Von dieser Verkehrsregel haben viele noch nie etwas gehört

Die Gemeinde und der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) machen auf eine Verkehrsregel aufmerksam, die viele gar nicht kennen. Auto- und Radfahrer sollten darüber Bescheid wissen.

Frank Jasper

Bürgermeister Klaus Besser (von links), Anna Zühlke, Jens Hahn und Fritz Spratte bringen die Aufkleber ans erste Fahrzeug an. - © Frank Jasper
Bürgermeister Klaus Besser (von links), Anna Zühlke, Jens Hahn und Fritz Spratte bringen die Aufkleber ans erste Fahrzeug an. (© Frank Jasper)

Hätten Sie’s gewusst? Wer innerorts mit seinem Wagen an einem Radfahrer vorbeifährt, muss einen Mindestabstand von eineinhalb Metern halten. Außerorts und bei Geschwindigkeiten von mehr als 50 Stundenkilometern sind sogar zwei Meter Abstand erforderlich.

Die Gemeinde Steinhagen und der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) haben nun eine gemeinsame Aktion gestartet, um auf diesen Mindestabstand hinzuweisen. „Hierzu werden nach und nach unsere Fahrzeuge mit einem gut sichtbaren Aufkleber ausgestattet, der auf den rechtlich vorgeschriebenen Mindestabstand von eineinhalb Metern hinweist", kündigte Bürgermeister Klaus Besser an. Damit wolle man einen Beitrag leisten, um in der Bevölkerung ein Bewusstsein zu schaffen für die Gefahren und Regeln bei Begegnungen von Rad- und Autofahrern.

Gegenseitige Rücksichtnahme

Die Aktion macht in Steinhagen schon deshalb Sinn, weil sich hier häufig Radfahrer die Fahrbahn mit Autos teilen müssen. Nach Ansicht des ADFC und der Gemeinde werden Radfahrer von Auto- und Lkw-Fahrern so besser wahrgenommen. Doch die gemeinsame Nutzung des Verkehrsraums stelle auch erhöhte Anforderungen an die gegenseitige Rücksichtnahme und Akzeptanz im Straßenverkehr. „Dazu gehört insbesondere, dass Auto- und Lkw-Fahrer beim Überholen von Radfahrern einen ausreichenden Seitenabstand einhalten, da ein zu enges Überholen die Sicherheit der schwächeren Verkehrsteilnehmer gefährdet", sagte Fritz Spratte. Das Vorstandsmitglied des ADFC-Kreisverbandes weiß: „Schon die durch das überholende Fahrzeug entstehenden Veränderungen der Seitenwind- und Luftdrucksituation können zu Unfällen von Radfahrern führen."

Info

Der ADFC

• Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) ist ein gemeinnütziger Verein mit mehr als 185.000 Mitgliedern, der die Interessen von Radfahrern und Fußgängern unterstützt. Die Ehrenamtlichen stellen Kontakte her zu Verwaltungen und Behörden und bieten jedes Jahr geführte Radtouren an.
• Weitere Informationen über den ADFC im Kreis Gütersloh erhalten Interessierte unter der Internetadresse www.adfc-guetersloh.de. Dort ist auch die Mängel-Datenbank zu finden, in der der Club bereits mehr als 200 Mängelmeldungen mit Fotos allein für den Kreis zusammengetragen hat.

Bürgermeister Klaus Besser machte beim Pressetermin deutlich: „Wir möchten den Anteil des Radverkehrs in Steinhagen steigern. Daher liegt uns die Sicherheit von Radfahrern besonders am Herzen." Vielen Autofahrern sei häufig nicht bekannt, dass ein Mindestabstand von eineinhalb Metern beim Überholen erforderlich und seit 2020 auch rechtlich vorgeschrieben sei.

Gefahr durch parkende Autos

Fritz Spratte zeigte auf, was die Regel für die Verkehrsteilnehmer bedeuten kann: „Ist eine Straße zu eng für diesen Mindestabstand, ist ein Überholen nicht zulässig. Auch wenn Radschutzstreifen oder Radfahrstreifen eine eigene Fahrspur suggerieren, muss hier ein ausreichender Seitenabstand gehalten werden." Es sei daher in der Regel sinnvoll, einen vollständigen Fahrstreifenwechsel beim Überholen von Radfahrern zu vollziehen.

Mit der Abstandsregel sollen Unfälle vermieden werden. Denn das enge Überholen führe zum einen zu Unfällen im Vorbeifahren. Zum anderen würden Radfahrer an den rechten Straßenrand gedrängt. Als Folge fahren viele Radfahrer im Türöffnungsbereich parkender Autos und begeben sich damit in eine akute Unfallgefahr.
Fritz Spratte appellierte in diesem Zusammenhang an die Autofahrer, sich vor dem Öffnen der Fahrertür zu vergewissern, dass in diesem Moment kein Fahrrad vorbeifährt.

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