Wenn’s wegen Corona kracht: Steinhagener Familienzentrum hat viel zu tun

Elisabeth Zsiska und ihre neue Kollegin Katharina Hermjohannes verzeichneten in Folge der Pandemie steigenden Beratungsbedarf. Nicht jeder konnte mit dem „Aufeinandergeworfensein“ umgehen.

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Steinhagen. Es ist nicht so, dass Katharina Hermjohannes wegen der Corona-Situation als Verstärkung von Elisabeth Zsiska eingestellt wurde. Trotzdem kommt die zweite Festangestellte dem Familienzentrum wie gerufen, denn die Einschränkungen, die Covid 19 mit sich brachte, veränderten auch die Arbeit der Berater grundlegend.

„Wir hatten nicht mehr Arbeit, aber es war andere Arbeit", erklärt Familienzentrumsleiterin Elisabeth Zsiska bei der Vorstellung ihrer neuen Kollegin. Aufgrund der Kontaktbeschränkungen hatten auch in der Einrichtung an der Brockhagener Straße etliche Kurse ausfallen müssen.

Stattdessen ging das Beratungsangebot deutlich hoch. „Wir hatten viele Anfragen von einzelnen Personen", so Elisabeth Zsiska. „Anfangs ging es dabei vor allem um existenzielle Dinge, zum Beispiel um Geldsorgen." Ihrer Einschätzung nach hatten manche Familien die verordnete Auszeit – zum Beispiel wegen Kurzarbeit und den Kontakteinschränkungen – noch genossen. Mit der Zeit habe die ungewohnte ständige Nähe dann für Probleme gesorgt. „Man ist schon sehr aufeinander geworfen", berichtet Zsiska. Die Heimbeschulung der Kinder habe bei vielen Eltern für Stress gesorgt, „und alles, was man machen kann, um für Entlastung zu sorgen, war weg". In der Folge hätten Familienkrisen zugenommen. Die Beratungsgespräche von Zsiska und ihrer neuen Kollegen folgen oft einem Muster. „Wenn ich merke, jemand schildert Probleme, ist aber selbst noch relativ ruhig, vermittle ich ihn oder sie weiter", so die erfahrene Problemlöserin. Wenn es aber um unmittelbare Probleme, eventuell sogar Gewalt gehe, müsse man sofort reagieren und alles nötige besprechen und veranlassen. „Wenn Kinder im Spiel sind, muss sofort etwas passieren", sagt die Fachfrau. Dann ziehe sie immer auch das Jugendamt hinzu.

Flüchtlingsberaterin Katharina Hermjohannes (vorne) unterstützt Elisabeth Zsiska künftig im Familienzentrum. Arbeit gibt es nicht nur wegen der Corona-Lage genug. - © Jonas Damme
Flüchtlingsberaterin Katharina Hermjohannes (vorne) unterstützt Elisabeth Zsiska künftig im Familienzentrum. Arbeit gibt es nicht nur wegen der Corona-Lage genug. (© Jonas Damme)

Notfalls per Pkw in die Klinik

In der Vergangenheit sei es durchaus schon Mal nötig gewesen, eine sehr labile Frau abzuholen und in die Gütersloher LWL-Kliniken zu bringen. Eine andere Fahrt endete beim Frauenhaus. Solche Gewalt komme auch in Steinhagen durchaus vor. Coronabedingt habe es derartige Extremfälle aber nicht gegeben.

Während der familiäre Stress mit dem Wiederbeginn der Schule merklich nachlasse, führe sie noch immer Gespräche, in denen Steinhagener ihre finanziellen Sorgen erklären. „Für viele wird es jetzt schwierig, weil ihre Urlaubs- und Betreuungstage aufgebraucht sind", bemerkt Elisabeth Zsiska. Wenn sich Eltern im Fall einer Quarantäne um die Kinder kümmern müssten, könnte das im schlimmsten Fall bedeuten, dass sie unbezahlten Urlaub nehmen müssen. Und das könne bei manchen zu finanziellen Engpässen führen. Wie lange Corona sie noch in Arbeit halten wird, weiß die Beraterin nicht.

Umso mehr freut sich Elisabeth Zsiska, dass sie mit Katharina Hermjohannes nun eine zweite Hauptamtliche an der Seite hat. Hermjohannes, die schon seit November 2015 in der Flüchtlingsarbeit der Diakonie beschäftigt ist, ist nun mit zehn Stunden im gemeindlichen Familienzentrum angestellt. Eines der Ziele der 33-Jährigen ist, im kommenden Jahr – so die Situation es zulässt – das Internationale Café wiederzubeleben.

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