Steinhagen geht das Geld für Solaranlagen aus

Die Gemeinde hat für das neue Förderprogramm, das erst am 1. Januar startete, 50.000 Euro zurückgelegt. Schon jetzt sind so viele Anfragen eingegangen, dass der Topf bald leer sein wird.

Jonas Damme

Die Photovoltaikbranche boomt wieder – auch in Steinhagen. - © CC0 Pixabay
Die Photovoltaikbranche boomt wieder – auch in Steinhagen. (© CC0 Pixabay)

Steinhagen. Mit dieser extremem Resonanz hatte offenbar niemand gerechnet. Im vergangen Jahr hatten die Ratsfraktionen mit großer Mehrheit beschlossen, private Photovoltaik- und Solarthermieanlagen zu fördern. Mit 50.000 Euro ist der Fördertopf durchaus ordentlich ausgestattet.

Seit Januar überschlagen sich nun aber die Anträge. „Wir bekommen fast jeden Tag welche rein", berichtet Anna Zühlke von Umwelt- und Klimaschutzmanagement. Am Freitagmittag waren bereits 20 Anträge aufgenommen. „Wir haben für 15 Bauherren schon 28.000 Euro zugesagt", erläutert Klimaschutzmanagerin Gabriele Siepen. Werden die anderen 15 Anträge, die noch bearbeitet werden müssen, ebenfalls gewährt, wäre das Budget mehr als ausgereizt.

Große Resonanz hat mehrere Gründe

Dass die Resonanz so groß ist, führt Siepen auf zwei Gründe zurück. „Es hat bestimmt mit den günstigen Krediten zu tun", so die Expertin vom Rathaus. Solaranlagen bauen ist derzeit günstig wie nie. Dazu kommt, dass das eigene Geld auf der Bank ebenfalls kaum Zinsen einbringt. Ein zweiter Grund liegt für Gabriele Siepen aber auch in der derzeitigen Stimmung in Deutschland. In Zeiten von Fridays for Future setzen sich viele junge Familien bewusst für den Klimaschutz ein.

Der Trend zeigt sich europaweit: Nach Angaben des Branchenverbands „Solarpower Europe" verdoppelte sich der Markt 2019. Allein in Deutschland wurden im vergangenen Jahr vier Gigawatt Leistung installiert. Ein durchschnittlicher Atomkraftwerk produziert rund acht Gigawatt im Jahr.

Das gemeindliche Förderprogramm funktioniert folgendermaßen: Grundsätzlich unterstützt werden die Kosten für den Bau von Photovoltaikanlagen, die Nutzung von Solarthermie, Stromspeichertechnik, Wandladestationen für E-Autos und Solarthermie zur Heizungsunterstützung. Für die Neuerrichtung einer Solarthermieanlage gibt das Rathaus maximal 500 Euro, für die Neuerrichtung einer Photovoltaikanlage bis zu 150 Euro pro Kilowatt-Peak (kWp) dazu. Maximal zehn kWp werden unterstützt. Das entspricht einer großen Einfamilienhausanlage.

Bürgermeister informierte Ausschuss

Am Donnerstagabend informierte Bürgermeister Klaus Besser den Umweltausschuss, dass das Förderbudget für 2020 nicht reichen wird. Er schlug eine Aufstockung der Finanzierung vor. Die muss nun aber erst einmal geplant, politisch diskutiert und dann abgesegnet werden. Das kann noch Monate dauern.

Angesichts der Tatsache, dass Steinhagen laut Solardachkataster (auf www.kreis-guetersloh.de) erst elf Prozent seines Solarpotenzials ausgeschöpft hat, würde sich so eine Aufstockung in ökologischer Hinsicht sicherlich lohnen. Ende 2018 (aktuellste Zahlen) produzierten in der Kommune 540 Anlagen rund neun Megawatt Strom.

Weitere Infos zum Thema Solaranlagen hält das Umwelt- und Klimaschutzmanagement im Rathaus, Telefon (05204) 997213, bereit.

Info

Zum Vergleich: Gründächer sind uninteressant


Während die Photovoltaikförderung alle Erwartungen übertrifft, scheint sich für Gründächer kaum jemand zu interessieren, wie das Klimaschutzmanagement berichtet. Parallel zur Solar-Aktion hatte die Gemeinde das Projekt „Förderung Dach- und Fassadenbegrünung" ins Leben gerufen. Ab zehn Quadratmetern können Gebäude-Eigentümer 15 Euro pro Quadratmeter Vegetationsfläche, maximal 4.000 Euro erhalten. Gefördert wird die Anlage von Dach- und Fassadenbegrünungen für bestehende und neue Gebäude. Dach- und Fassadenbegrünungen sind wichtige Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel. Durch sie kann der Verbrauch der Heizung um bis zu 10 Prozent sinken. Verdunstungskälte sorgt im Sommer für Abkühlung. Außerdem halten begrünte Fassaden und Dächer das Regenwasser zurück und binden Staub und Schadstoffe aus der Luft.

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