Geburtstagsfeier eskaliert: Frau wird ausgeladen, weil sie angeblich stinkt

Als sie dennoch zum Steinhagener Spielplatz kommt, wird es brutal.

Herbert Gontek

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Steinhagen/Halle. Mit einer aus dem Lot geratenen Geburtstagsfeier aus dem Jahr 2018 auf dem öffentlichen Spielplatz am Pulverbach musste sich jetzt das Amtsgericht in Halle befassen. Angeklagt war eine 36-jährige Frau wegen gefährlicher Körperverletzung, ihr damaliger Freund und Mitangeklagter ist inzwischen gestorben.

Seinen Ursprung hat der Zwist durch die unbestrittene Tatsache, dass die Angeklagte die Mutter einer Nachbarin und guten Bekannten ausdrücklich von der Feier ausgeladen hatte, „weil sie unangenehm nach Schweiß riecht", wie die Gastgeberin erklärte. Nach Darstellung der Geschädigten kam sie dennoch mit dem Fahrrad auf den Platz. Sie habe zu dem öffentlichen Spielplatz gewollt und nicht zu der Feier.

Sofort sei sie dort von dem Freund der Angeklagten „angemacht" und vom Gelände verdrängt worden. Er habe sie geschubst und sie sei hingefallen. Die Angeklagte und der verstorbene Freund hätten sich auf sie gesetzt und die Frau habe mit einem Metallstuhl auf sie eingeschlagen.

Frau zerreißt Gastgeberin das Kleid

Zwei Zeugen aus der Nachbarschaft berichteten, die geschädigte Frau sei in angriffslustiger Haltung und offenbar angetrunken zum Spielplatz gekommen. Augenblicke später seien das Geschrei und die körperlichen Auseinandersetzung losgegangen. Die 36-jährige Gastgeberin berichtete aufgeregt, sie sei von der am Boden liegenden Frau gekratzt worden. Sie habe ihr sogar das Kleid zerrissen. Aus Wut habe sie mit einem Stuhl nach ihr geworfen. Diese Aussage bestätigten die Zeugen nicht. Sie gaben an, die Angeklagte habe systematisch nachgeschlagen.

Während der laufenden Verhandlung wurde auf Antrag der beschuldigten Frau eine weitere Zeugin aus Steinhagen geholt, weil sie von ihr Entlastung erwartete. Diese Rechnung ging nicht auf. Nach gut dreistündiger Verhandlung schloss die Richterin die Beweisaufnahmen. Die Staatsanwältin forderte wegen erwiesener gefährlicher Körperverletzung sechs Monate Haft mit dreijähriger Bewährung und 90 Sozialstunden. Die Richterin schloss sich in ihrem Urteil dem Plädoyer an.

Sie begründete es damit, dass hier keine Notwehr mehr vorgelegen habe. Deshalb sei das Zuschlagen mit dem Stuhl nicht gerechtfertigt gewesen, es habe sich vielmehr um einen Angriff auf die Gesundheit der Geschädigten gehandelt. Wer auf öffentlichem Gelände mit unliebsamen Gästen nichts zu tun haben wolle, müsse das mit Fingerspitzengefühl regeln und nicht mit Gewalt, schloss die Vorsitzende die Sitzung. Die Verurteilte sagte, sie bereue den Vorgang und beendete ihre Ausführungen mit der Erkenntnis: „Es war mein Fehler."

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