Streit ums Laub: Steinhagener pocht auf mündliches Abkommen mit der Gemeinde

Wenn im Herbst die Blätter in Gottfried Ottos Garten fallen, beginnt der Ärger. Wohin mit dem vielen Laub? Zumal die riesigen Eichen, die in den Garten ragen, gar nicht seine sind.

Frank Jasper

Gottfried Otto - © Frank Jasper
Gottfried Otto (© Frank Jasper)

Steinhagen-Brockhagen. Zunächst einmal: Für die Entsorgung von Laub aus dem eigenen Garten ist immer der Grundstückseigentümer verantwortlich. Dabei spielt es keine Rolle, woher die Blätter stammen. Das Laub kann über die Komposttonne entsorgt werden, es kann auch gegen eine Gebühr am Entsorgungspunkt Nord in Halle-Künsebeck abgegeben werden. Die Gemeinde Steinhagen bietet außerdem jedes Jahr eine kostenlose Laubabgabe am Bauhof an. Wer das Laub einfach in den Wald wirft, riskiert ein Bußgeld.

Auch Gottfried Otto aus der Abendsiedlung in Brockhagen greift jeden Herbst zur Harke und macht sich daran, die Blätter aus seinem Garten an der Miegelstraße zu entfernen. Und es gibt viel zu entfernen. Denn auf dem Grundstück direkt nebenan stehen hohe Eichen, deren Äste weit in das Grundstück hineinragen. Sie stehen auf einem Grünstreifen, der sich im Besitz der Gemeinde befindet.

Abkommen aus alten Zeiten soll nicht mehr gelten

„Am Freitag waren es 16 große 160-Liter-Säcke, die voll mit Blättern waren", berichtet der 79-Jährige. So weit, so anstrengend. Doch dann beginnt der eigentliche Ärger für Gottfried Otto. Denn bis 2015 war es ihm gestattet, das Laub auf dem Grünstreifen abzulagern, wo es vom Bauhof mitgenommen wurde. Damit soll seit 2015 Schluss sein. Herr Otto soll sein Laub selber wegbringen.

Der Fall ist insofern außergewöhnlich, weil es bereits zwischen dem Vorbesitzer des Privatgrundstücks – Hermann Abend, nachdem die Siedlung benannt ist – und der Gemeindeverwaltung eine mündliche Vereinbarung gegeben habe, wonach das Laub vom Bauhof entsorgt wird. Das Entgegenkommen ist darauf zurückzuführen, dass Hermann Abend seinen Zaun fast zwei Meter versetzte, um so den mächtigen Eichen auf dem gemeindlichen Grünstreifen mehr Platz zu geben. Erst so ist es laut Gottfried Otto möglich, dass die Mähfahrzeuge des Bauhofs um die Bäume herumfahren können.

In Einzelfällen können Betroffene eine "Laubrente" bekommen

„Das Abkommen zwischen Abend und anderen Anwohnern und der Gemeinde wurde damals per Handschlag vereinbart. Nun will im Rathaus davon niemand mehr etwas wissen", ärgert sich Gottfried Otto. Er betont: „Ich erfreue mich ja an den Bäumen und den Eichhörnchen und Vögeln, die darin leben. Aus Rücksicht auf die Bäume habe ich schon mehrfach meine Tannen gekappt, damit sie nicht in die Bäume wachsen. Ich bin auch gerne bereit, das Laub zusammenzuharken", sagt Gotffried Otto. Allein der Abtransport sei ihm angesichts der riesigen Mengen Laub zu anstrengend und zu kostspielig.

Anke Ulonska, Abfallberaterin im Rathaus, kennt den Fall aus der Abendsiedlung, will ihn aktuell aber nicht kommentieren. „Wir prüfen den Sachverhalt zurzeit unter mehreren Gesichtspunkten", teilt sie auf HK-Nachfrage mit. In der Verwaltung werde derzeit geprüft, was es mit der mündlichen Abmachung auf sich hat und ob eine unverhältnismäßige Beeinträchtigung vorliege. In so einem Fall haben Grundstückseigentümer Anspruch auf eine sogenannte Laubrente. Dabei handelt es sich um einen jährlichen Betrag, der gegenüber dem Eigentümer der Bäume geltend gemacht werden kann. Im Bemühen, keinen Präferenzfall zu schaffen, ist ausdrücklich von einer Einzelfallprüfung die Rede.

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