SteinhagenSchwules Paar soll sich hinten anstellen: CDU lehnt neues Familien-Logo ab

Die CDU lehnt das neue Logo für die Familiengemeinde Steinhagen ab, weil darauf an erster Stelle zwei Männer mit einem Kind gezeigt werden. SPD-Bürgermeisterkandidatin Sarah Süß spricht von einer „Farce“.

Frank Jasper

Das neue Familienlogo - © Gemeinde Steinhagen
Das neue Familienlogo © Gemeinde Steinhagen

Steinhagen. Im zweiten Anlauf ist am Dienstagabend im Sozialausschuss ein neues Logo beschlossen worden, das künftig die Familienfreundlichkeit Steinhagens symbolisieren soll. Die Mehrheit aus SPD, Grünen und FDP segnete den Entwurf ab. Die CDU-Fraktion lehnte das Bild allerdings wie bereits in der vorangegangenen Sitzung im Juni ab.

CDU-Fraktionsvorsitzender und Bürgermeisterkandidat Hans-Heino Bante-Ortega hatte zuvor in hölzerner Rhetorik die Begründung für das Nein der CDU geliefert. Ob es nicht möglich sei, „die beiden maskulinen Personen", die im Logo vorne stehen, in die Mitte zu verschieben, wandte er ein. Denn von den beiden „Herren mit Kind" ginge an der Stelle die falsche Symbolik aus. Im Klartext: Zwei Schwule, die zusammen ein Kind groß ziehen, stehen nicht für das gängige Familienbild und dürfen darum aus Sicht der CDU nicht an erster Stelle stehen.

"Das ist eine Farce"

„Dass wir im Jahr 2020 ernsthaft so eine Frage diskutieren müssen, ist eine Farce", entgegnete SPD-Bürgermeisterkandidatin Sarah Süß. FDP-Fraktionsvorsitzende Silke Wehmeier fügte hinzu, dass homosexuelle Paare heute eine Selbstverständlichkeit sein sollten. „Um alle Möglichkeiten abzudecken, hätte man auch noch zwei Frauen mit einem Kind zeigen können", legte sie nach.

In der anschließenden Abstimmung votierten SPD, Grüne und FDP für das Familien-Logo, drei Gegenstimmen kamen von der CDU. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Bante-Ortega enthielt sich.

Mit dem neuen Logo will die Gemeinde Steinhagen für ihre Familienfreundlichkeit werben. Der neue Titel „Familiengemeinde Steinhagen" und ein neues Logo waren nötig geworden, nachdem Steinhagen den geschützten Begriff „familiengerechte Kommune", der an ein Audit geknüpft ist, nicht mehr verwenden darf. Die Verwaltung hatte darum ein neues Logo in Auftrag gegeben.

Als Grundlage sollte der Familienbegriff dienen, der im April 2014 einstimmig vom Gemeinderat beschlossen worden war. Darin heißt es: „Familie in Steinhagen sind alle Menschen, die in Steinhagen leben und generationenübergreifend und generationenverbindend ihre Lebensform gefunden haben. Diese Lebensformen reichen vom Vater-Mutter-Kind-Modell über Alleinerziehende, Patchwork-Modelle, Wohngemeinschaften, kinderlose Ehen, alleinlebende und im Familienverbund lebende ältere Menschen bis hin zu Regenbogenfamilien." Mit Regenbogenfamilien sind gemeinhin homosexuelle Paare gemeint, die gemeinsam Kinder groß ziehen. Weiter heißt es: „Diese Lebensformen sind geprägt durch Solidarität, persönliche Verbundenheit, Verantwortung und Fürsorge füreinander."

Eben diese Vielfalt sollen die Piktogramme im Logo darstellen. Entworfen hat es Werbegrafikerin Astrid Lonnemann; sie kandidiert bei der Kommunalwahl für die CDU.

Kommentar: Unwürdige Diskussion
 stimmt traurig

Das Abstimmungsverhalten der CDU im Sozialausschuss ermöglichte zwei Beobachtungen, die beide auf ihre Art verwundern. Zum einen geht der in den vergangenen Monaten vollzogenen Generationenwechsel innerhalb der Partei offensichtlich nicht automatisch mit einem moderneren, aufgeklärten Familienbild einher. Die Darstellung eines homosexuellen Paars mit Kind stellt in den Augen der CDU auch heute noch eine derartige Provokation dar, dass sie zum Totalverweigerer erstarrt. Die Diskussion um die Reihenfolge der dargestellten Figuren und deren mögliche Symbolhaftigkeit ist der Sache unwürdig. Schließlich geht es doch gerade darum, möglichst alle Menschen, die füreinander Verantwortung übernehmen, zu würdigen. Nebenbei bemerkt: Nach Informationen aus dem Rathaus wurde die Reihenfolge nicht vorgegeben; sie ist ohne Wertung zufällig entstanden. Dass sich jetzt nicht alle Fraktionen hinter dem neuen Logo für die Familiengemeinde Steinhagen versammeln können, stimmt traurig.

Zum anderen offenbart die Enthaltung von Hans-Heino Bante-Ortega, dass die CDU-Fraktion und ihr neuer Vorsitzender in gesellschaftspolitischen Fragen zumindest in einigen Punkten nicht auf einer Linie sind. Wie ist es sonst zu erklären, dass Bante-Ortega erst die Argumentation gegen das Familien-Logo mit merklichem Unbehagen übernimmt, sich bei der Abstimmung dann aber anders als seine Fraktionskollegen der Stimme enthält?

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