Kranker Familienvater sammelt Geld für Therapie im Ausland

Der 41-jährige Sebastian Reimann sammelt mit einer Spendenaktion Geld für eine Therapie in Bangkok. 13.750 Euro hat er schon beisammen – das ist bereits die Hälfte des nötigen Geldbetrags.

Robert Becker

Andrea und Sebastian Reimann mit ihrer Tochter. - © Robert Becker
Andrea und Sebastian Reimann mit ihrer Tochter. (© Robert Becker)

Steinhagen-Brockhagen. Vor sechs Jahren wurde bei Sebastian Reimann die Erkrankung Ataxie SCA3 festgestellt. Ataxie ist der medizinische Begriff für eine gestörte Bewegungskoordination. Der gebürtige Harsewinkeler, der mit seiner Familie samt siebenjähriger Tochter seit zehn Jahren in Brockhagen lebt, setzt nun seine Hoffnung auf eine Stammzellentherapie.

Die Kosten für diese Behandlung, die unter anderem in Bangkok angeboten wird, werden mit 27.000 Euro veranschlagt. Geld, das der Familienvater derzeit versucht, über ein Fundraising zusammen zu bekommen. Denn die Krankenkasse übernimmt die Kosten für diese Behandlung nicht. In dieser Woche hat Reimann die Hälfte des Betrages erreicht.

Geld von 137 Spendern ist bislang eingegangen

13.750 Euro sind von 137 Spendern bislang eingegangen. Seit zwei Wochen läuft die Spendenaktion. Bis August soll das Ziel von 27.000 Euro erreicht sein. Reimann hat die Aktion unter dem Namen „Sebastian SCA3" mit seiner Frau Andrea online gestartet. Menschen, die ihn kennen und bereits gespendet haben, teilen die Nachricht über Whatsapp und in den sozialen Medien. Reimann ist in Harsewinkel kein Unbekannter: Sein Vater betrieb viele Jahre lang ein TV- und Hifi-Geschäft in der Mähdrescherstadt. Jeden Abend trägt der 41-Jährige selbst am Rechner die Spenden in eine Übersicht ein.

Derzeit kann der Medizintechniker, der für seinen Arbeitgeber Dialysegeräte wartet und repariert, darunter auch am Dialysezentrum in Harsewinkel, seinen Beruf voll ausüben. „Zurzeit beeinträchtigt die Krankheit meinen Beruf noch nicht, noch habe ich genug Feinmotorik", sagt er.

Größter Wunsch - einmal mit der Tochter rumtoben

Die Erkrankung trete in erster Linie als Folge von Krankheiten des Kleinhirns auf, erklärt Sebastian Reimann. Seine Symptome seien Unsicherheit beim Gehen, Gleichgewichtsstörungen und das Sehen von Doppelbildern. „Mein größter Wunsch wäre es, mal mit meiner Tochter richtig rumzutoben", sagt Reimann. Vor allem befürchtet er, dass die Erkrankung, an der auch seine Mutter in ihrem letzten Lebensabschnitt viele Jahre gelitten hatte, sich weiter verschlimmere. Im späteren Verlauf werde er im Rollstuhl sitzen, befürchtet Sebastian Reimann.

Bislang gebe es für diese Krankheit keine Therapien der Schulmedizin. „Außer Physiotherapie bekomme ich auch erstmal nichts von der Krankenkasse", erläutert Reimann. Später seien Ergotherapie und Logopädie vorgesehen. „Das sind aber alles Therapien, die nur den Zustand erhalten oder das Voranschreiten der Krankheit verlangsamen", sagt der 41-Jährige.

Darüber, dass Krankenkassen in Deutschland Therapien wie die in Bangkok nicht zahlen, kann er nur Vermutungen äußern. Er nennt zwei Gründe: „Weil es keine Studien gibt und wahrscheinlich keine Garantien auf Besserung." Eine vollständige Heilung der Erkrankung hält er selbst für ausgeschlossen, sagt Reimann. Der Brockhagener hat jedenfalls sein Schicksal mit dem Aufruf in die eigene Hand genommen.

Eine medizinische Firma bietet Therapie in Bangkok an

Die Therapie in Bangkok werde von einem medizinischen Unternehmen namens Beike Biotechnology angeboten. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben bereits 22.500 Patienten mit Stammzellentransplantationen behandelt. Das Behandlungszentrum in Bangkok sei das erste dieser Art in Asien für Funktionelle Medizin, das maßgeschneiderte unterstützende Therapien anbietet wie Physio- und Ergotherapien, Wassergymnastik oder hyperbarische Sauerstofftherapie. „Alle Behandlungen unter einem Dach" sei das Prinzip der Thailänder Klinik.

Bis es losgeht, habe er noch viel zu tun, sagt Sebastian Reimann. Einen Reisepass muss er beantragen, Impfungen vornehmen lassen und die Flugtickets buchen. Für die vielen Spenden bedankt er sich schon jetzt. Sebastian Reimann: „Es ist schön, so viel Unterstützung zu bekommen!"

Copyright © Haller Kreisblatt 2020
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.