"Unser Revier" - Ethnischer Konflikt in Flüchtlingsunterkunft eskaliert

Ein Streit zwischen arabischen Männern und einem Schwarzafrikaner hatte jetzt ein Nachspiel vor Gericht. Dort schilderten die Zeugen ihre teils brutal geführten Auseinandersetzungen.

Herbert Gontek

Dieses Übergangswohnheim war Schauplatz eines der Konflikte, um die es in der Verhandlung ging. Ein weiterer Streit wurde auf dem Kesselbrink in Bielefeld ausgetragen. - © Jonas Damme
Dieses Übergangswohnheim war Schauplatz eines der Konflikte, um die es in der Verhandlung ging. Ein weiterer Streit wurde auf dem Kesselbrink in Bielefeld ausgetragen. (© Jonas Damme)

Steinhagen. „Die Araber nennen uns abwertend (hayawan wahid) – ein Tier", schilderte erregt ein 28-jähriger Schwarzafrikaner aus Guinea. Er stand jetzt vor dem Haller Amtsgericht, weil er drei Männer arabischer Herkunft mit gefährlichen Gegenständen angegriffen und verletzt haben soll. Doch im Prozessverlauf stellten sich die Vorgänge eher anders dar.

Die Verhandlung begann mit einer Vorführung des jungen Afrikaners in Handschellen. Er hatte den Gerichtstermin nicht wahrgenommen, wurde in einem Wohnheim der Gemeinde Steinhagen angetroffen, vorläufig festgenommen und zum Amtsgericht transportiert. Acht Zeugen, sechs verschiedene Sprachen, zwei Dolmetscher und ein Häftling als Zeuge in Handschellen aus Schwerte angereist – so einen Auflauf erlebt das Haller Amtsgericht selten.

Der junge Afrikaner ist angeklagt, am 6. Oktober des vergangenen Jahres in einem Wohnheim in Steinhagen und am 22. September auf dem Kesselbrink in Bielefeld drei arabischstämmige Männer angegriffen und verletzt zu haben. Zunächst wurde aber der Vorfall im Wohnheim behandelt. Der Angeklagte berichtete, er habe bei der Gemeinde um Verlegung aus dem Heim in eine anderes Haus gebeten, weil er in der bisherigen Unterkunft von den arabischen Mitbewohnern gemobbt werde. Darauf habe niemand reagiert.

Mehrfach ins Gesicht geschlagen

An dem besagten Abend sei ein Freund, ein gebürtiger Perser – zu ihm gekommen, der wiederum eine „Altlast" mit einem Araber gehabt habe. Diese Männer seien nun aufeinander getroffen und es habe sofort eine Schlägerei gegeben. Er sei dazwischen gegangen, wollte seinen Bekannten aus der Schusslinie ziehen. Daraufhin sei er angegriffen und mehrfach ins Gesicht geschlagen worden.

Mit nur einem einzigen Faustschlag habe er seinen Gegenüber niedergestreckt. Eine Eisenstange sei nicht im Spiel gewesen. Das wurde auch von dem Opfer bestätigt. Die Platzwunde habe sich der Mann wahrscheinlich beim Sturz nach dem Niederschlag geholt.

Der Mann aus Guinea bedauerte, dass er in Deutschland nicht arbeiten dürfe. Er habe verschiedene Führerscheine gemacht und sei zur Schule gegangen, doch habe dies seine Ausgangssituation nicht verbessert. „Mit den ganzen Auflagen in Deutschland machen die uns unseren Kopf kaputt", beklagte er mit Tränen im Auge.

Bierflasche als Waffe

Die Schlägerei in Bielefeld stellt sich wahrscheinlich auch anders da, als zunächst angenommen. „Wir haben dort in einem Café gesessen, schilderte der Afrikaner. Es seien ein Araber, ein Deutscher und eine Frau unbekannter Herkunft an seinen Tisch gekommen und hätten erklärt, dass er dort nichts zu suchen habe. Er sei nicht erwünscht. „Das ist unser Revier", soll die Gruppe ihm zugerufen haben. Dann habe sich der Araber nach einer Bierflasche gebückt, sie zertrümmert und ihn mit der Scherbe angegriffen. Der Deutsche habe mit einem Hosengürtel zugeschlagen.

Als er an der Augenbraue von dem spitzen Glas getroffen wurde und eine stark blutende Wunde erlitt, habe er sich ebenfalls eine Bierflasche aus dem Müll gefischt und als Waffe eingesetzt, berichtete der 28-Jährige. Die Polizei beendete schließlich die Auseinandersetzung auf dem Kesselbrink und ließ die beiden Streithähne per Rettungswagen ins Krankenhaus bringen.

Der Prozess soll Anfang Oktober fortgesetzt werden.

Copyright © Haller Kreisblatt 2020
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.