Wieder ein Geschäft weniger: Sieker schließt endgültig

Das Spielzeug- und Haushaltswarengeschäft am Fivizzanoplatz gehörte seit Jahrzehnten zum Ortsbild. Jetzt wird ein Nachmieter für das 180 Quadratmeter große Ladenlokal gesucht.

Frank Jasper

Karl-Heinz Sieker in seinem Laden. Die Kasse, an der er steht, ist noch ein Relikt aus alten Zeiten. - © Frank Jasper
Karl-Heinz Sieker in seinem Laden. Die Kasse, an der er steht, ist noch ein Relikt aus alten Zeiten. (© Frank Jasper)

Steinhagen. „Irgendwann muss Schluss sein. Und der Punkt ist nun erreicht", teilt Geschäftsinhaber Karl-Heinz Sieker gestern im Gespräch mit dem Haller Kreisblatt mit. Es sind in erster Linie gesundheitliche Gründe, die ihn dazu bewogen haben, den Laden nicht mehr zu öffnen. Der 76-Jährige unterzieht sich aktuell einer zeitintensiven Therapie. „Das würde dazu führen, dass ich zwischendurch immer wieder hätte schließen müssen", sagt Sieker. „Außerdem haben mich Freunde und Familie daran erinnert, dass ich in Bezug auf Corona Risikopatient bin und auf mich aufpassen soll. Im Laden hätte ich ja automatisch viel Kontakt zu Menschen", gibt er zu bedenken.

Die Erkrankung und Corona sind auch der Grund, warum das Spielzeug- und Haushaltswarengeschäft in diesem Jahr bisher nur drei Wochen im Januar geöffnet hatte. Ansonsten würde Karl-Heinz Sieker vermutlich immer noch in seinem Geschäft stehen. „Es hat mir natürlich auch immer ganz viel Spaß gemacht", betont der Einzelhändler mit einem Lachen.

Noch immer stehen Geschirr, Teekocher, Playmobil-Kisten und Puppen in den Schaufenstern. - © Frank Jasper
Noch immer stehen Geschirr, Teekocher, Playmobil-Kisten und Puppen in den Schaufenstern. (© Frank Jasper)

Einen Nachfolger für das Geschäft wird es seiner Ansicht nach nicht geben. „So einen Laden kann man heute nicht mehr führen", weiß Karl-Heinz Sieker. „Für mich war das wirtschaftlich einfacher, weil mir die Räume gehören und ich somit keine Miete zahlen musste." Sieker hat das Haller Immobilienbüro Luther damit beauftragt, einen Nachmieter zu finden.

Konkurrenz durchs Internet ist groß

1963 war Karl-Heinz Sieker nach seiner Lehre in Brackwede zurück nach Steinhagen gekommen, um im väterlichen Geschäft zu arbeiten. 1975 übernahm er es. Bis in die 1980er Jahre sei das Geschäft sehr gut gelaufen. Umsätze wie früher seien seit den 90er Jahren aber nicht mehr möglich gewesen. Zu groß sei die Konkurrenz durch Supermärkte geworden, die plötzlich auch Töpfe und Kaffeemaschinen im Sortiment hatten. Nach und nach nahm dann der Internethandel dem stationären Einzelhandel immer mehr Kundschaft weg.

Noch immer stehen Teekocher, Geschirr, Playmobilkästen und Puppen in den Schaufenstern. „Eventuell wird es einen Ausverkauf geben; vielleicht finde ich für die Ware aber auch einen Komplettabnehmer", teilt Karl-Heinz Sieker noch mit, der sich nun mit 76 Jahren trotz seines Spaßes an dem Laden auch auf den Ruhestand freut.

Kommentar

Ortskern darf nicht veröden


Die Pflasterarbeiten vor dem Geschäft Sieker sind erst vor ein paar Tagen beendet worden. Die Ortskernsanierung ist fast abgeschlossen. Mehrere Millionen Euro hat die Gemeinde investiert, um Steinhagens Mitte aufzuhübschen. Das ist durchaus gelungen, doch damit zieht nicht automatisch Leben ein. Nun verabschiedet sich ein weiteres inhabergeführtes Geschäft für immer aus dem Ortskern. Ein weiterer Frequenzbringer ist weg. Während man die Passanten auf Markt-, Fivizzano- und Kirchplatz nur an sonnigen Nachmittagen trifft, zieht es die Menschen zu den Discountern, Supermärkten und Filialisten an Bahnhofstraße und Woerdener Straße. Das Zentrum ist leer, es lebe das Einkaufszentrum! Die Geschäftsaufgabe von Sieker erinnert einmal mehr daran, dass es für die Ortskernbelebung kreative Ideen braucht. Platz genug ist da.

Copyright © Haller Kreisblatt 2020
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.