SteinhagenSo helfen zwei Steinhagener ihrer Lieblingsinsel durch die Krise

Stürmische Zeiten sind die Menschen auf den ostfriesischen Inseln gewohnt. Doch die Corona-Folgen blasen den Insulanern besonders heftig ins Gesicht.

Frank Jasper

Sabine und Hartmut Bußmeyer zeigen den Spendenkalender. - © Frank Jasper
Sabine und Hartmut Bußmeyer zeigen den Spendenkalender. © Frank Jasper

Steinhagen /Wangerooge. Für Sabine und Hartmut Bußmeyer ist Wangerooge so etwas wie eine zweite Heimat geworden. Mindestens einmal im Jahr statten sie der östlichsten der sieben ostfriesischen Inseln einen Besuch ab. Vor zwei Jahren haben sie sich dort am Leuchtturm sogar das Ja-Wort gegeben. „Ich liebe die schöne Strandpromenade und dass alles zu Fuß erreichbar ist", gerät Sabine Bußmeyer ins Schwärmen. Seit 35 Jahren ist sie regelmäßiger Inselgast, und es brauchte keine besonderen Anstrengungen, um auch ihren Mann Hartmut von Wangerooge zu überzeugen. Die Begeisterung können viele Steinhagener vermutlich nachvollziehen. Denn sowohl heimische Sportvereine als auch Schulen besuchen seit Jahrzehnten regelmäßig Wangerooge.

Doch mit der Corona-Pandemie geriet der diesjährige Insel-Trip der Bußmeyers in Gefahr. Nicht nur das. „Wir waren mit unseren Gedanken oft bei den Insulanern, die ja vor allem vom Tourismus leben", erzählt Sabine Bußmeyer. Die rund 1.300 Bewohner befänden sich in einem Zwiespalt. „Sie fühlen sich sicher, weil es auf Wangerooge bisher keinen Corona-Fall gibt, aber das Einkommen fehlt", berichtet Sabine Bußmeyer.

"Wir brauchen eine Sommersaison"

Wangerooges Bürgermeister Marcel Fangohr hatte in einem Interview mit der NWZ auf genau dieses Dilemma hingewiesen. Einen normalen Sommerbetrieb mit bis zu 9.000 Gästen gleichzeitig auf der Insel könne er sich auf absehbarer Zeit nicht vorstellen. Doch für die Wirtschaft sei die jetzige Situation eine existenzielle Krise. „Wir brauchen eine Sommersaison. Wenn die nicht kommen sollte, würden nur wenige Betriebe überleben", wird der Bürgermeister zitiert. Schrittweise wollen sich die ostfriesischen Inseln darum öffnen. Seit dieser Woche dürfen zunächst Zweitwohnungsbesitzer und Touristen, die für mindestens eine Woche eine Ferienwohnung, ein Ferienhaus oder einen Campingplatz gemietet haben, wieder nach Wangerooge reisen.

Ein Kugelfoto von der Strandpromenade. - © Hartmut Bußmeier
Ein Kugelfoto von der Strandpromenade. (© Hartmut Bußmeier)

Sabine und Hartmut Bußmeyer wollen von Steinhagen aus den Menschen auf ihrer Lieblingsinsel helfen. Sie haben nicht nur in Absprache mit dem dortigen Bürgerverein ein Spendenkonto eingerichtet. Darüber hinaus haben die Bußmeyers einen Wangerooge-Kalender fürs Jahr 2021 hergestellt, den sie für 25 Euro anbieten. Die Einnahmen abzüglich der Herstellungskosten gehen an Wangerooge.

„Jetzt will ichmeinen Beitrag in der Krise leisten"

„Ich bin sehr dankbar für die Soforthilfe, die ich als Selbständiger in der Krise erhalten haben", erzählt Harald Bußmeyer, der eine Physiotherapiepraxis im historischen Schlichte-Turm betreibt. „Jetzt will ich meinen Beitrag leisten und anderen helfen."

Als Wangerooge-Fan und leidenschaftlicher Fotograf konnte er auf einen reichen Fundus an Inselaufnahmen zurückgreifen, um für jeden Monat ein passendes Motiv zu finden. Den Fotos ist gemein, dass auf allen eine Kristallkugel zu sehen ist, die für besondere Effekte sorgt. „Ich hatte schon als Kind eine Affinität zu Murmeln", erzählt Harald Bußmeyer schmunzelnd. Für seine Fotos platziert er allerdings größere Exemplare vors Objektiv. „Wir nennen es die Kugelfotografie", erzählen die Bußmeyers augenzwinkernd.

Einmal im Jahr reif für die Insel

In der Facebook-Gruppe „Wangerooge-Freunde", stieß die kreative Idee aus Steinhagen schnell auf Interesse. „Wir haben schon 29 Kalender verschickt. Viele haben großzügig aufgerundet. Auf diese Weise sind bereits mehr als tausend Euro zusammengekommen", berichtet Sabine Bußmeyer. Über die Kurverwaltung sollen weitere Exemplare verschickt werden. Wer einen Kalender haben möchte, kann aber auch einfach mit Sabine Bußmeyer Kontakt aufnehmen unter ` 01 60/3 42 75 28 oder per E-Mail: sabischl@aol.com.

Für das Paar soll es im Spätsommer wieder nach Wangerooge gehen. Auch ohne Corona-Krise sind Sabine und Harald Bußmeyer einmal im Jahr einfach reif für die Insel.

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