Nach 20 Jahren gibt dieser Redakteur seine »Lupe« ab

Mit Reiner Schmidt endet nicht nur eine Epoche des Gemeindebriefes, vermutlich wird es das vierteljährliche Heft in dieser Form künftig gar nicht mehr geben. Die Kirchengemeinden haben andere Pläne.

Jonas Damme

An seinem Apple layoutete und schrieb Reiner Schmidt knapp 20 Jahre lang die Lupe. Noch heute erinnert er sich mit einem Schmunzeln an die ungewollte Text-Bild-Kombination der Ausgabe 2/2004 (links). Foto: Jonas Damme - © Jonas Damme
An seinem Apple layoutete und schrieb Reiner Schmidt knapp 20 Jahre lang die Lupe. Noch heute erinnert er sich mit einem Schmunzeln an die ungewollte Text-Bild-Kombination der Ausgabe 2/2004 (links). Foto: Jonas Damme (© Jonas Damme)

Steinhagen. 8.200 Exemplare der Ausgabe 4/2019 der »Lupe« werden dieser Tage gedruckt. Eine ordentliche Auflage für den Gemeindebrief, der erstmals 1976 erschien. Verteilt wird er „an Gott und die Welt", wie es der Macher beschreibt.

Die Jahresend-Ausgabe läutet gleichzeitig das Ende der Lupe ein, so wie sie die Steinhagener kennen. Das hat zwei Gründe. Der Eine: Reiner Schmidt, der das kleine Heft seit fast 80 Ausgaben betreut, hört auf. Ehrenamtlich hat er unzählige Stunden in das Projekt gesteckt, das Heft gelayoutet, Artikel geschrieben, Interviews geführt.

Der zweite Grund: Den Steinhagener Gemeindebrief wird es so bald nicht mehr geben. Die evangelischen Gemeinden Steinhagen und Brockhagen planen ihre Gemeindebriefe »Die Lupe« und den »Blick« zusammenzulegen. Wer die Hefte dann produziert, ist noch nicht geklärt. Sicher ist, Reiner Schmidt wird es nicht sein. „Die Pläne für die Zusammenlegung sind ein guter Zeitpunkt für den Absprung", erklärt er.

Kleine Ein-Mann-Redaktion im Arbeitszimmer

Viel Freude habe ihm seine Arbeit gemacht, mit 75 Jahren sei es aber auch mal gut. Als der ehemalige Berufschullehrer das Heft zu Jahrtausendwende übernahm, kannten ihn wohl die wenigsten Steinhagener. Er war frisch ins Presbyterium gekommen. „Ich suchte eine Aufgabe, etwas von dem ich Ahnung habe. Aber auch was Konkretes", beschreibt er rückblickend bei einer Tasse Kaffee in der kleinen Ein-Mann-Redaktion in seinem Arbeitszimmer seine Anfänge als ehrenamtlicher Redakteur. In die Technik hatte er sich schnell eingearbeitet und fing dann an, der Lupe seinen ganz eigenen Stempel aufzudrücken.

„Es sollte eine gute Mischung sein", beschreibt Schmidt seinen Anspruch. Einerseits soll der Gemeindebrief widerspiegeln, was sich in den letzten drei Monaten in Steinhagen bewegt hat, darüber hinaus ist aber auch ein bisschen Kultur gewünscht. „Was mir immer Spaß gemacht hat, war der Gestaltungsspielraum."

Die Lupe - © rs
Die Lupe (© rs)

Mancher erinnert sich vielleicht noch an die Kirchenhistorische Reihe über die Reformatoren. Seiner Fotoleidenschaft kann er bei der Auswahl der Titelseite frönen. „Es kann auch mal ein Witz drin sein", so Schmidt. Und mit der Kinderseite bemüht sich das Heft sogar um Nachwuchswerbung. Mittlerweile ist Reiner Schmidt in Steinhagen kein Unbekannter mehr. „Manchmal werde ich schon morgens in der Muckibude auf Texte angesprochen", sagt er. Dass jeder weiß, welches Gesicht hinter der »Lupe« steckt, liegt aber auch an seinem Engagement in der Kantorei, im Presbyterium und nicht zuletzt als Kultur-Reporter beim Haller Kreisblatt. Überhaupt ist die klassische Kultur Schmidts große Passion. Immer wieder treibt es den Rentner zu Konzerten in der ganzen Republik. Langweilig wird ihm also auch ohne die Lupe nicht.

Und, in der Retrospektive, was waren die Höhepunkte? „Da gab es viele, die Luther-Reise auf den Spuren des Reformators zum Beispiel", erinnert sich Schmidt. In Erinnerung sei ihm aber auch der größte „Klops" geblieben, den er sich in den zwei Jahrzehnten gelistet habe. Die Lupe 2/2004 zeigt die große Steinhäger-Schnaps-Kruke auf dem Historischen Museum und titelt daneben: »Konfirmation 2004«. Die Assoziation war nicht beabsichtigt, betont Reiner Schmidt noch heute mit einem Schmunzeln. „Da haben sich damals doch einige beschwert."

In der Adventszeit soll Reiner Schmidt im Gottesdienst in der Dorfkirche als Redakteur verabschiedet werden. Als wacher Geist, kulturbegeistertes Gemeindeglied und eloquenter HK-Theaterkritiker wird er Steinhagen noch lange erhalten bleiben.

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