"Achtung, gleich stinkt es in Amshausen!" Landwirt erwickelt Gülle-Warner

Tobias Künsebeck weiß, dass sich Landwirte schnell unbeliebt machen, wenn sie ihre Felder güllen. Deswegen geht der Amshausener in die Offensive.

Jonas Damme

Tobias Künsebeck - © Jonas Damme
Tobias Künsebeck (© Jonas Damme)

Steinhagen-Amshausen. Wer auf dem Land lebt, kennt diesen Moment: Ein strahlender Frühlingsmorgen, man öffnet die Terrassentür, atmet tief durch und ... es stinkt. Seit Februar läuft wieder die Gülle-Saison.

Auch wenn wohl jeder den Nutzen des Düngers versteht, beliebt ist er nicht. „Die Gülle hat ein großes Problem, ihren schlechten Ruf", sagt Tobias Künsebeck. „Dabei ist sie eigentlich ein Naturprodukt." Auch der junge Landwirt findet nicht, dass die Ausscheidungen seiner Kühe gut riechen, trotzdem gelten sie in der Landwirtschaft als alternativlos.

Selbst der Melkstand ist digital

Der Amshausener hat, wie viele Kollegen, immer wieder mit Kritik zu kämpfen. Wenige Anwohner beschwerten sich direkt, erklärt der 31-Jährige. In der Vergangenheit habe aber schon mal jemand eine Zufahrt zugeparkt, um das Aufbringen zu verhindern. Auch habe es schon anonyme Anzeigen gegeben, dabei habe auf seinem Hof am Butterweg natürlich alles seine Richtigkeit.

Weil Tobias Künsebeck ein positiver Mensch ist, geht er jetzt in die Offensive. Künftig kann jeder Amshausener mit einem Blick selbst sehen, ob er am Frühstückstisch mit Güllegeruch zu rechnen hat. Möglich macht das der „Gülle-Warner".

„Ich bin in der Facebook-Gruppe „Du lebst in Amshausen", erklärt der Landwirt. Dort tauschen sich hunderte Menschen fleißig über alles aus, was den Ortsteil angeht. So kam Künsebeck auf die Idee, Bescheid zu sagen, wenn er mit dem Güllefass losfährt. Administratorin Birgit Lutzer war von der Idee sofort überzeugt und gestaltete sogar ein freundliches Kuh-Logo, das nun deutlich auf die zu erwartende Geruchsbelästigung hinweist.

Tobias Künsebeck - © joda
Tobias Künsebeck (© joda)

Zeitnah kann der 31-Jährige nun mit seinem Smartphone Bescheid sagen. Für den Landwirt nur eine kleiner Zusatzaufgabe in der ganzen Technik, mit der er bereits vernetzt ist. Selbst der Melkstand sei heute digital.

Tobias Künsebeck betont, dass das Gülle-Ausfahren sehr genauen Vorgaben folgt. Er beginnt frühestens am 15. Februar und endet mit der Erntesaison im Herbst. Da ein Großteil seiner Wiesen und Felder im Wasserschutzgebiet nördlich der Patthost lägen, gelten für ihn besondere Regeln.

„Ich muss meine Gülle regelmäßig untersuchen lassen"

„Ich muss meine Gülle regelmäßig untersuchen lassen", sagt der Landwirt. Über Stickstoff, Kali, Phosphor und andere Werte werde genau Buch geführt. „Bevor ich auf den Trecker steige, habe ich schon zwei Tage im Büro gesessen." Im Rahmen eines „Nährstoffvergleiches" werde berechnet, was die Pflanzen an Dünger brauchen, welcher Ertrag zu erwarten ist und vieles mehr. Das Verhältnis von Zahl der Tiere zur landwirtschaftlichen Fläche sei ebenfalls kein Zufall.

Als Richtwert könne man festhalten, dass auf einen Hektar Grünland rund 25 Kubikmeter Gülle ausgebracht würden. Weil die Wiesen bis zu vier Mal gemäht werden, wird dort auch öfter gedüngt. Auf einem Maisfeld würde nur einmal, vor der Aussaat, etwas aufgebracht. „Das Maß ist entscheidend", fasst Künsebeck zusammen. „Da macht keiner, was er will."

Allerdings habe er oft den Eindruck, dass sich viele Menschen von der Landwirtschaft entfremden. Das führe auch dazu, dass sich mancher Sorgen mache. Nicht nur mit dem Güllewarner versucht er, zu zeigen, wie Landwirtschaft heute funktioniert. Ein Vorsatz, der bei Facebook bereits honoriert wird. So lobte bereits ein Gruppenmitglied: „Tobi Künse, der beste Landwirt, der auch an seine Nachbarn denkt. Endlich wieder Landluft! So schön."

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