SteinhagenCorona-Impfaktion: Steinhagener Altenzentrum leistet echten Kraftakt

Im Altenzentrum Matthias-Claudius-Haus sind am Mittwoch 180 Personen gegen Covid-19 geimpft worden. Dem zuständigen Arzt Clemens Schumacher begegneten im Vorfeld aber auch einige Zweifler. Seine Meinung zur Impfaktion ist eindeutig.

Frank Jasper

Arzt Clemens Schumacher verabreicht Kerstin Stuckmann die erste Impfdosis. Die Pflegedienstleiterin assistierte dem Mediziner am Mittwoch bei der Aktion. - © Frank Jasper
Arzt Clemens Schumacher verabreicht Kerstin Stuckmann die erste Impfdosis. Die Pflegedienstleiterin assistierte dem Mediziner am Mittwoch bei der Aktion. © Frank Jasper

Steinhagen. Heiligabend erhielt die Leiterin des Altenzentrums Katharina Schaffeld den entscheidenden Anruf aus Gütersloh. Am anderen Ende der Leitung meldete sich der Ärztliche Leiter des Kreis-Impfzentrums, Dr. Heinrich Michael Hanraths. Bis wann das Matthias-Claudius-Haus startklar für die Impfung sein könnte? „Wir haben dann über die Feiertage alles in die Wege geleitet – ein echter Kraftakt“, berichtet Katharina Schaffeld. Bewohner, Mitarbeiter, Ehrenamtliche und Gäste der Tagespflege mussten benachrichtigt werden.

Gestern starteten dann um 8 Uhr die ersten Impfungen in Steinhagen. Rund 90 Prozent der 80 Hausbewohner nutzten das Impfangebot. Bei den Mitarbeitern lag die Impfquote bei etwas über 80 Prozent. Unter den Impfwilligen war auch Kerstin Stuckmann. Die 51-jährige Pflegedienstleiterin musste nicht lange überlegen. „Ich habe mit meinen Kindern darüber gesprochen, aber für mich war schon schnell klar, dass ich dieses Angebot annehme. Wir müssen auch das jetzt zusammen durchziehen.“

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Lieferkette des Impfstoffs bleibt geheim

Durchgeführt wurden die Impfungen im Matthias-Claudius-Haus von Clemens Schumacher, der als Weiterbildungsassistent in der Gemeinschaftspraxis Wiese/Schäfer beschäftigt ist. Schumacher war zuvor vom Impfzentrum in Gütersloh mit der Durchführung beauftragt worden. Welchen Weg die 180 Impfdosen für Steinhagen zuvor genommen haben, unterliegt der Geheimhaltung. Vor Ort in Steinhagen wurde der Impfstoff von Tina Heitmann von der Mühlenapotheke aufbereitet.

„Der Impfstoff muss kühl gelagert und transportiert werden. Er hält sich nur etwa sechs Stunden bei Raumtemperatur“, erläutert Clemens Schumacher, „außerdem darf er nicht geschüttelt werden“. Zunächst wurden am Vormittag die Bewohner in ihren Wohnbereichen geimpft. Um im Anschluss Personal und Ehrenamtliche mit dem Vakzin zu versorgen, hatte das Team des Matthias-Claudius-Hauses in der zum Altenzentrum gehörenden Begegnungsstätte eine Impfstraße aufgebaut. „Die Vorbereitungen sind optimal verlaufen“, lobte der Mediziner die Organisation.

Bereits vor dem Impftermin hatte Clemens Schumacher viele Aufklärungsgespräche geführt. Zweifel am Impfstoff nimmt er durchaus ernst. Für den Facharzt für Anästhesie und Intensivmedizin steht der Sinn der Impfkampagne aber außer Frage. „Wir gehen damit einen riesigen Schritt Richtung Normalität“, so der Mediziner. „Sowohl Bewohner als auch Angehörige haben mich in den vergangenen Tagen gefragt, ob geschwächte alte Menschen die Impfung überhaupt vertragen. Denen sage ich: Gerade für diese Personengruppe ist eine Immunisierung extrem wichtig.“ Teil seiner Arbeit sei es, den Menschen Ängste vor dem Vakzin zu nehmen und Misstrauen aus dem Weg zu räumen. „Denn was da vor allem in den sozialen Netzwerken und alternativen Medien verbreitet wird, verunsichert viele Menschen und sabotiert die Impfaktion.“

Emotionale Belastung fällt ein Stück weit vom Team ab

In drei Wochen erhalten die 180 Geimpften ihre zweite Dosis. Bekanntlich entfaltet der Impfstoff des Herstellers Biontech/Pfizer erst nach einer zweiten Impfung seinen vollen 95-prozentigen Schutz vor Covid-19.

Obwohl die Impfquote im Matthias-Claudius-Haus vergleichsweise hoch ist, wird sich laut der Leiterin Katharina Schaffeld an den Sicherheitsmaßnahmen in der Einrichtung erst mal nichts ändern. Schließlich sei das Altenzentrum kein in sich abgeschlossener Raum, erklärt Mediziner Schumacher. Und weil von hundert Geimpften fünf eben nach wie vor erkranken könnten, sei Vorsicht geboten. Bis zur Herdenimmunität sei es noch ein weiter Weg. „Aber die emotionale Belastung, unter der wir in den vergangenen Monaten hier gearbeitet haben, nimmt ein Stück weit ab. Wir freuen uns über jeden Tag, an dem nichts passiert“, sagt Katharina Schaffeld. „Wir freuen uns und sind dankbar, dass wir so früh an der Reihe waren.“

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