Ideensuche: Am Schlichte-Carree wird es ohne Abrissbagger nicht gehen

Beim Ideenworkshop durften sich Bürger bei der Neugestaltung des Areals nordöstlich des Schlichte-Carrees einbringen. Obwohl Abriss und Neubau erst am Anfang stehen, lassen sich schon einige Veränderungen voraussehen.

Jonas Damme

Das Schlichte-Carree bildet das Herzstück des Großprojektes. Die angrenzenden Gebäude Brinkmann und Vogt (rechts), könnten abgerissen werden. Zum Teil wurde darüber nachgedacht, wenigstens die Fassaden zu erhalten.  - © Ulrich Fälker
Das Schlichte-Carree bildet das Herzstück des Großprojektes. Die angrenzenden Gebäude Brinkmann und Vogt (rechts), könnten abgerissen werden. Zum Teil wurde darüber nachgedacht, wenigstens die Fassaden zu erhalten.  (© Ulrich Fälker)

Steinhagen. Wie so oft beim Versuch der Bürgerbeteiligung war die Zahl der Neugierigen beim Ideenworkshop gestern Nachmittag am Kirchplatz sehr übersichtlich. Ein Großteil der knapp 50 Teilnehmer stammte aus der Lokalpolitik. Zusammen mit einigen anderen Gästen – mehrere davon Anlieger – führten sie enthusiastische Debatten darüber, was aus den Gebäuden am Schlichte-Carree werden könnte.

Wichtig sind die Besitzverhältnisse: Gemeindebücherei, das gelbe Verwaltungsgebäude und der ehemalige Brennerei-Bereich, in dem jetzt unter anderem das Historische Museum residieren, gehören der Perus. Die GmbH verwaltet das Eigentum der König-Schlichte-Dynastie. Das angrenzende Haus Brinkmann (Möbel & Mehr-Kaufhaus) sowie die Häuser Vogt (Spielothek und Friseursalon) hat die Gemeinde mit Hilfe ihres Vorkaufsrechtes in den vergangenen Jahren erworben.

Vermutlich werden mehrere Häuser abgerissen

Der Parkplatz zwischen den Vogt-Häusern (Spielothek und Friseursalon) ist sehr unansehnlich. Trotzdem liegt er vom Marktplatz aus voll im Sichtfeld. - © Jonas Damme
Der Parkplatz zwischen den Vogt-Häusern (Spielothek und Friseursalon) ist sehr unansehnlich. Trotzdem liegt er vom Marktplatz aus voll im Sichtfeld. (© Jonas Damme)

An den Aussagen von Perus-Chef Horst Neugebauer, Bauamtsleiter Stephan Walter und Bürgermeister Klaus Besser ließ sich bereits ablesen, welche Veränderungen wahrscheinlich sind. So erklärte Walter den Gästen, dass sowohl beim Haus Brinkmann als auch beim Haus Vogt erheblicher Sanierungsstau besteht. Das Möbel & Mehr-Gebäude ist zum Teil feucht. Teilweise steht es leer. Eine Sanierung der drei Objekte sei rechnerisch kaum sinnvoll. Das bedeutet: Sie werden wohl abgerissen. In die Brennerei-Gebäude hingegen wurde investiert. Sie sollen erhalten bleiben.

Was mit den bisherigen Mietern der drei abrissreifen Gebäude wird, war beim Ideenworkshop noch nicht Thema. Allerdings sei das Secondhand-Kaufhaus M & M immer als Zwischenlösung für die alte Immobilie geplant gewesen. Auch die Spielothek wolle man nicht wirklich am Kirchplatz halten. Gesetzliche Neuerungen würden eine Neuansiedlung sowieso verhindern, so Walter.

Das Areal liegt im sogenannten Kerngebiet. Das erlaubt viele Nutzungsmöglichkeiten wie Gewerbe, Einzelhandel und kulturelle oder soziale Einrichtungen. Industrie und großflächiger Einzelhandel hingegen seien nicht vorgesehen, referierte der Bauamtsleiter.

Vorschlag: markanter Neubau, ähnlich der Bibliothek

Auch für eine Wohnbebauung müsste der Bebauungsplan geändert werden. Trotzdem sprachen sich der Perus-Chef und mehrere Teilnehmer des Brainstormings dafür aus. Die Nachfrage ist nach Einschätzung von Horst Neugebauer durchaus da. Im Idealfall aber nur als Ergänzung der eigentlichen Nutzung. Ebenfalls kam der Vorschlag auf, einen ähnlich markanten, hochmodernen Neubau wie die Bibliothek auch auf der anderen Seite des historischen Schlichte-Giebels zu planen.

Perus-Chef Horst Neugebauer (von links), Bauamtsleiter Stephan Walter, Bürgermeister Klaus Besser und Moderatorin Ursula Mölders besichtigten mit rund 40 Gästen das Areal.  - © Jonas Damme
Perus-Chef Horst Neugebauer (von links), Bauamtsleiter Stephan Walter, Bürgermeister Klaus Besser und Moderatorin Ursula Mölders besichtigten mit rund 40 Gästen das Areal.  (© Jonas Damme)

Alles steht und fällt natürlich mit der Nutzung. Eine kulturelle Einrichtung fand bisher weite Zustimmung. Auch Neugebauer sprach sich dafür aus, dass im Schlichte-Carree bis zu 200 Menschen Platz fänden. Darauf könne man aufbauen. Schwierig ist hingegen die zeitweise angedachte Verbindung der Höfe auf beiden Seiten des historischen Museums, das sei technisch mit dem alten Fabrikgebäude kaum zu bewerkstelligen, schränkte Horst Neugebauer ein.

Für den Zeitplan des Großprojektes sind die Mietverträge entscheidend. Die gelten zum Teil noch bis 2026. Erst dann können die Abrissbagger rollen. Es bleiben also noch sechs Jahre, um ein tragendes Konzept für das prägende Areal zu entwickeln.

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