoltigieren vielleicht auch vor den Mannschaftswettbewerben wieder starten. Immerhin sind Kontakte dafür eigentlich kaum erforderlich.

Bei der deutschen Meisterschaft im August 2017 in der Niedersachsenhalle in Verden überzeugten Jannis Drewell und sein Schimmel Diabolus einmal mehr mit ihrem Markenzeichen: extrem hohen und manchmal riskanten Sprüngen. Archivfoto: im|press|ions – Carolin Kowsky / Daniel Kaiser - © im|press|ions
Bei der deutschen Meisterschaft im August 2017 in der Niedersachsenhalle in Verden überzeugten Jannis Drewell und sein Schimmel Diabolus einmal mehr mit ihrem Markenzeichen: extrem hohen und manchmal riskanten Sprüngen. Archivfoto: im|press|ions – Carolin Kowsky / Daniel Kaiser (© im|press|ions)

Nur einer hat von der langen Zwangspause profitiert

Einzig Jannis Drewells wichtigster Partner (neben seiner Mutter und Trainerin Simone) hat vom langen Turnierausfall profitiert. „Qualimero hat sich sehr gut entwickelt. Dem hat die Ruhe gutgetan", sagt der Voltigierer. Wie berichtet hatte Drewell das Pferd vor mehreren Jahren mit Hilfe von Spenden gekauft, um Ersatz zu haben für sein langjähriges Hauptpferd, den Schimmel Diabolus. Mittlerweile, so glaubt der Voltigierer, hat das neue Pferd die Sicherheit, die es braucht. „Der Plan ist ganz klar Qualimero. Er ist auf WM-Niveau."

Mittlerweile gehört aber auch Jannis Drewell nicht mehr zu den jungen Hüpfern. Mit 29 sind die meisten Gegner und Team-Kameraden mittlerweile jünger als er. Und das in einem Sport, in dem die körperliche Fitness das A und O ist. Über das Ende der Karriere will der Reiter vom PSV aber noch lange nicht sprechen. „Ich gehöre schon zu den Ältesten, aber wann Ende ist, darüber rede ich, wenn es so weit ist."

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