Wer ein altes Haus kauft, bekommt in Steinhagen was dazu

Mit dem Förderprogramm »Jung kauft Alt« will das Rathaus gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen. Familie Schneider bezieht nun sechs Jahre lang Geld.

Jonas Damme

Wohnberater Stefan Hellweg (von links) und Bürgermeister Klaus Besser freuen sich mit Nina, Pauline und Niklas Schneider über deren neues Haus. - © Jonas Damme
Wohnberater Stefan Hellweg (von links) und Bürgermeister Klaus Besser freuen sich mit Nina, Pauline und Niklas Schneider über deren neues Haus. (© Jonas Damme)

Steinhagen. Das Haus der Schneiders ist der Traum vieler junger Familien. Es liegt am Südhang des Teutoburger Waldes, blickt über einen großen Garten mit alten Nussbäumen und bietet alles, was sich die die beiden Kinder wünschen. In den vergangenen Jahrzehnten wohnte dort ein älteres Ehepaar. Nun ist ein Partner verstorben, der andere im Seniorenheim. So kam das fast 60 Jahre alte Haus auf den Markt.

Um es zu kaufen mussten sich Nina und Niklas Schneider um mehrere hunderttausend Euro verschulden – so wie die meisten Familien, die von den eigenen vier Wänden träumen. Gleichzeitig kauften sie natürlich auch das unvermeidliche Risiko mit, dass sich im alten Gemäuer noch der ein oder andere Schaden versteckt. Da kam die Unterstützung des Rathauses gerade recht. Sechs Jahre lang dürfen sich die Schneiders über jeweils 1.200 Euro aus dem Gemeindesäckel freuen.

„Als wir anfingen, wurden Immobilien wie sauer Bier angeboten"

Zugegeben, im Verhältnis zum Kaufpreis und den Renovierungskosten des 1962 gebauten Gebäudes eine überschaubare Summe. „Aber sie verschafft Spielräume", erklärt Bürgermeister Klaus Besser beim kleinen Pressetermin im neuen Wohnzimmer. Es liege in der Natur der Sache, dass bei jungen Familien nach dem Hauskauf knapp kalkuliert wird, da sei jeder Euro willkommen.

Niklas und Nina Schneider wollen ihr Geld zum Beispiel in den Garten investieren, der sonst vorerst hintenan gestellt werden müsste.

Die Gemeinde hat das Förderprogramm »Jung kauft Alt« natürlich nicht aus reiner Menschenliebe aufgesetzt. Stattdessen soll es junge Familien in den Ort ziehen, beziehungsweise hier halten. Gleichzeitig sollen ungenutzte Immobilien – wie es sie in vielen Kommunen gibt – vermieden werden, aus ökologischen und aus ökonomischen Gründen. „Heute haben wir fast keine Leerstände in Steinhagen", erklärt Klaus Besser. Das sei natürlich auch der aktuell hohen Nachfrage am Immobilienmarkt der Region zu verdanken. „Als wir anfingen wurden manche Immobilien aber noch wie sauer Bier angeboten."

Junge Familien sind ein Gewinn

Nur wegen der Förderung, die abhängig von der Anzahl der Kinder bei maximal 9.000 Euro pro Familie insgesamt liegen kann, wird wohl niemand ein Haus in Steinhagen kaufen. Trotzdem wirkt das Programm. „Ich glaube schon, dass das den Ausschlag geben kann", sagt Niklas Schneider. Denn zusammen mit vielen anderen freiwilligen Leistungen des Rathauses – wie Windelgeld, gratis Bustickets für Schüler – zeige es, dass Steinhagen sehr familienfreundlich sei. „Ich finde gut, was die Gemeinde für junge Familien bietet."

Nicht nur demografisch und steuerlich seien junge Familien für die Kommunen ein großer Gewinn, betont Stefan Hellweg. „Wir wollen alte Straßenzüge mit jungen Familien durchmischen", so der Wohnberater des Rathauses.

15 Anträge pro Jahr

Seit das Programm »Jung kauft Alt« 2011 aufgelegt wurde, hat sich das finanzielle Jahresvolumen auf 130.000 Euro jährlich gesteigert. Pro Jahr nimmt der Experte im Rathaus rund 15 Anträge von Familien entgegen, 139 wurden und werden bereits gefördert. Voraussetzung für die Mithilfe des Rathauses ist, dass das angebotene Haus mindestens 25 Jahre alt ist und selbst bewohnt werden soll. Teil des Programm ist übrigens auch ein Altbaugutachten, das vor den gröbsten Fehlkalkulationen schützen soll.

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