Steinhagens Hausarzt Dr. Elwitz geht in den Ruhestand

Nach 35 Jahren hört der Hausarzt auf. Für seine Patienten hatte er immer ein offenes Ohr. Die Zukunft sieht er nicht mehr in der klassischen Hausarztpraxis.

Sonja Faulhaber

Dr. Johannes Elwitz geht nach 35 Jahren in den Ruhestand. In seiner Praxis bot er seinen Patienten ein breites Spektrum - von klassischer hausärztlicher Untersuchung bis hin zu Naturheilverfahren wie der Homöopathie. - © Sonja Faulhaber
Dr. Johannes Elwitz geht nach 35 Jahren in den Ruhestand. In seiner Praxis bot er seinen Patienten ein breites Spektrum - von klassischer hausärztlicher Untersuchung bis hin zu Naturheilverfahren wie der Homöopathie. (© Sonja Faulhaber)

Steinhagen-Amshausen. Eine Ära geht zu Ende. Nach 35 Jahren schließt Dr. Johannes Elwitz zum 1. April 2020 seine Hausarztpraxis am Upheider Weg. Für den 66-Jährigen ein logischer Schritt, denn ein Nachfolger ist nicht in Sicht und das passende Alter für den Ruhestand sei erreicht.

Seine Patienten müssen sich nun nach und nach einen anderen Hausarzt suchen (siehe Info-Kasten). Doch im Gegensatz zu vielen Kollegen in ähnlicher Situation bedauert Dr. Elwitz die Entwicklung nicht, sondern sieht sie als logische Konsequenz der gesellschaftlichen Veränderungen: „Die Zukunft liegt in den Gemeinschaftspraxen. Dort finden Ärzte familienverträgliche Arbeitszeiten, es gibt betriebswirtschaftliche Vorteile und die Ärzte ergänzen sich in ihren Schwerpunkten.“

Einzig, dass eine solche Gemeinschaftspraxis nicht in Amshausen besteht, bedauert Elwitz. Vor einiger Zeit hatte er versucht, gemeinsam mit seinem Kollegen Matthias Botthof ein solches Konzept zu initiieren, doch das scheiterte. Mittlerweile ist Dr. Botthof seit eineinhalb Jahren im Ruhestand, Dr. Elwitz folgt nun im April.

Sein Werdegang führte den gebürtigen Bonner 1985 nach Steinhagen. Kein Ziel, das am Anfang des Medizin-Studiums schon klar war. Anfang der 1970er Jahre beginnt Elwitz in Bonn sein Medizinstudium, wechselt zwischendurch für ein Jahr nach Wien und macht dann 1979 in Münster sein zweites Staatsexamen. Danach geht es zum Physikum nach Bielefeld. „Ich hatte Glück, meine Frau arbeitete als Referendarin in Bielefeld am Max-Planck-Gymnasium“, erinnert sich Elwitz, dass er gar nicht böse war, nach Ostwestfalen zu kommen.

Freundschaft mit Dr. Claus Amelung

Zunächst absolvierte er in Gilead sein praktisches Jahr. Nach dem 3. Staatsexamen arbeitete er zwei Jahre für die Chirurgie in Gilead, dann ein Jahr auf der Inneren Abteilung im Klösterchen und ein weiteres auf der Inneren im St. Jacobi Stift in Werther.

Und hier ist wohl der Moment zu finden, in dem sich Dr. Johannes Elwitz seinem späteren Arbeitsort Steinhagen annäherte. „Mir hat das ländliche in Werther immer sehr gefallen“, blickt Elwitz zurück. Dazu kam noch seine Freundschaft mit Dr. Claus Amelung, überzeugter Brockhagener, den Elwitz aus seiner Zeit in Gilead kannte. Eine einmonatige Krankheitsvertretung für Dr. Wübben in Steinhagen lenkte den Weg dann noch stärker in Richtung Steinhagen. Als Elwitz letztlich erfuhr, dass Dr. Walter Mohaupt seine Praxis aufgeben wollte und einen Nachfolger suchte, stand fest: Ich lasse mich als Hausarzt in Steinhagen nieder.

Eine Entscheidung, die er bis heute nicht bereut hat: „Es war eine erfüllende Zeit, die mir viel Freude gemacht hat. Es war für mich schön, so viele Menschen kennenzulernen, die mir ihr Vertrauen entgegengebracht und mich in ihr Leben aufgenommen haben.“ Besonders ein Aspekt seiner Arbeit begeistert Dr. Johannes Elwitz bis heute. „Ich habe ganze Familien über Jahrzehnte hinweg begleitet.“

Doch nun sei es Zeit, seiner eigenen Familie mehr Zeit zu widmen. Seine Frau ist bereits vor einem Jahr in den Ruhestand gegangen. Nun möchte der 66-Jährige gemeinsam mit seiner Frau mehr Zeit mit den beiden erwachsenen Töchtern und den drei Enkeln verbringen. „Unsere Enkel werden in Zukunft ein großer Schwerpunkt in meinem Leben sein“, betont Elwitz. Auch Reisen könne er sich vorstellen, aber nicht in die Ferne, sondern lieber zum Wandern in die Berge oder ans Meer nach Frankreich. Und wenn dazwischen einmal Langeweile aufblitzen sollte, weiß der 66-Jährige, womit er sich beschäftigen will: „Tanzen gehen, Rad fahren, Tennis spielen und endlich wieder Zeit zum Malen haben.“

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