Mit dem Auto überrollt: Streit um Schulden eskaliert in Steinhagen

Ein 24-jähriger Gütersloher erschien gestern zur nächsten Verhandlungsrunde vor dem Amtsgericht Bielefeld. Es ging um den Verdacht des tätlichen Angriffs am Gabriele-Münter-Hof. Dabei rollte das Auto des 24-Jährigen nicht nur über einen 69-jährigen Zeugen, zuvor kam ein Schlagstock zum Einsatz.

Nils Middelhauve

In der Wohnung eines Steinhageners am Gabriele-Münter-Hof begann der Streit. Nachdem Blut floss, wollte der Gütersloher den Tatort mit seinem Vater und Schwiegervater verlassen. Währenddessen waren jedoch Angehörige des Opfers gekommen. Der Streit setzte sich daher auf dem Parkplatz blutig fort. - © Sonja Faulhaber
In der Wohnung eines Steinhageners am Gabriele-Münter-Hof begann der Streit. Nachdem Blut floss, wollte der Gütersloher den Tatort mit seinem Vater und Schwiegervater verlassen. Währenddessen waren jedoch Angehörige des Opfers gekommen. Der Streit setzte sich daher auf dem Parkplatz blutig fort. (© Sonja Faulhaber)

Steinhagen/Gütersloh/Bielefeld. Es ging um geliehenes Geld und um gegenseitige Beleidigungen, als Labeed B. (Namen aller Betroffenen geändert) im April 2017 in ein Mehrfamilienhaus in Steinhagen stürmte und mit einem Schlagstock auf einen der Bewohner einprügelte. Doch damit nicht genug: Beim Verlassen des Tatorts soll der 24-jährige Mann aus Gütersloh mit seinem Auto zweimal einen hinzugekommenen Zeugen überrollt haben. Nun muss sich B. wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung vor dem Bielefelder Amtsgericht verantworten.

Das fragliche Geschehen hatte seinen Ursprung darin, dass Labeed B. dem Bruder des überfallenen Manns insgesamt 4.000 Euro geliehen hatte. Nachdem der Schuldner sich offenbar mitsamt dem Geld aus dem Staub gemacht hatte, rief B. dessen Bruder M. (49) an. Das Gespräch lief allerdings völlig aus dem Ruder und gipfelte in gegenseitigen Beleidigungen. Diese wollte B. nicht auf sich sitzen lassen – zumal sein Vater und sein Schwiegervater ebenfalls anwesend waren.

Labeed B. schlug sofort zu, als der Steinhagener die Tür öffnete

Labeed B. fuhr mit seinen beiden Begleitern geradewegs zum Gabriele-Münter-Hof in Steinhagen, wo er sich einen Schlagstock aus seinem Auto schnappte und ins Haus stürmte. „Er war außer sich vor Wut", erklärte Verteidiger Detlev Binder in der gestrigen Verhandlung vor dem Bielefelder Amtsgericht namens seines Mandanten. Der Angeklagte klingelte gegen 23 Uhr bei M. und schlug, als dieser die Tür öffnete, sofort zu. Die Auseinandersetzung verlagerte sich in den Hausflur, wo B. mehrfach mit Fäusten und dem Schlagstock auf seinen Kontrahenten einprügelte. Unter anderem brachen bei M. durch die Schläge zwei Zähne ab.

Neben B. hatten sich zunächst auch noch dessen beide damaligen Begleiter auf der Anklagebank befunden. Diese sollen jedoch nach Angaben von B. bei dem Überfall lediglich versucht haben, die Streithähne zu trennen. Da auch die Aussage des Opfers in dieser Hinsicht keine gesicherten Feststellungen zuließ, stellte das Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richterin Astrid Salewski das Verfahren gegen den Schwiegervater und den Vater von B. gegen eine Geldauflage vorläufig ein.

Der Schwager kam mit mehreren Begleitern dem Opfer zu Hilfe

Die viel entscheidendere Frage ist jedoch, was genau geschah, nachdem die drei Männer das Haus am Gabriele-Münter-Hof wieder verlassen hatten. Fest steht, dass die Ehefrau von M. während der Auseinandersetzung vor ihrer Wohnung sowohl die Polizei, als auch ihren Bruder verständigt hatte. Dieser erschien mit mehreren Begleitern kurz darauf am Tatort.

Laut Angeklagtem stürmten mehrere Männer mit Baseballschlägern auf die bereits wieder im Auto sitzenden Gütersloher zu und schlugen auf das Fahrzeug ein. Fest steht auch, dass der heute 69 Jahre alte H., einer der Begleiter des Bruders, von dem Mercedes erfasst wurde, als B. losfuhr. Der Senior stürzte und wurde zweimal von dem Auto überrollt. Dabei erlitt er einen Beckenbruch sowie eine Ruptur der Harnblase und musste längere Zeit im Anschluss im Rollstuhl verbringen.

"Ich hatte Panik und wollte weg"

Das Amtsgericht wird nun zu klären haben, ob das Überrollen fahrlässig oder vorsätzlich geschah – oder aber gegebenenfalls gar durch Notwehr gedeckt sein könnte. „Ich hatte Panik und wollte nur noch weg", hieß es in der Erklärung des Angeklagten: „Ich habe aber in keinem Moment gesehen, dass irgendwer hinter dem Auto stand." Der Prozess wird am 28. November fortgesetzt.

Copyright © Haller Kreisblatt 2019
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.