Steinhagener Eisstockfinale endet mit einem Eklat

Die eigentliche Siegermannschaft erweist sich als unwürdig. Graf-Bernhard-Wirt Peter Krebs entscheidet, dass der erste Platz in diesem Jahr nicht vergeben wird und erntet bei den Teams und Zuschauern Beifall.

Birgit Nolte

Die weiteren Teams auf dem Podium durften sich zu recht feiern lassen. - © Birgit Nolte
Die weiteren Teams auf dem Podium durften sich zu recht feiern lassen. (© Birgit Nolte)

Steinhagen. Peter Krebs ist ein freundlicher Mensch. Jetzt allerdings ist er richtig sauer. Der Graf-Bernhard-Wirt steht auf dem Eis und wartet gemeinsam mit hunderten von Zuschauern darauf, dass sich das gerade verkündete Siegerteam des Eisstockfinales blicken lässt.

Mehrere Minuten vergehen, bis sich zumindest ein Mitglied der »Eiskalten«, so nennt sich die Steinhagener Herrenmannschaft, die am Sonntag die meisten Punkte gemacht hat, aufs Eis bequemt. Der Rest bleibt erstmal gemütlich an der Theke im warmen Inneren des Graf Bernhards sitzen. Nach und nach geben sich zwei weitere, deutlich angetrunkene Mitglieder die Ehre. Der Rest lässt sich gar nicht erst blicken. Die Siegerehrung ist dem Team offensichtlich komplett egal.

Publikum skandiert: Ihr könnt nach Hause fahren ...

„Das ist das Allerletzte", schimpft Peter Krebs wütend. „Hier haben sich alle Mannschaften zur Siegerehrung versammelt, auch die, die wissen, dass sie keine Chance auf den ersten Platz haben. Natürlich wollen alle wissen, wer gewonnen hat und den Sieger feiern. Das ist einfach eine unglaubliche Unsportlichkeit." Der Organisator des Eisstockschießens geht kurz in sich und verkündet, immer noch sichtlich aufgebracht: „Der erste Platz wird dieses Jahr nicht vergeben!" Mit dieser Entscheidung sind Publikum und die anderen 29 Teams einverstanden. Etliche haben zu diesem Zeitpunkt sowieso schon »Ihr könnt nach hause fahren« angestimmt. Auf den Grillabend – die Belohnung für die Siegermannschaft – müssen die »Eiskalten« also verzichten.

Sie traineren nie, gewinnen nie und haben trotzdem Spaß. Die »Frostbeulen« bestehen aus Sandra Brinkmann (von links), Ulrike Dallmeyer, Sabine Jürgensmann und Monika Hundeloh. - © Birgit Nolte
Sie traineren nie, gewinnen nie und haben trotzdem Spaß. Die »Frostbeulen« bestehen aus Sandra Brinkmann (von links), Ulrike Dallmeyer, Sabine Jürgensmann und Monika Hundeloh. (© Birgit Nolte)

Auf den Jubel ebenfalls. Den sparen sich die Besucher für die weiteren Platzierten auf. Das Team »Knüppelhart 4« – eine der sieben Frauenteams, die es in das Finale geschafft haben – kommt mit 2.220 Punkten auf Rang zwei und freut sich auf ein »Magic Dinner« im Graf Bernhard. Ein Frühstück für acht Personen ist die Belohnung für die »Himmelsthürer«, die mit 2.130 Punkten auf Platz drei gelandet sind. 1.910 Punkte, der vierte Platz und ein Frühstück für vier Personen ist die Ausbeute der »Haller Asse«.

Olympischer Gedanke steht im Mittelpunkt

Andrea Heibrock (von links), Heike Sterthoff, Sabine Kropp und Elke Tacke feuern ihre Männer an, die unter dem Teamnamen »3 Bier, 1 Alster« beim Finale dabei sind. - © Birgit Nolte
Andrea Heibrock (von links), Heike Sterthoff, Sabine Kropp und Elke Tacke feuern ihre Männer an, die unter dem Teamnamen »3 Bier, 1 Alster« beim Finale dabei sind. (© Birgit Nolte)

Schade, dass das Finale mit einem solchen Missklang endet. Denn die Stimmung beim Eisstockschießen ist immer gut. Für die meisten steht der olympische Gedanke von »dabei sein ist alles« im Mittelpunkt. Und so nehmen es die »Künsker Mietzen«, die mit 800 Punkten auf dem letzten Platz gelandet sind, denn auch mit Humor und freuen sich über die Proseccoflaschen, die sie zum Trost mit nach Hause nehmen dürfen.

Der Spaß steht an erster Stelle. „Wir trainieren nie, haben noch nie gewonnen, aber sind trotzdem jedes Jahr dabei", bringt es Ulrike Dallmeyer von den »Frostbeulen« auf den Punkt.

168 Teams sind in dieser Saison wieder beim Eisstockschießen dabei gewesen. 80 Prozent der Startplätze für das nächste Mal sind schon wieder vergeben. Mal sehen, ob Peter Krebs die »Eiskalten« eiskalt abblitzen lässt.

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