SteinhagenSchaeffler in Steinhagen: Jetzt beginnt der Arbeitskampf

4.400 Arbeitsplätze sind beim Weltkonzern in Gefahr – allein in Europa. Einige Werke werden komplett geschlossen. Wie es in Steinhagen weitergeht, bleibt unklar. Jetzt starteten die Verhandlungen zwischen Unternehmensführung und Gewerkschaft.

Jonas Damme

Keine Sackgasse: Nur die Einfahrt zum Schaeffler-Werksgelände an der Gottlieb-Daimler-Straße endet. Mit dem Steinhagener Standort soll es weitergehen. Die Frage ist allerdings: Mit wie vielen Mitarbeitern? Foto: Jonas Damme - © Jonas Damme
Keine Sackgasse: Nur die Einfahrt zum Schaeffler-Werksgelände an der Gottlieb-Daimler-Straße endet. Mit dem Steinhagener Standort soll es weitergehen. Die Frage ist allerdings: Mit wie vielen Mitarbeitern? Foto: Jonas Damme © Jonas Damme

Steinhagen. Am Donnerstag trafen sich im Schaeffler-Werk an der Autobahnauffahrt Betriebsrat, IG Metall und die Arbeitgebervertreter, um über die Zukunft zu sprechen. Das Problem: Die liegt für die Vertreter der vielen Hundert Mitarbeiter in Steinhagen im Nebel. Der schlimmste Fall: „Der Arbeitgeber könnte den gesamten Auto-Bereich dichtmachen", erklärt Jörg Schütze. Ein Szenario, dass der Betriebsratsvorsitzende wenn irgend möglich vermeiden will. „Unsere Priorität ist klar: Wir wollen nicht, dass Leute entlassen und abgefunden werden. Wir wollen das Werk so gut wie möglich lange zukunftsfähig gestalten."

Das Resümee des ersten Verhandlungstages fällt indes verhalten aus. „Wir liegen weit auseinander", lässt sich Schütze in die Karten blicken. Schon seit einiger Zeit versuchen die Gewerkschaftler, das Management am Stammsitz im bayrischen Herzogenaurach von einem Alternativplan zu überzeugen.

„Es liegt nun am Arbeitgeber, diese Alternativkonzepte zu fixieren"

Die Arbeitgeberseite begründet die Sparpläne mit der Sorge um eine anhaltende „strukturelle Unterauslastung". Immer wieder argumentierte Schaeffler in der Vergangenheit dabei mit der Veränderung des Automobilmarktes, die auch die Zulieferer treffe.

Darüber hinaus spielen nach Einschätzung der IG Metall aber wohl auch die hohen Personal- und damit Produktionskosten in Deutschland ein Rolle. Im Schaeffler-Werk in Steinhagen werden spezielle Produkte wie Schiebemuffen hergestellt.

Die Arbeitnehmerseite hatte nun vorgeschlagen, die Produktion auf zukunftsträchtigere Komponenten umzustellen. Entweder man müsse das zweite Standbein – die Industrie-Sparte – ausbauen oder Neuentwicklungen aus dem Automotive-Bereich nach Steinhagen holen. „Wir müssen nun herausfinden: Was ist möglich?", sagt Jörg Schütze. „Wir fordern das Unternehmen nachdrücklich auf, die betriebswirtschaftlich tragfähigen Gegenvorschläge der Betriebsräte aufzunehmen. Es liegt nun am Arbeitgeber, diese Alternativkonzepte in nachhaltigen und zukunftssichernden Vereinbarungen zu fixieren. Das Unternehmen ist jetzt in der Pflicht, die Ursprungspläne zu überdenken und den Betriebsräten, den Beschäftigten und für die Standorte Alternativen aufzuzeigen."

Im März habe man hoffentlich eine klarere Vorstellung davon, wie die Zukunft der Schaeffler-Mitarbeiter in Steinhagen aussehen wird, so Schütze.

Nach wie vor gibt es keine klaren Aussagen darüber, wie viele Arbeitsplätze in Steinhagen wegfallen könnten. Mehr als 400 Menschen arbeiten an der Gottlieb-Daimler-Straße. Rund 160 Stellen sind nach Einschätzung der IG Metall in Gefahr.

In der Firmenkommunikation des Auto- und Maschinenbauzulieferers laufen die Sparmaßnahmen als „Restrukturierungsmaßnahmen" namens RACE und SPACE. Das sogenannte RACE-Programm startete 2019 mit dem Ziel, mehr Aufträge zu generieren, effizienter zu arbeiten und nicht zuletzt Kosten zu reduzieren. Im September vergangenen Jahres startet zusätzlich SPACE. Aus den Plänen geht hervor, dass 4.400 Arbeitsplätze in Europa akut gefährdet sind. Sieben deutsche Standorte könnten komplett geschlossen werden. Steinhagen ist bisher nicht darunter.

Mit einem Aktionstag machten Gewerkschaften und Betriebsräte am Freitag deutschlandweit klar, dass man nicht vorhat, die Pläne stillschweigend hinzunehmen. Auf eine Versammlung vor dem Werk habe man leider verzichten müssen, weil die Sicherheitsabstände nicht gewährleistet werden könnten, erklärt der Betriebsratschef.

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