Aggressive Hunde greifen Frau an - junge Steinhagenerin vor Gericht

Amtsgericht Halle: Steinhagenerin muss sich verantworten. Opfer leidet weiter unter dem Trauma

Lüdeke Horn

Sicher ist sicher: Auffällige Hunde sollten einen Maulkorb tragen. Die Regelungen, wie Hunde in der Öffentlichkeit zu sichern sind, variieren in den Kommunen.  - © pixabay
Sicher ist sicher: Auffällige Hunde sollten einen Maulkorb tragen. Die Regelungen, wie Hunde in der Öffentlichkeit zu sichern sind, variieren in den Kommunen.  (© pixabay)

Steinhagen/Halle. Vor zwei Jahren an der Stadtbahnhaltestelle Friedrich-List-Straße in Bielefeld hätten drei Hunde eine Frau übel zugerichtet, ihr Bisswunden am Oberarm und am Bein zugefügt. Eins der Tiere gehörte einer jungen Frau aus Steinhagen, zur Tatzeit noch keine 21 Jahre alt und daher Heranwachsende im Sinne des Gesetzes war, die beiden anderen ihrem aus Bielefeld stammenden, zur Tatzeit bereits erwachsenen Begleiter.

Beide Hundehalter hätten sich nach dem Vorfall entfernt, ohne sich um die Verletzte zu kümmern. Gegen diese Anklage – fahrlässige Körperverletzung – hatten sich die beiden Hundehalter vor dem Strafrichter des Amtsgerichts Halle zu verantworten.

Die Steinhagener Hundebesitzerin ließ durch ihren Verteidiger erklären: „Mein Hund war angeleint. Ich saß mit ihm auf der Bank. Die Hündin hat mit dem Vorfall absolut nichts zu tun." Ihr Begleiter war geständig: „ Meine beiden Hunde waren zwar angeleint. Ich war aber in eine etwas hitzige Diskussion mit einer anderen Person verwickelt. Daher lag die Leine auf dem Boden und ich hatte die Hunde nicht in der Gewalt. Sie müssen sich dann auf die Frau gestürzt haben. Davon habe ich nichts bemerkt. Ich habe die Hunde dann mitgenommen. Als ich später Tumult und Getümmel sah und auch die Polizei habe ich mich bei der verletzten Frau entschuldigt."

Hunde seien vorher nie durch Aggressivität aufgefallen

Es habe auch ein Zivilverfahren gegeben, das mit einem Vergleich über die Zahlung von 5.000 Euro Schmerzensgeld endete. Seine Hunde seien vorher nie durch Aggressivität aufgefallen, beteuerte er.

Nun ging es in erster Linie um die Frage, ob der Hund der Steinhagenerin an dem Vorfall beteiligt war. Die geschädigte Frau erinnerte sich, dass drei Hunde auf sie zugestürzt waren, einer sei aber nach ein paar Minuten nicht mehr da gewesen. Sie sei ins Krankenhaus gekommen und habe Morphiumspritzen gekommen. Noch heute sei sie durch das Ereignis leicht traumatisiert. Auf keinen Fall habe sich der Angeklagte bei ihr entschuldigt.

Erst ein junger Mann, der als einziger aus der aufgeregten Menge den Mut hatte, dazwischenzugehen, habe sie schließlich von den Hunden befreit. Auch die weiter vernommenen Zeugen einschließlich des mutigen jungen Mannes konnten die Frage nicht sicher aufklären, ob die Hündin der Steinhagenerin an dem Beißvorfall beteiligt war.

"Ein starkes Stück"

So wurde denn das Verfahren gegen sie eingestellt. Der Bielefelder kam nicht so gnädig davon. Weder die Staatsanwältin noch das Gericht glaubten ihm, dass er den Vorfall nicht bemerkt habe. „Dass Sie nach dem Vorfall einfach weggegangen sind, ist ein starkes Stück", hielt ihm die Staatsanwältin vor.

Deswegen müsse die Geldstrafe schon im oberen Bereich liegen, 70 Tagessätze à 15 Euro für den Hartz IV-Empfänger. Dem schloss sich das Gericht an.

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