Anzeige: Polizei überprüft Steinhagener Pferdespedition Johannsmann

Wegen Lenkzeitverstößen wurde die Pferdespedition durchsucht. Der Kreis Güterloh bestätigt „Mängel“. Friedrich Johannsmann betont seine volle Kooperation

Jonas Damme

Fritz Johannsmann - © Karl-Heinz Frieler
Fritz Johannsmann (© Karl-Heinz Frieler)

Steinhagen. Woher die Anschuldigungen kommen, weiß der Spediteur auch am Tag nach der Durchsuchung nicht. Anonym hatte ein Unbekannter erhebliche Vorwürfe gegen das Traditionsunternehmen vorgebracht. Von massiven Missachtungen der Lenk- und Ruhezeiten der Fahrer der Pferdetransporte ist die Rede. Mehrere Lkw-Fahrer seien mit zwei Lenkkarten unterwegs gewesen, obwohl der Co-Pilot gar nicht mit auf Tour gewesen sei. Selbst die Karte von Friedrich Johannsmann selbst werde für solche unzulässigen Methoden verwendet. Auch Fahrzeiten von mehr als 24 Stunden auf den weniger strikt kontrollierten Kleintransportern kämen vor.

Aus der Luft gegriffen sind die Anschuldigungen offenbar nicht. „Es gab eine Anzeige und es wurden Mängel festgestellt", bestätigt Kreissprecherin Lena Bökenhans. Der beim Kreis für Fahrzeiten von Lkws zuständige Mitarbeiter sei beteiligt gewesen.

Von wem die anonymen Anschuldigungen stammen, weiß auch Friedrich Johannsmann nicht, allerdings betont er im HK-Gespräch, voll mit den Behörden zu kooperieren. „Da steckt viel Insiderwissen drin. Wir waren am Mittwoch total überfordert damit. Aber so ist die Sache in besten Händen." Gestern habe er erneut mit der Polizei telefoniert. Nun wolle er die Sache den Behörden überlassen. „Das sollen die Juristen klären."

Rechtfertigen möchte sich der altgediente Spediteur nicht. Trotzdem erklärt er auf Nachfrage noch einmal die schwierigen Rahmenbedingungen, die seiner Branche schon lange das Leben schwer machten.

„In 46 Jahren keinen Pferde- oder Personenschaden"

„Stellen sie sich vor, ein Fahrer kommt mit dem Lkw aus Köln nach Schloss-Holte. Dafür braucht er zweieinhalb Stunden. Danach muss er sieben Stunden auf die Entladung warten", nennt er ein allgemeines Beispiel. „Dann ist er nach rund zehn Stunden wieder abfahrbereit und darf nur noch vier Stunden lenken."

Diese heutige Art zu kalkulieren sei für die Behörden zwar einfach zu kontrollieren, mache die Planung aber sehr schwierig. Als er in der Branche angefangen habe, habe es bereits klare Kontrollzeiten gegeben, trotzdem habe der Fahrer noch selbst entscheiden können, wann er müde war. Außerdem betont er, dass die Spedition Johannsmann nach wie vor absolut zuverlässig sei: „Bei uns ist in den 46 Jahren nie etwas Schlimmes passiert. Wir hatten noch nie einen Personen- oder Pferdeschaden."

Wie es nun weiter geht, liegt bei dem Kreis Gütersloh, der Polizei, dem Zoll und dem Bundesamt für Güterverkehr. Derzeit werden das sichergestellte Beweismaterial gesichtet und die Fakten ausgewertet. Eine zeitliche Einschätzung zum Verfahrensfortgang wollten weder Kreis noch Polizei liefern.

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