Per Video überführt: Baggerfahrer schubst Kollegen in Baugrube

Ein Video überführte einen Bauarbeiter, der sein erstes Urteil nicht akzeptieren wollte.

Anke Schneider

Der Mann ist nun vorbestraft, muss die 1.200 Euro trotzdem zahlen und wird für drei Jahre unter der Beobachtungder Justizbehörden stehen. - © kraximus2010 - Fotolia
Der Mann ist nun vorbestraft, muss die 1.200 Euro trotzdem zahlen und wird für drei Jahre unter der Beobachtungder Justizbehörden stehen. (© kraximus2010 - Fotolia)

Steinhagen/Halle. Im Mittelpunkt einer Verhandlung vor dem Amtsgericht standen zwei Männer, die auf einer Baustelle in Steinhagen gearbeitet hatten. Die beiden sorgten immer wieder für Gesprächsstoff, da sie sich offenbar nicht verstanden. „Den ganzen Tag hatten die schon gestritten", sagte eine Anwohnerin aus, „die beiden hatten sich die Tage davor schon in der Wolle, hat mir ein Nachbar erzählt."

Am 10. Juli kurz vor Feierabend war der Streit eskaliert. Laut Anklage soll der Beschuldigte den Kollegen von hinten getreten und ihn in eine etwa 1,20 Meter tiefe Baugrube gestoßen haben. Der Geschädigte berichtete, dass sich der Streit um Rohre gedreht habe, die die Firma verlegt hatte.

Er habe den Geschädigten in die Grube "hinabgelassen"

„Er hat mit seinem Bagger ein Rohr beschädigt und das schon zum zweiten Mal", sagte der 24-jährige Tiefbaufacharbeiter. Er habe sich darüber aufgeregt und dem Angeklagten vorgeworfen, das absichtlich gemacht zu haben. Der Angeklagte habe ihn darauf von hinten an den Oberschenkel getreten und anschließend in den Graben geschubst.

Der Angeklagte gab an, den Fuß zum Tritt gehoben, den Geschädigten aber nicht getroffen zu haben. Geschubst habe er ihn auch nicht, vielmehr in die Grube „hinabgelassen". Eine Anwohnerin, die durch das lautstarke Wortgefecht auf die Situation aufmerksam wurde, filmte den Streit. Sie bestätigte den Schubser in den Rohrgraben. Ein Lkw-Fahrer, der in unmittelbarer Nähe des Geschehens stand, versuchte spürbar, den Angeklagten nicht zu sehr zu belasten. „Nur aus dem Augenwinkel", habe er den Tritt gesehen, den Schubs „auch nicht so richtig". Zudem könne er sich auch schlecht erinnern, da das ganze ja schon eine Weile her sei.

Stahlkappen an den Schuhen verschärfen das Urteil

Dem Gericht reichten jedoch das Video und die Aussage der Nachbarin, um den Vorfall nachzuvollziehen. Für die Version des Geschädigten sprachen auch seine Verletzungen, unter anderem Prellungen am Oberschenkel und Gesäß, eine Stauchung der Wirbelsäule und eine Gehirnerschütterung.

Die Staatsanwaltschaft forderte am Ende eine Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung, anstatt wegen einer einfachen Körperverletzung, da der Angeklagte bei dem Tritt Arbeitsschuhe mit Stahlkappen trug. Das Gericht folgte dem Antrag und verurteilte den Steinhagener zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung. Als Auflage muss der Mann an den Geschädigten ein Schmerzensgeld von 1.200 Euro zahlen.

Das Gericht hatte dem Angeklagten vorher im Strafbefehlsverfahren wegen einfacher Körperverletzung eine Geldstrafe von 1.200 Euro aufgebrummt. Dagegen hatte der Angeklagte Einspruch eingelegt. Eine Entscheidung, die dem Beschuldigten nur Nachteile brachte, wie sich jetzt herausstellte. Er ist nun vorbestraft, muss die 1.200 Euro trotzdem zahlen und wird für drei Jahre unter der Beobachtung der Justizbehörden stehen.

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