Steinhagen soll Fahrräder zum Ausleihen bekommen

Der Kreis Gütersloh plant ein Bikesharing-System, an dem sich alle Kommunen beteiligen können. Im Umweltausschuss wurde die Idee positiv aufgenommen, eine andere Kommune zeigt sich wenig beeindruckt.

Frank Jasper

An mehreren Ausleihstationen könnten die Fahrräder abgestellt werden. An der neuen Mobilitätsstation am Rathaus und an den beiden Haller-Willem-Haltestellen sollten laut Mobilitätsexperte Christopher Schmiegel auf jeden Fall Leihräder zur Verfügung stehen. - © CC0 Pixabay
An mehreren Ausleihstationen könnten die Fahrräder abgestellt werden. An der neuen Mobilitätsstation am Rathaus und an den beiden Haller-Willem-Haltestellen sollten laut Mobilitätsexperte Christopher Schmiegel auf jeden Fall Leihräder zur Verfügung stehen. (© CC0 Pixabay)

Steinhagen. Mit dem Bike-sharing-System wollen der Kreis Gütersloh und der Verkehrsverbund OWL (VVOWL) das ÖPNV-Angebot erweitern und eine feinere Erschließung der Fläche erreichen. In der Sitzung des Ausschusses für Klima und Umwelt am Mittwochabend stellte Christopher Schmiegel, Mobilitätsmanager beim Kreis, das Konzept vor.

„Mit dem Angebot sollen kurze Strecken innerhalb der Kommune abgedeckt werden", erklärte er den Ausschussmitgliedern. Also beispielsweise die letzten Meter zwischen Bahnhof und Wohnung, Arbeitsstelle oder Freizeiteinrichtung. Die Leihfahrräder befinden sich an Stationen, die auf das Gemeindegebiet verteilt sind. Schmiegel schlug die neue Mobilitätsstation am Rathaus und die beiden Haller-Willem-Haltestellen vor; auch in den Ortskernen von Brockhagen und Amshausen sowie an den Einkaufszentren machten Stationen Sinn. Große Unternehmen wie Hörmann könnten eingebunden werden, indem auch dort Ausleihstationen entstehen.

Dienstleister regelt Verteilung und Wartung der Räder

Die Leihe beginnt mit der Entsperrung eines Rades an der Station und endet, sobald das Rad an einer Station wieder verschlossen wird. Die Ausleihe funktionier über eine Smartphone-App mit QR-Code-Lesefunktion. Ein Dienstleister sorgt dafür, dass die Fahrräder bedarfsgerecht über die Gemeinde verteilt sind, so dass an allen Stationen immer ausreichend Räder zur Verfügung stehen.

Christopher Schmiegel wies darauf hin, dass eine Kommune eine ausreichende Menge an Rädern zur Verfügung stellen muss, damit das System funktioniert. Für Steinhagen werde zu Beginn ein Start mit 30 Rädern empfohlen. Aus Gesprächen mit Anbietern und den Erfahrungen aus anderen Kommunen weiß man, dass für ein komplettes System inklusive Fahrräder, deren Wartung und Stationen Kosten in Höhe von rund 70 Euro pro Rad im Monat zu erwarten seien. Würde Steinhagen 30 Räder auf mehrere Stationen verteilen, ergibt sich für die Gemeinde eine Kostenbeteiligung in Höhe von 25.000 Euro pro Jahr.

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Neben der Spur

Mit dem Zug am Bahnhof ankommen und die letzten Meter mit dem Leihfahrrad nach Hause radeln? Wer das will, macht es längst und braucht zur Umsetzung dieses Mobilitätskonzeptes kein Leihfahrrad. Denn im ländlichen Raum hat man selbstverständlich sein eigenes auf die persönlichen Bedürfnisse eingestelltes Fahrrad – oder eben nicht, weil man damit ohnehin umkippen würde. Also: kein Bedarf. Und wenn doch, dürfte manchen potenziellen Nutzer das Konzept abschrecken. Wer sein Leihfahrrad nicht einfach vor der Wohnungstür abstellen kann, sondern nur an einer Station, von der er dann doch wieder zu Fuß laufen muss, wird müde abwinken. Das stationenbasierte System verhindert zwar, dass Räder am Ende kreuz und quer auf Bürgersteigen liegen, aber es widerspricht der eigentlichen Grundidee, die „letzte Meile" mit dem Rad zu strampeln. Da mindestens einmal am Tag ein Bulli die Stationen abfahren müsste, um die Verteilung der Räder sicherzustellen, dürfte die CO 2-Einsparung nicht der Rede wert sein.
Frank Jasper

Das Bikesharing-System soll zunächst für drei Jahre getestet werden. Der Start ist für das Frühjahr 2022 eingeplant. Bereits im April könnte die Kooperationsvereinbarung zwischen Kreis, VVOWL und den beteiligten Kommunen geschlossen werden. Laut Christopher Schmiegel hätten bereits alle Kommunen, denen er das Konzept vorgestellt hat, Interesse signalisiert. Ausgerechnet in der größten Stadt, Gütersloh, sei die Reaktion verhalten gewesen.

Mehrwert dank E-Bikes und Lastenräder

Die Steinhagener Politik ließ am Mittwoch größtenteils Zustimmung für das Vorhaben durchblicken und brachte bereits eigene Ideen ein. Während Roland Albersmann (SPD) vorschlug, auch E-Bikes zur Ausleihe anzubieten, könnte sich Sven Hillebrand (Grüne) Lastenräder als Teil des Angebots vorstellen. „Dann hätte das Angebot einen Mehrwert, denn nicht jeder hat ein Lastenrad zuhause", sagt Hillebrand. Dies würde allerdings die Kosten für das Projekt in die Höhe treiben, gab Schmiegel zu bedenken. Grundsätzlich seien E-Bikes und Lastenräder aber eine weitere Option, die natürlich in die Ausschreibung mit aufgenommen werden könnten.

Ob sich Steinhagen an dem kreisweiten Bikesharing-System beteiligt, wurde in der Sitzung allerdings noch nicht beschlossen. Die CDU möchte sich fraktionsintern noch beraten.

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