AfD findet im Kreis kaum Kandidaten für Kommunalwahl - außer in Steinhagen

Die rechtspopulistische Partei hat im Kreis Gütersloh Probleme, genügend Kandidaten für die Kommunalwahl zu finden. Um den Bürgermeisterposten bewirbt sie sich nirgends.

Ludger Osterkamp

Die AfD ringt im Kreis Gütersloh um Mitglieder.  - © Sonja Faulhaber
Die AfD ringt im Kreis Gütersloh um Mitglieder.  (© Sonja Faulhaber)

Gütersloh. Die AfD muss ihren Sturm auf die Rathäuser im Kreis Gütersloh abblasen. Aktuell sei nur in Gütersloh und Steinhagen gesichert, dass man zu den Kommunalwahlen am 13. September antrete, sagte der Kreissprecher der AfD, Johannes Brinkrolf, am Freitag. Dort würden demnächst Wahlversammlungen angesetzt. In den elf anderen Kommunen hingegen sei es schwierig, ausreichend Kandidaten für die Wahlbezirke zu finden.

Allenfalls in Rheda-Wiedenbrück und in Harsewinkel gebe es noch gute Aussichten, so Brinkrolf. „Wenn dort keiner mehr abspringt, können wir es rechtzeitig schaffen. In allen anderen Orten, das muss man realistischerweise feststellen, wird das wohl nichts mehr." Die Kontakteinschränkungen aufgrund der Corona-Krise mache es der AfD, wie vermutlich allen kleinen Parteien, nicht einfach, Veranstaltungen zu organisieren und Menschen für seine Ziele zu gewinnen. Einen eigenen Bürgermeisterkandidaten, so Brinkrolf, werde man im Kreisgebiet nirgends stellen.

Die Zahl der Mitglieder stagniert

Johannes Brinkrolf, Kreissprecher der AfD. - © Matthias Gans
Johannes Brinkrolf, Kreissprecher der AfD. (© Matthias Gans)

War der AfD-Kreisverband Anfang des Jahres noch recht optimistisch ins Wahljahr gegangen, so zeigt sich nun, dass ihr für einen breiten kommunalpolitischen Auftritt das Personal fehlt. Schon rechnerisch ist sie nicht in der Lage, überall vertreten zu sein. Um sämtliche Ortswahlbezirke in den 13 Kommunen des Kreises zu besetzen, bräuchte sie 252 Kandidaten – die Zahl der Mitglieder im Kreisgebiet aber stagniert laut Brinkrolf bei etwa 100. Gelingen dürfte der AfD indes, wieder auf Kreisebene anzutreten.

„Wir haben alle 30 Wahlbezirke besetzt", sagte Brinkrolf. Für Samstag hatte der Kreisverband daher zu einer Wahlversammlung eingeladen; sie fand in einem Schulgebäude im Norden des Kreises statt. Aufgrund der Corona-Krise habe das Innenministerium des Landes die Kommunen verpflichtet, den Parteien zur Vorbereitung der Wahlen einen Veranstaltungsort zu ermöglichen beziehungsweise zuzuweisen; auf diese Weise sei das Ausrichten solcher Versammlungen einfacher möglich. Auf Kreisebene sei es das Ziel der AfD, die Zahl der Kreistagsmandate – derzeit zwei – zu steigern.

Auch Corona sei schuld

Die Offensive, bis zu den Wahlen möglichst viele Ortsverbände im Kreis gegründet zu haben, ist derweil verpufft. Lediglich in Steinhagen, Gütersloh und Harsewinkel ist die „Alternative für Deutschland" mit eigenem Verband vertreten, in den anderen Orten hake es, so Brinkrolf. „Corona überragt alles", sagte er. „Die Leute machen sich Sorgen um die Wirtschaftslage und ihren Arbeitsplatz, die haben derzeit gar nicht den Kopf frei, um sich politisch bei uns zu engagieren."

Copyright © Haller Kreisblatt 2020
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.