SteinhagenDie Zeit läuft: Kinderarzt für Steinhagen dringend gesucht

Dr. Maria Rita Bredenbröker hat ihre Praxis an der Bahnhofstraße aufgegeben. Eine neue Kinderärztin muss her, da ist sich die Politik einig. Bereits jetzt lässt sich die Gemeinde die Suche etwas kosten. Einfach wird die Sache aber nicht.

Jonas Damme

Symbolbild - © CC0 Pixabay
Symbolbild © CC0 Pixabay

Steinhagen. „Die Tatsachen haben uns eingeholt“, konstatierte Lars Steinmeier (CDU) am Montagabend im Sozialausschuss. Seine Fraktion hatte im November beantragt, mit Hilfe der kassenärztlichen Vereinigung dafür zu sorgen, dass der Kassensitz für einen Kinderarzt in Steinhagen „dauerhaft abgesichert“ ist. Gleichzeitig sollte sich das Rathaus „aktiv“ auf die Suche nach einer Nachfolge für Dr. Maria Rita Bredenbröker machen. Die hat ihre Praxis vor wenigen Tagen geschlossen.

Die Verwaltung war indes nicht untätig. „Es wurden schon mehrere Anzeigen geschaltet“, erklärte Bürgermeisterin Sarah Süß. „Auch Frau Bredenbröker hat sich um eine Nachfolgerin bemüht.“ Erfolg hatten die Maßnahmen bisher nicht.

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Kassensitz bleibt nur ein halbes Jahr erhalten

Dabei ist durchaus Eile geboten, nicht nur wegen der akuten Versorgungssicherheit. „Der Kassensitz bleibt Steinhagen für ein halbes Jahr erhalten. Wir wollen versuchen, die Frist zu verlängern“, erklärte Sarah Süß. Hat die Kinderarzt-Suche bis zum Fristende keinen Erfolg, muss ein neuer Kassensitz beantragt werden. Oft ein langwieriges Unterfangen.

Warum sich die Suche schwierig gestaltet, erklärte die Bürgermeisterin auch. Für den Fachbereich der Kinderärzte entschieden sich im Studium überdurchschnittlich oft Frauen. „Für viele ist es aber ein großes finanzielles Risiko, eine eigene Praxis zu eröffnen“, so Süß. Die Übernahme einer Praxis samt Kassenplatz kostet oft weit mehr als 100.000 Euro. Dazu komme, dass junge weibliche Ärzte häufig in Teilzeit arbeiteten, was sich mit einer eigenen Praxis ebenfalls schlecht vereinbaren ließe. „Wir haben deshalb schon Anfragen gestellt, ob ein anderer Kinderarzt eine Zweigstelle in Steinhagen eröffnen würde“, erklärte die Verwaltungschefin weiter.

Was nun zu tun ist, um dem Ziel näher zu kommen, dazu gab es im Sozialausschuss verschiedene Vorschläge. Amtsleiterin Birgit Pape konstatierte, dass Anzeigen in medizinischen Fachzeitschriften vor allem teuer, aber nicht sehr erfolgversprechend seien. „Wir sollten vielleicht eher über die Sozialen Medien gehen“, so Pape. Die Christdemokraten brachten die Idee auf, einen auf Mediziner spezialisierten Headhunter zu beauftragen. Außerdem schlug Lars Steinmeier vor: „Vielleicht sollte man im Haushalt Geld für einen Mietzuschuss einstellen?!“ Die Grünen betonten, dass „ein ganzes Bündel von Maßnahmen“ erforderlich sei. Man solle das kommende halbe Jahr systematisch planen und erst dann entscheiden, wo genau eine Investition Sinn macht.

Am Ende fiel die Abstimmung entsprechend aus. Einstimmig votierten die Parteien dafür, dass sich die Verwaltung weiter um einen Kinderarzt bemüht. Einzig die Grünen enthielten sich.

In den kommenden Woche und Monaten will die Verwaltung nun alle Kontakte, inklusive der regionalen Kinderärzte nutzen, um mögliche Kandidaten zu finden. Auch ein finanzieller Anreiz, nach Steinhagen zu kommen, ist dann nicht ausgeschlossen.

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