Eigenheime in Steinhagen werden teurer

Seit Jahren steigen die Preise für Immobilien in der Gemeinde. Das freut nicht jeden. Bauplätze, wie in Amshausen, verkauft das Rathaus günstig, um Einfluss zu nehmen.

Jonas Damme

Die Grundstücke im nördlichen Teil des Amshausener Neubaugebietes könnten Ende des Jahres verkauft werden. - © Ulrich Fälker
Die Grundstücke im nördlichen Teil des Amshausener Neubaugebietes könnten Ende des Jahres verkauft werden. (© Ulrich Fälker)

Steinhagen. Wer sich in Steinhagen ein Ein- oder Zweifamilienhaus kaufen möchte, zahlt jedes Jahr mehr. Das ist eines der Fazits, die sich aus dem neuesten Grundstücksmarktbericht des Kreises Gütersloh ziehen lassen. Lag der durchschnittliche Verkaufspreis aller Ein- und Zweifamilienhäuser 2017 noch bei 243.000 Euro, waren es ein Jahr später schon 286.000 Euro. Im vergangenen Jahr stieg der Preis sogar noch einmal leicht – auf 289.000 Euro.

Insgesamt gingen Immobilien im Wert von mehr als 22 Millionen Euro über den Tisch. So hoch war der Umsatz in der Gemeinde noch nie. Die Häuser in Steinhagen sind teurer als in der Nachbarschaft – in Halle lag der Schnitt bei 280.000 Euro, in Harsewinkel bei etwas mehr als 260.000 Euro und in Werther bei 274.000 Euro.

Der Preisanstieg bringt Vor- und Nachteile gleichermaßen mit sich. Bürgermeister Klaus Besser beklagt, dass der Zuzug für weniger Finanzstarke schwieriger wird. „Aus meiner Sicht ist das schlecht, weil es gewisse Schichten ausschließt“, sagt er. Andererseits dürften sich hier tendenziell eher gut verdienende Familien ansiedeln, was dem Wirtschaftsstandort zuträglich ist.

Besser vermutet "konstant hohes Niveau"

Wie es mit den Immobilienpreisen in der Gemeinde weitergeht, bleibt Spekulation. „Die Frage ist, welche Auswirkungen Corona hat“, so Klaus Besser. „Man könnte spekulieren: Die Nachfrage wird zurückgehen. Dem läuft allerdings entgegen, dass Steinhagen bei jungen Familien nach wie vor sehr beliebt ist.“ Er persönlich gehe derzeit nicht von einem Corona-Einschnitt bei den Immobilien aus. „Ich vermute, dass die Nachfrage auf konstant hohem Niveau bleibt. Des Kreis ist finanzstark und die Leute gehen dorthin, wo die Arbeit ist.“

Auch die Zeitschrift Wirtschaftswoche prognostizierte kürzlich, dass sich die Preisspirale trotz Pandemie noch weiter nach oben dreht. Laut den Finanzexperten würde sich eine Umkehrung frühzeitig an stagnierenden Preisforderungen abzeichnen, die seien aber nicht in Sicht.

Auf ein zu kleines Angebot und damit einen Preiskampf lassen sich Steinhagens teure Immobilien nicht zurückführen. Parallel zu den Preisen stieg nämlich auch die Zahl der Gebäude, die die Besitzer wechselten. Von 49 Immobilien in 2017 auf 77 im vergangenen Jahr. Zusätzlich wurden 51 Wohnungen und 19 Bauplätze verkauft.

Bonus bei der Einhaltung von Ökostandards

Mehr als zwei Drittel der Käufer kamen zuletzt aus dem Kreis Gütersloh, die weitaus meisten sogar aus Steinhagen selbst. Darüber hinaus sind mehr als 30 Wohnungen, Häuser und Bauplätze an Bielefelder gegangen.

Bei den neu erschlossenen Bauplätzen kann das Rathaus aktiv in die Preisentwicklung eingreifen. Wie auch andere Kommunen verkaufte Steinhagen seine Bauplätze im Baugebiet Amshausen Süd im vergangenen Jahr etwas günstiger, als es private Anbieter im gleichen Zeitraum taten. „Wir gewähren außerdem einen Bonus bei der Einhaltung von Ökostandards“, erläutert Besser. Wer teurer, weil klimafreundlich baut, dem kommt die Gemeinde finanziell entgegen. Auch bei Privatverkäufen kann die Gemeinde mit Programmen wie „Jung kauft Alt“ oder mit ihrem Vorkaufsrecht Einfluss nehmen.

Auch in den kommenden Jahren werden in Steinhagen etliche Baugrundstücke zur Verfügung stehen. „Wir können den Markt bedienen“, so Klaus Besser. Für das große Baugebiet Amshausen Nord mit mehr als 50 Bauplätzen wird derzeit der B-Plan aufgestellt. Wenn es gut läuft, kann die Vermarktung der Grundstücke schon Ende diesen Jahres beginnen. Außerdem sollen in den kommenden Jahren weitere Häuser an der Brockhagener Riegestraße, am Hilterweg, an der Swinemünder Straße und an der Pfirsichstraße entstehen.

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