19-Jähriger wird zum Betrüger - und verteidigt sich mit kurioser Story vor Gericht

Ein Steinhagener verkaufte einen Computer, den er nicht besaß. Um Ausreden war er vor Gericht nicht verlegen.

Anke Schneider

Das Haller Gericht musste sich mit einem jungen Mann auseinander setzen, der einen Computer verkauft hat, den er gar nicht besaß (Symbolbild).  - © Sonja Faulhaber
Das Haller Gericht musste sich mit einem jungen Mann auseinander setzen, der einen Computer verkauft hat, den er gar nicht besaß (Symbolbild).  (© Sonja Faulhaber)

Steinhagen/Halle. Der Beschuldigte verkaufte im August 2019 im Internet drei Computerspiele für 32 Euro, die er nicht auslieferte, obwohl er das Geld überwiesen bekommen hatte. Wenig später verkaufte er ebenfalls im Internet einen Highend-Gaming-Computer für 1.130 Euro. Auch den verschickte er nicht. Das Geld hatte er auch in diesem Fall erhalten. Vor Gericht behauptete der Angeklagte, dass er die Spiele verschicken wollte, die Adresse aber verbummelt hatte. Da er plötzlich keinen Zugriff mehr auf seinen Account gehabt habe, habe er die Adresse auch nicht herausfinden können. Den PC habe er allerdings gar nicht besessen, gab der 19-Jährige zu.

Was er dann erzählte, machte die Juristen im Haller Amtsgericht fassungslos. Der junge Mann berichtete, dass er vor Wochen auf die gleiche Weise betrogen worden sei. Er habe im Internet einen PC gekauft, habe das Geld überwiesen und den Computer nie erhalten. Da habe er sich gedacht, dass er sich das Geld auf die gleiche Weise wiederholen könnte und stellte einen PC in die Auktion ein. Nach drei Wochen sei plötzlich sein Konto gesperrt gewesen und da habe er gewusst, dass die Sache aufgeflogen war. Das Geld zurückgeben habe er nicht können, da es inzwischen weg sei. „Ich hatte das Geld abgehoben und in einer Dose unter meinem Bett versteckt.

Mutter warf das Geld aus dem Betrug angeblich weg

Die Dose hat meine Mutter beim Aufräumen weggeworfen." Die verbummelte Adresse und die verschwundene Gelddose ließen bei Gericht und Staatsanwaltschaft erhebliche Zweifel an der Version des Steinhageners aufkommen. Eine Tatsache stand jedoch am Ende fest: Der junge Mann hatte zwei Menschen im Internet um ihr Geld betrogen.

Vor allem die Geschichte mit dem Computer fanden die Juristen im Gericht „eine ganz bescheuerte Aktion". Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft nannte das trotzige Vorgehen des jungen Mannes zudem „total kindisch", weswegen sie sich dafür aussprach, ihn nach Jugendstrafrecht zu verurteilen. Der Angeklagte muss nun den Schaden in Raten von jeweils 200 Euro von seinem Auszubildendengehalt wieder gut machen.

Wenn er damit im November fertig ist, muss er noch eine Geldbuße an den Verein Kriminalprävention im Kreis Gütersloh bezahlen – ebenfalls in Raten.

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