Immer mehr Pendler: Das verhagelt Steinhagen die Klimabilanz

Paradox: Mit den Steuern aus der florierenden Wirtschaft finanziert Steinhagen viele Umweltschutzprojekte. Gleichzeitig pendeln aus und nach Steinhagen erheblich mehr Arbeitnehmer als in anderen Städten – meist mit dem Auto

Jonas Damme

Von etwas mehr als 10.000 Erwerbstätigen in der Gemeinde kommen 7.300 von außerhalb. Umgekehrt pendeln 7.643 Arbeitnehmer aus Steinhagen heraus. - © Frank Jasper
Von etwas mehr als 10.000 Erwerbstätigen in der Gemeinde kommen 7.300 von außerhalb. Umgekehrt pendeln 7.643 Arbeitnehmer aus Steinhagen heraus. (© Frank Jasper)

Steinhagen. Das Rathaus arbeitet hart an seinem Vorsatz, Steinhagen zu einer »klimafreundlichen« Kommune zu machen. Millionen Euro wurden und werden für Umweltschutzprojekte aller Art ausgegeben. Gleichzeitig setzen sich täglich tausende Steinhagener ins Auto, um nach Bielefeld, Gütersloh oder Paderborn zur Arbeit zu fahren.

7.643 sogenannte Auspendler zählte das statistische Landesamt 2018 (neueste Zahlen). Das sind 150 mehr als noch ein Jahr zuvor. Tatsächlich nimmt die Zahl der Pendler im ganzen Kreis Gütersloh stetig zu, wie das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung kürzlich nachwies. Seit dem Jahr 2000 soll der Anteil der Pendler alleine im Kreisgebiet um 57 Prozent gestiegen sein. Bevorzugtes Fahrzeug bleibt der eigene Privatwagen.

Laut der Experten ist ein wichtiger Grund für diese klimaschädliche Entwicklung der Mangel an günstigem Wohnraum in vielen Ballungsgebieten. Gäbe es überall ausreichend günstige Häuser und Wohnungen, könnten mehr Arbeitnehmer nah am Arbeitsort wohnen. Ebenfalls relevant für die Entwicklung sind der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und die Verweildauer der Arbeitnehmer in Unternehmen, insbesondere die Zunahme von befristeten Arbeitsverträgen spielt eine Rolle.

In Steinhagen ist Pendleranteil besonders extrem

Nach Angaben des Umweltbundesamtes geht knapp ein Fünftel aller CO2-Emissionen in Deutschland auf das Konto des Verkehrs. Unnötiges Pendeln hat also konkrete umweltschädliche Auswirkungen. Und in Steinhagen ist der Pendleranteil besonders extrem. Während landesweit etwa jeder Zweite ein- oder auspendelt, sind es in beziehungsweise aus der Gemeinde deutlich mehr. Die Ein- und Auspendlerquote liegen hier bei fast 70 Prozent. Sprich: von etwas mehr als 10.000 Erwerbstätigen kommen 7.300 von außerhalb. Damit liegt Steinhagen von den fast 400 Kommunen in NRW auf dem nicht unbedingt wünschenswerten 33. Platz.

Dass aus klimapolitischer Sicht Handlungsbedarf besteht, hat das Rathaus schon vor Jahren erkannt. Mit verschiedenen Projekten sollen die Bürger motiviert werden, das Auto stehenzulassen. Das Radverkehrskonzept soll Arbeitnehmer beispielsweise auf das Fahrrad bringen. Es versucht – genauso wie das vom Kreis derzeit forcierte »Alltagsradwegenetz« – kurze, angenehme Wege für wichtige Pendlerstrecken zu schaffen. Welche Routen für den Pendlerverkehr besonders wichtig sind, ist bekannt.

3.400 Steinhagener fahren täglich allein nach Bielefeld, knapp 2.000 kommen von dort. Nach Bielefeld kommen Halle und Gütersloh mit jeweils rund 1.000 Pendlern als beliebteste Arbeitsorte der Steinhagener.

Natürlich ist für umweltfreundlicheres Pendeln auch der öffentliche Nahverkehr immens wichtig. Hier versucht Steinhagen regelmäßig mit Anschreiben an den zuständigen Kreis Verbindungen zu optimieren. Parallel wird derzeit – wie berichtet – die Modernisierung des Busbahnhofes geplant.

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