Junger Steinhagener Schiri schwenkt jetzt in der Bundesliga die Fahne

Der Nachwuchs-Schiedsrichter von Arminia Bielefeld nimmt den nächsten Schritt auf der Karriereleiter.

Nicole Bentrup

Schiedsrichterassistent mit Handwerkszeug: Luca Maurer erschien zum Lokaltermin ohne Fahne, aber mit Spielnotizkarte und Stift. - © Nicole Bentrup
Schiedsrichterassistent mit Handwerkszeug: Luca Maurer erschien zum Lokaltermin ohne Fahne, aber mit Spielnotizkarte und Stift. (© Nicole Bentrup)

Bielefeld/Steinhagen. Es ist Samstagvormittag, knapp halb zwölf. Auf dem Bahnsteig des Bielefelder Hauptbahnhofs steht ein junger Mann. Er ist 21 Jahre alt und mit einer großen Sporttasche der Marke Adidas ausgestattet. Er tippelt etwas nervös vor sich hin, schaut auf die Anzeigetafel, dann wieder auf seine Uhr. Es ist Luca Maurer aus Steinhagen, der auf den ICE 847 von Köln nach Berlin Gesundbrunnen wartet. An diesem Morgen muss er nach Wolfsburg. Dort hat er an seinen ersten Einsatz als Schiedsrichterassistent in der A-Junioren-Bundesliga.

„Die Voransetzung habe ich schon Ende August bekommen, die definitive Ansetzung dann eine Woche vor dem Spiel", sagt Maurer. Seine Gefühlslage beim Erhalt der E-Mail vom Deutschen Fußball Bund? „Da habe ich mich sehr gefreut, aber es war auch eine große Anspannung da."

„Man erlebt den Fußball aus einer anderen Perspektive"

Seit 2011 ist Maurer Schiedsrichter, er pfeift für den DSC Arminia, ist vor dieser Saison in die Landesliga aufgestiegen und fortan als Gespannführer unterwegs. Dazu kommt die Berufung zum Assistenten in der Junioren-Bundesliga. „Das war schon cool, weil ich damit nicht gerechnet hätte, als ich mich für den Schiri-Schein entschieden habe", erzählt er.

Seine Beweggründe für den Griff zur Pfeife sind einfach, aber nachvollziehbar: „Die Schiedsrichterei entwickelt einen Menschen auch in seiner Persönlichkeit. Außerdem erlebt man den Fußball so aus einer anderen Perspektive."
Um 13.03 Uhr steigt Maurer gemeinsam mit Lasse Lütke-Kappenberg (Kreis Münster) und Eric Timmer (Gelsenkirchen) in Wolfsburg aus dem ICE. Nach einer kurzen Phase der Orientierung machen sie sich auf den Weg zum AOK-Stadion – der Heimspielstätte der erfolgreichen VfL-Fußballfrauen und der Nachwuchsmannschaften.

Je näher es Richtung Anstoß geht, desto nervöser ist Maurer

„Ein ganz schmuckes kleines Stadion", berichtet der Steinhagener. 5.200 Plätze davon 1.700 Sitzplätze und 3.500 Stehplätze – momentan dürfen coronabedingt natürlich nicht alle genutzt werden. Der Wolfsburger Schiedsrichterbetreuer nimmt das Gespann in Empfang und geleitet es in die Kabine. „Dort wurden uns dann die Abläufe erklärt. Dann sind wir auf den Rasen gegangen, haben die Platzkontrolle durchgeführt und mit den Trainern gesprochen", sagt Maurer. Was folgt ist das Umziehen, ein kurzes Erstgespräch mit Schiedsrichter-Beobachter Jens Goldmann, dann das Warm-Up. „Das ist für uns Schiris auch enorm wichtig", erklärt Maurer.

Je näher es in Richtung 14 Uhr geht – da nämlich erfolgt der Anpfiff –, desto größer ist Maurers Anspannung. Dabei hat er doch zuletzt erst im Bielefelder Kreispokalfinale an der Seitenlinie gestanden. „Das kann man allerdings überhaupt nicht vergleichen", sagt er lachend. Mit der ersten richtigen Entscheidung im Spiel des VfL Wolfsburg gegen Werder Bremen sei die Anspannung dann weniger geworden. „Das war einfach nur eine Seitenaus-Situation. Aber auch die muss in so einem Spiel erst einmal sitzen."

Bewertung nach dem Spiel fällt positiv aus

Als Schiedsrichterassistent eins ist Luca Maurer an diesem Tag nicht nur dafür zuständig, die Fahne zu heben. Gleichzeitig kümmert er sich federführend um die ordnungsgemäße Durchführung der Auswechslungen. Außerdem sorgt er dafür, dass es auf den Bänken fair zugeht. „Das hat alles super geklappt, die Trainer waren cool." Nach dem Spiel, das die Bremer übrigens mit 3:2 gewinnen, gibt es ein knapp 30-minütiges Auswertungsgespräch mit dem Beobachter. „Er war mit mir zufrieden und die Note war auch okay", sagt Maurer.

Mit einem guten Gefühl und völlig ohne Anspannung geht das Schiedsrichtergespann nach getaner Arbeit noch gemeinsam Essen, ehe es dann um 18.52 Uhr wieder in den ICE steigt. Um 20.21 Uhr ist die erste Bundesliga-Fahrt von Luca Maurer am Bielefelder Hauptbahnhof auf Gleis 4 beendet. Was bleibt sind viele positive Eindrücke, die dem 21-Jährigen Rettungssanitäter der Berufsfeuerwehr Detmold niemand mehr nehmen kann.

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