Wer saß am Steuer? Betrunkene Eltern fahren mit Kleinkind im Auto

Ein Paar ist betrunken mit dem Auto unterwegs. Dem Gericht stellte sich jetzt vor allem eine Frage.

Anke Schneider

Steinhagen/Halle. Diese Konstellation sieht auch das Amtsgericht Halle nicht alle Tage. In zwei verschiedenen Verfahren waren zwei Eheleute aus Steinhagen angeklagt, die betrunken Auto gefahren sein sollen. Am selben Tag – im selben Pkw.

Der Abend des 17. Mai soll sich wie folgt zugetragen haben: Das Ehepaar war mit seinem Kleinkind zu Besuch bei den Eltern der Frau. Dort wurde offenbar einiges an Alkohol getrunken, denn die Blutproben ergaben am Ende einen Wert von 1,5 Promille bei der Frau und mehr als zwei Promille bei dem Mann. Als das Paar sich auf den Heimweg begab, soll die Frau gefahren sein, das behauptete sie zumindest während der Verhandlung im Amtsgericht. Unterwegs soll es zu einem Streit zwischen den Eheleuten gekommen sein.

„Meine Frau hielt an und stellte den Motor ab", berichtete der Angeklagte, um den es in dem Verfahren ging. „Ich sollte aussteigen und zu Fuß nach Hause gehen", sagte er. Das habe er nicht gewollt und habe vom Beifahrersitz aus nach dem Schlüssel gegriffen, um den Motor zu starten. Seine Frau habe das verhindern wollen und ebenfalls nach dem Schlüssel gegriffen. Dabei sei der Schlüssel abgebrochen. Nun stiegen beide aus und stritten lauthals weiter. Das Kind auf dem Rücksitz begann offenbar zu weinen.

Zeuge hört das weinende Kind und ruft die Polizei

„Wir saßen auf der Terrasse und hörten den Streit", sagte ein Zeuge des Geschehens. „Ich bin hingegangen und habegefragt, ob ich helfen kann", so der 44-Jährige. Das Angebot sei schroff abgelehnt worden , und so begab sich der Zeuge wieder auf seine Terrasse. „Dann hörte ich ein Kind weinen und da habe ich die Polizei gerufen."

Als die Polizisten kamen, behauptete der Beschuldigte, dass er den Pkw gesteuert habe. Die Frau hörte das und berichtigte, dass sie auch gefahren sei. „Die Polizisten merkten an, dass man nicht zu zweit ein Auto steuern kann, und da habe ich gesagt, dass wir unterwegs die Plätze getauscht haben", so die Ehefrau weiter. Sie habe ihren Mann nicht so aussehen lassen wollen, als ob er die Polizei angelogen hätte. In Wirklichkeit sei es aber so gewesen, dass sie die ganze Fahrt über am Steuer gesessen hätte.

Weder die Polizisten noch der Zeuge aus der Nachbarschaft konnten sich erinnern, wer von den beiden auf dem Fahrersitz des Autos gesessen hatte.

Gericht glaubt der Frau

„Wir kriegen das so nicht rund", stellte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft fest. Das Gericht glaubte am Ende der überzeugenden Aussage der Frau, die ihren Mann mit ihrer falschen Aussage zunächst hatte schützen wollen. Der Mann wurde freigesprochen. Die Ehefrau war zuvor bereits per Strafbefehl zu einer Geldstrafe und einer Sperre für den Führerschein verurteilt worden.

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