Waldboden viel zu trocken: Wird der Teuto bald zur Wüste?

Die Dürre-Diskussion geht weiter: Cora Brandt von den Steinhagener Grünen warnt davor, Bäumen das Wasser abzugraben. Die Folgen seien verheerend.

Frank Jasper

Ein Blick aus der Ferne in den Teutoburger Wald zeigt abgestorbene Bäume. Die Trockenheit macht dem Ökosystem zu schaffen. Ein weiteres Problem ist die Waldbrandgefahr. - © Anke Schneider
Ein Blick aus der Ferne in den Teutoburger Wald zeigt abgestorbene Bäume. Die Trockenheit macht dem Ökosystem zu schaffen. Ein weiteres Problem ist die Waldbrandgefahr. (© Anke Schneider)

Steinhagen. Zum HK-Artikel „Grundwasserspiegel sinkt bedenklich" nimmt nun auch Cora Brandt von den Steinhagener Grünen Stellung. Sie fordert als Reaktion auf den Klimawandel ein grundlegende Umdenken in der Land-, Forst- und Wasserwirtschaft.

„Gott sei dank hat es kein drittes Dürrejahr gegeben. Trotzdem sinkt der Grundwasserspiegel. Das Baumsterben geht weiter. Und was ist unsere Antwort? Tiefere Brunnen bauen und weiter unseren Rasen bewässern und unsere Pools füllen", beobachtet Cora Brandt und nimmt damit Bezug auf den HK-Bericht, in dem Forstwirt Dieter Brakensiek unter anderem beschreibt, dass Bewohner in Hanglage des Teutoburger Waldes immer tiefere Brunnen bohren müssen, um auf Wasser zu stoßen.

"Wald kühlt, Hitze tötet"

„Bäume sind auf Grundwasser angewiesen. Wenn wir ihnen buchstäblich das Wasser abgraben, wie sollen sie sich versorgen? Sie verdursten", schreibt Cora Brandt und kritisiert in diesem Zusammenhang auch das Haller Unternehmen Storck, das „noch mehr Grundwasser haben möchte". „Das Fatale: Das erzeugt einen Teufelskreis. Bäume heben den Grundwasserspiegel. Sterben sie, dann sinkt er." Tiefere Brunnen bedeuten, so Cora Brandt, bedeuteten einen weiter sinkenden Grundwasserspiegel und in der Folge auch mehr sterbende Bäume.

„Wird der Teuto bald zur Wüste?", fragt die Amshausenerin und liefert die Antwort gleich mit: „Unmöglich? Irrtum! Ich habe Wüstengegenden in Südspanien gesehen, wo vor 150 Jahren noch dichter Wald stand. Abgeholzt für Eisen-Gewinnung. In Arizona: abgeholzt für Getreide-Monokulturen vor hundert Jahren. Das Trinkwasser wurde für WCs und Englischen Rasen genutzt. Wald kühlt. Hitze tötet. Wir brauchen eine andere Land-, Forst- und Wasserwirtschaft."

"Es sollte um die Sache gehen"

Am Donnerstag hatte bereits Ralf Lindert, ebenfalls von den Grünen, Stellung zu dem Artikel bezogen und einen Widerspruch zwischen dem darin geäußerten CDU-Aufruf zum Wassersparen und dem politischem Handeln der CDU kritisiert (Vom im Artikel verwendeten Begriff „Doppelzüngigkeit" distanziert sich Lindert allerdings). Auf diese Kritik hat inzwischen CDU-Mitglied Dr. Birgit Lutzer reagiert: Die Vorwürfe der Grünen beziehen sich laut Lutzer überwiegend auf die Vergangenheit. Sie, die erst seit einigen Monaten CDU-Mitglied sei, habe sich schon länger aktiv und öffentlich für Umweltschutz-Themen eingesetzt.

Lutzer weiter: „Bloß weil ein Thema von der CDU eingebracht wird, lehnen es die Grünen entrüstet ab. Es sollte doch um die Sache gehen statt um die Frage, wer einen Vorschlag macht. Und daran sollten wir alle parteiübergreifend zusammen arbeiten."

Info

Hohe Waldbrandgefahr

• Trockenheit, Hitze und viel Totholz machen heimische Wälder derzeit zur Gefahrenzone. Die Regionalforstämter und der Deutsche Wetterdienst stufen die Waldbrandgefahr als erheblich ein. Die Bezirksregierung Detmold hat deshalb am Freitag angeordnet, dass die Wälder in Ostwestfalen-Lippe per Flugzeug auf mögliche Brände hin kontrolliert werden.
• Die ersten Flüge starten am Samstag. Die Anordnung gilt je nach Wetterlage zunächst bis zum 14. August. Anschließend wird sie verlängert, falls erforderlich. Je zwei Flüge sind für Samstag und Sonntag geplant; einer am Vormittag und einer am Nachmittag. Die Flugtermine für die kommende Woche sind einmal täglich am Nachmittag. Die Flugroute ist ein Zick-zack-Kurs über den Regierungsbezirk.
• „Überall gibt es viele abgestorbene Bäume oder solche, die vom Borkenkäfer geschädigt sind", erläutert Regierungsbranddirektor Karsten Weber von der Bezirksregierung. Ziel der Flüge ist, die Feuerwehrleitstellen möglichst schnell über ein Feuer in einem Wald oder einem Graslandgebiet zu informieren.
• „Das Grillen und offene Feuer sind im Wald grundsätzlich verboten. Das gilt im Moment auch für das Rauchen", sagt Weber. Spaziergänger sollten die Verbote in jedem Fall beachten. Und: „Versperren Sie mit Ihren Autos keine Waldwege und parken Sie nur auf befestigten Flächen, wie Schotter oder Asphalt."
• In Steinhagen, Werther und Bielefeld ist es in diesem Jahr bereits zu mehreren Waldbränden gekommen.

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