Dieser Steinhagener findet die verrücktesten Wörter der Welt

Frank Daniels hat die Wortschatzkarten erfunden. Er sammelt in seiner kleinen Werkstatt die kuriosesten Begriffe auf Kisuaheli, Isländisch oder Klingonisch. Das kann schon Mal Ärger geben.

Jonas Damme

Frank Daniels hat schon unzählige Wortschatzkarten kreiert. Die allererste, „Karoshi", gehört noch immer zu seinen Favoriten. Fotos: Jonas Damme - © Jonas Damme
Frank Daniels hat schon unzählige Wortschatzkarten kreiert. Die allererste, „Karoshi", gehört noch immer zu seinen Favoriten. Fotos: Jonas Damme (© Jonas Damme)

Steinhagen. Fühlten sie sich schon mal „Naz"? Ich würde es Ihnen wünschen, denn „Naz" ist das Gefühl von Stolz und Sicherheit, das aus dem Wissen herrührt, bedingungslos geliebt zu werden. Wussten Sie nicht? Liegt daran, dass es im Deutschen leider kein Wort für dieses Gefühl gibt. In Pakistan schon.

Mal abgesehen davon, dass man dieses Wort gerne in seinen Wortschatz aufnehmen möchte, sagt es ganz nebenbei viel darüber aus, wie wie wichtig den Menschen in Pakistan die Liebe ist. So geht es dem Leser mit vielen von Frank Daniels Wortschatzkarten. Da gibt es zum Beispiel „Karoshi", den Tod durch Überarbeitung, für den vermutlich nur die Japaner einen eigenen Begriff geprägt haben. Das kleine Volk der Kavango in Namibia weiß genau, wie es sich anfühlt, auf Zehenspitzen über heißen Sand zu laufen, nämlich „hanyauku". Dutzende solche zum Teil skurrilen, zum Teil aber auch wunderschönen Lehnbegriffe hat der Steinhagener gesammelt.

„Es geht mir nicht um wissenschaftliche Exaktheit"

Akihi - © Frank Daniels
Akihi (© Frank Daniels)

„Mit Karoshi ging es los", berichtet der 47-Jährige. 2017 hatte er den Begriff in einer Zeitschrift gelesen. Damals war er schon länger im Kartengewerbe unterwegs. Gestanzte Geburtstagskarten, Spruchkarten aus Wellpappe und vieles mehr hatte er in Eigenarbeit hergestellt und vertrieben. „Da dachte ich gleich: Da machst du eine Postkarte draus!"

Knapp drei Jahre später hat er bereits ein stolzes Sortiment zusammengesammelt. Mehr als 50 seiner Wortschatzkarten stehen fein säuberlich bereit, um neugierige Menschen zu erfreuen. Und – darauf legt Frank Daniels Wert – all diese Wörter gibt es wirklich. Da er weder Japanisch noch Kisuaheli fließend spricht, mag der Experte in der Übersetzung möglicherweise mal kleine Fehler finden. „Es geht mir nicht um wissenschaftliche Exaktheit", so der Wortsucher, „sondern um Entertainment." Trotzdem: Selbst ausgedacht ist nichts.

Die wichtigste Aufgabe ist natürlich, neue Worte überall auf der Welt zu finden. „Die ersten 30 waren am einfachsten", berichtet Daniels. Denn oft fänden sich obskure Begriffe bereits auf Internetseiten oder in Zeitschriften. Mittlerweile habe er seine Suche aber ausgedehnt. „Es gibt ein Inuit-Wörterbuch, aber auch Wörterbücher für fast alle indianischen Sprachen", so der 47-Jährige. Statt aber die Regale seiner kleinen Wortwerkstatt im Untergeschoss eines Florex-Gebäudes mit Büchern vollzustellen, nutzt er meist die Nachschlagewerke des Internets.

„Für Zalatvic habe ich viel Prügel bekommen"

Von Zeit zu Zeit bekomme er auch unerwartete Unterstützung. So habe ihm schon ein Universitätsprofessor für Slawistik ungefragt sein russisches Lieblingswort zugeschickt: Ein „Sobutylnik" ist jemand, den man braucht, um gemeinsam eine Flasche Vodka zu trinken, ein Mitfläschler sozusagen.

Viele der Wortschatzkarten teilen diesen Humor, der sich auch aus Vorurteilen speist. Das ist nicht immer ganz einfach. „Für Zalatvic habe ich viel Prügel bekommen", so Daniels. Vor allem, weil die Übersetzung, „der Gebrauch von Komplimenten, Beziehungen oder Bestechung, um ein Ziel zu erreichen", osteuropäische Klischees bedient. „Ich halte es da mit Harald Schmidt: Jede Randgruppe hat ein Recht darauf, dass man Witze über sie macht." Solche Begriffe gebe es übrigens auch im Deutschen. „Waldeinsamkeit" halten viele Ausländer für ein Wort, dass etwas über die deutsche Seele aussage – auch wenn es die meisten hierzulande wohl noch nie benutzt haben.

So viel Spaß die Wortschätze auch schaffen, eines bringen sie nicht: viel Geld. Das Spruchkartengewerbe sei ein hartes Geschäft. Die großen Gewinne hätten einige wenige unter sich aufgeteilt. „Man hat etwa ein Jahr, um etwas Geld zu verdienen, bevor jemand die Idee klaut", klagt der kreative Sprachpfleger. Auch das sei ein Grund gewesen, dass er statt Spruchkarten jetzt seinen Wortschatz pflege. „Es ist so obskur, dass es keiner nachmacht." Bisher zumindest.

Und sollte dann doch jemand Daniels Idee im großen Stil vermarkten, bleibt ihm noch seine neue Reihe: die LexiKarten. Was die können und wo man Frank Daniels Karten bekommt, verrät die Homepage:

www.wortschatzkarte.de

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