Treffpunkte geschlossen: So erleben Jugendliche die Corona-Krise

Je länger die Kontaktbeschränkungen gelten, desto mehr leiden auch Jugendliche darunter. Viele Treffpunkte sind weggefallen. Zum Beispiel der Jugendkeller.

Frank Jasper

Hier zeigen Jugendliche, warum sie die Wiedereröffnung des Jugendkellers herbeisehnen. - © Jugendkeller
Hier zeigen Jugendliche, warum sie die Wiedereröffnung des Jugendkellers herbeisehnen. (© Jugendkeller)

Steinhagen. Der Jugendkeller Steinhagen ist ein kleiner offener Jugendtreff am Dietrich-Bonhoeffer-Haus. Normalerweise treffen sich hier unter der Woche jeden Abend im Schnitt 15 Jugendliche im Alter von zwölf bis 26 Jahren. Dann wird geknackt und getoastet. Das ist Jugendkeller-slang. „Knacken ist ein Kartenspiel, und mit Toasten meinen wir unser ganz spezielles Toast Hawaii, das es so nur bei uns gibt", erklärt die Leiterin der evangelischen Jugendeinrichtung, Silja Hawerkamp-Bußmann, lachend. Doch momentan ist der Jugendkeller aufgrund der Verordnung zum Schutz vor Neuinfizierungen mit dem Coronavirus, so wie andere Einrichtungen auch, geschlossen. Kein Knacken. Kein Toasten.

„Unsere Arbeit wurde abrupt abgewürgt. Plötzlich mussten wir neue Wege finden, um mit den Jugendlichen in Kontakt zu bleiben", berichtet Silja Hawerkamp-Bußmann, die im Jugendkeller von Teilzeitkraft Meike Heinze unterstützt wird. Vieles leisten die Gäste ehrenamtlich in Eigenregie. „Gerade erst wollten wir eine Ausbildung zu Jugendleitern anbieten. Daraus wurde dann auch nichts mehr."

Teamsitzungen finden via Skype statt

„Zur Zeit haben wir neun Ehrenamtliche im Team. Die engagieren sich zum Beispiel, indem sie während des offenen Treffs den Thekendienst übernehmen und sich um die Anliegen der Besucher kümmern", berichte Silja Hawerkamp-Bußmann. Obwohl momentan kein offener Treff angeboten werden kann, hält das Team immer noch alle zwei Wochen seine Teamsitzung ab, zur Zeit halt nicht im Jugendkeller, sondern via Skype. „Wenn wir sonst in der Teamsitzung die Dienste verteilen und über sonstige Aktivitäten und Pläne sprechen, sprechen wir jetzt über Ideen für unseren Instagram-Account oder über andere Anliegen. Zuletzt gab es hier die Idee, eine gemeinsame Videokette zu inszenieren. Natürlich sollen solche Aktionen unsere Zielgruppe nicht nur unterhalten. Wir wollen, dass die Jugendlichen bemerken, dass wir noch immer für sie ansprechbar sind", erzählt die Jugendreferentin.

Hier zeigen Jugendliche, warum sie die Wiedereröffnung des Jugendkellers herbeisehnen. - © Jugendkeller
Hier zeigen Jugendliche, warum sie die Wiedereröffnung des Jugendkellers herbeisehnen. (© Jugendkeller)

Über die verbleibende Dauer der Schließung bietet der Jugendkeller dienstagabends von 18 bis 19.30 Uhr eine telefonische Sprechstunde unter der Telefonnummer  01 51-72 14 02 61 an. Da besteht nicht nur die Möglichkeit zum Plaudern, sondern ebenso, um Sorgen und Ängste anzusprechen. „Die Corona-Krise geht an niemanden spurlos vorüber. Viele haben Langeweile, oder es gibt Stress in der Familie", berichtet Silja Hawerkamp-Bußmann. „Andere machen sich Gedanken über ihre Ausbildung, oder Prüfungen, die jetzt verschoben werden." Auch Homeschooling könne eine echte Herausforderung sein.

Jugendliche vermissen es, sich in den Arm zu nehmen

Hier zeigen Jugendliche, warum sie die Wiedereröffnung des Jugendkellers herbeisehnen.  - © Jugendkeller
Hier zeigen Jugendliche, warum sie die Wiedereröffnung des Jugendkellers herbeisehnen.  (© Jugendkeller)

Zwar haben in den vergangenen Jahren Social Media und Kommunikationskanäle wie Instagram sehr an Bedeutung gewonnen und erleichtern gerade jetzt die Kontaktaufnahme, doch Silja Hawerkamp-Bußmann bekommt trotzdem immer wieder die Rückmeldung, dass die Jugendlichen es vermissen, sich zu treffen und sich einfach mal wieder unbefangen in den Arm nehmen zu können.

Copyright © Haller Kreisblatt 2020
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.