Fahrdienste zum Impfzentrum - Terminvergabe sei „ein Abenteuer“

Das Generationenbüro bietet älteren Menschen Hilfe bei der Organisation ihrer Corona-Impfung an. Bei Bedarf werden Fahrdienste vermittelt. Für Kritik sorgt das komplizierte Online-Anmeldeverfahren.

Frank Jasper

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Steinhagen. Der FDP-Vorschlag, älteren Menschen bei Bedarf einen Fahrdienst zum Impfzentrum in Gütersloh anzubieten, ist am Dienstagabend im Sozialausschuss auf Zustimmung gestoßen. Dennoch enthielten sich SPD und Grüne bei der Abstimmung. Sie forderten, dass zunächst bereits bestehende Hilfsangebote und Kostenübernahmen geprüft werden, bevor die Gemeinde Ehrenamtliche einbindet. „Auf keinen Fall werden wir in Konkurrenz zu Taxiunternehmen treten", stellte in der Diskussion auch Sozialamtsleiterin Birgit Pape klar.

Einig waren sich die Ausschussmitglieder darüber, dass Menschen, die nicht mobil sind und sich kein Taxi leisten können, eine Fahrt zum Impfzentrum ermöglicht werden muss. Die FDP hatte darum vorgeschlagen, dass im Rathaus eine Vermittlungsstelle für ehrenamtliche Fahrer und hilfesuchende Senioren eingerichtet wird. „Im Grunde gibt es so eine Schaltstelle ja längt in unserem Generationenbüro", erklärte gestern Birigt Pape im HK-Gespräch. Dort werde bereits seit Beginn der Coronapandemie die Einkaufshilfe koordiniert. „Und wir haben auch schon Fahrten zum Arzt organisiert", berichtet sie. Ehrenamtliche, die solche Aufgaben im Auftrag der Gemeinde Steinhagen übernehmen, erhielten Kilometergeld und seien über den Gemeindeunfallversicherungsverband Westfalen-Lippe versichert. Natürlich werden sie mit den nötigen Hygieneartikeln wie FFP2-Masken und Desinfektionstüchern ausgestattet.

„Generationenbüroim Rathaus ist handlungsfähig"

Mögliche Schwierigkeiten sieht Birgit Pape für ältere Menschen nicht nur bei der Fahrt zum Impfzentrum, sondern bereits im Vorfeld, wenn es darum geht, sich einen Impftermin zu besorgen. „Die Terminvergabe über die Internetseite www.116117.de ist nicht für Menschen über 80 Jahre gemacht worden. Wir werden Anrufe von Senioren bekommen, die da alleine nicht durchkommen", fürchtet sie nach einer ersten Sichtung der Seite. Der Weg zu einem Termin sei „schon ein Abenteuer". Wie gut eine Anmeldung über die Hotline 116117 funktioniert bleibt abzuwarten.

„Ich gehe allerdings davon aus, dass die meisten Senioren im persönlichen Umfeld Leute haben, die ihnen sowohl bei der Terminabsprache als auch bei der Fahrt helfen", ist die Sozialamtsleiterin überzeugt. In Steinhagen leben rund 1.500 Einwohner, die 80 Jahre und älter und damit als nächstes impfberechtigt sind. „Wenn sich davon hundert an uns wenden, die nicht alleine nach Gütersloh kommen, ist das schon viel", wagt Birgit Pape eine Prognose. Das Generationenbüro im Rathaus sei auf jedem Fall handlungsfähig.

Bereits gestern hat Regina Fleer-Meyer, die das Generationenbüro leitet, ein Informationsblatt verfasst, in dem auf die Corona-Hilfsangebote der Gemeinde hingewiesen wird. Unter anderem wird auch der geplante Fahrdienst zum Impfzentrum genannt (siehe Infokasten). „Wir haben bereits im Zuge der Berichterstattung über den FDP-Antrag Anrufe von Bürgerinnen und Bürgern erhalten, die sich als ehrenamtliche Fahrer zur Verfügung stellen möchten. Schon jetzt ist die Resonanz seitens der Freiwilligen sensationell", sagt Regina Fleer-Meyer.

Für Enttäuschung sorgte hingegen die Mitteilung vom Land NRW, dass die Impfzentrum anders als geplant nicht am 1. Februar öffnen, sondern erst eine Woche später. Aufgrund von Lieferengpässen steht nicht ausreichend Impfstoff zur Verfügung.

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