„Egoistisch": Gesunde Menschen nutzen Bringdienst für Ältere und Kranke

Der Lebensmittellieferservice von Alexander Sudbrock ist für alte gebrechliche Menschen gedacht. Doch genutzt wird das Angebot überwiegend von den Fitten. So soll es nicht weitergehen.

Birgit Nolte

Alexander Sudbrock und Angelika Arendt. - © Birgit Nolte
Alexander Sudbrock und Angelika Arendt. (© Birgit Nolte)

Steinhagen-Brockhagen. Alexander Sudbrock ist kurz davor, das Handtuch zu werfen. Um die Brockhagener in diesen schwierigen Zeiten zu unterstützen, bietet der Geschäftsführer von Markant Nah & Frisch einen Lieferservice an. Gedacht war, durch diese Dienstleistung die Lebensmittelversorgung für alte, gebrechliche Menschen besonders in der gegenwärtigen Corona-Krise sicherzustellen. Doch das Projekt läuft ganz anders, als es von Sudbrock geplant war.

Rund Dreiviertel der Auftraggeber, schätzt Sudbrock, sind nämlich alles andere als gebrechlich. Das zeigt sich spätestens, wenn die Lebensmittel an der Haustür abgeliefert werden. „Das macht mich sprachlos, dass einige wohl immer noch nicht kapiert haben, wie ernst die Lage ist", ärgert sich Alexander Sudbrock und fragt sich: „Wie kann man nur so egoistisch sein? Das ist mir einfach unbegreiflich."

Klärung an der Hotline

Aber was tun? Den Lieferservice komplett einzustellen, ist für Alexander Sudbrock keine Option. Auch wenn er sich zunächst entschieden hatte, nur noch ihm bekannte Kunden zu beliefern, von denen er weiß, dass sie dringend auf den Service angewiesen sind. Doch da hatte er noch nicht mit der Hilfsbereitschaft der Brockhagener gerechnet.

Christa Holländer hat sich bereit erklärt, ehrenamtlich die Bestellhotline zu betreuen. Unter der Telefonnummer (0 52 04) 9 25 28 86 nimmt sie nun von 8 bis 12 Uhr und von 15 bis 17 Uhr Anfragen entgegen. Dabei wird sie auch versuchen, die auszusieben, die noch selbstständig für Lebensmittelnachschub sorgen können. Die Bestellungen gibt sie dann an Alexander Sudbrock weiter.

Ja doch: Es gibt wieder Klopapier

Das hat den Vorteil, dass der Geschäftsführer nicht ständig an der Strippe hängen muss. „Das Telefon klingelt nämlich bis jetzt nahezu ununterbrochen", berichtet Alexander Sudbrock, der mit seinem Team am absoluten Limit ist. „Wir arbeiten quasi 24 Stunden", sagt Sudbrock, der auf weitere ehrenamtliche Unterstützung hofft. „Wir brauchen ganz dringend Fahrer, die bei den Auslieferungen helfen", so sein Appell. Wer mithelfen möchte, kann sich direkt bei Alexander Sudbrock unter der Telefonnummer (0 52 04) 92 44 66 melden.

Eine gute Nachricht hat Alexander Sudbrock noch für alle Kunden zu vermelden: Es gibt wieder Klopapier. Damit das nicht gleich wieder aus den Regalen verschwunden ist, gibt er pro Kunde maximal zwei Pakete raus. „Dann dürfte es auch für die nächsten zwei Wochen reichen", prognostiziert Sudbrock.

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