Letztes Mittel gegen Steinhagens A33-Lärm versagt

Bauausschuss: Nach wie vor sucht die Gemeinde weitere Möglichkeiten, um die Belastung durch die Autobahn zu mindern. Von sogenannten »Querriegeln« hatte man sich einiges versprochen.

Jonas Damme

Laut bleibt laut: Eine Lösung für das A 33-Lärm-Problem ist nicht in Sicht. - © Frank Jasper
Laut bleibt laut: Eine Lösung für das A 33-Lärm-Problem ist nicht in Sicht. (© Frank Jasper)

Steinhagen. Große Hoffnungen hatten manche der rund 30 Gäste, die am Donnerstagabend in den Bauausschuss gekommen waren, offenbar in das Konzept der Querriegel gesetzt. Sie wurden enttäuscht.

Schon zu Beginn machte Diplom-Physiker Klaus Brokopf, der die Lärmbelastung für die A 33-Anwohner durchgerechnet hatte, klar, dass zusätzliche Lärmschutzwände, quer zur Trasse nur eine sehr punktuelle Wirkung hätten, dafür aber unverhältnismäßig teuer würden.

Im Auftrag der Gemeinde hatte der Fachmann in den vergangenen Monaten per Computer als Beispiel modelliert, wie zwei massive Betonwände von sieben Metern Höhe den Schall im Bereich der Swinemünder Straße (nahe dem Hilterweg) brechen würden. Anhand von farbigen Grafiken stellte er jeweils dar, wie viele Dezibel Unterschied zu erwarten seien. Die Zahlen seien prinzipiell auf andere Baugebiet übertragbar.

Sieben Meter hohe Mauer am Garten

„Für sehr exponierte Häuser hilft es im Erdgeschoss etwas", so Brokopf. „Im ersten Obergeschoss passiert schon nicht mehr viel."Auch sei der tatsächliche Unterschied bei Nacht deutlich geringer als am Tag. Bei der Beispielsiedlung unterhalb der Autobahntrasse profitierten außerdem nur die ersten beiden Häuserreihen, also nur vier Häuser. Besonders gut sei der Effekt, wenn die sieben Meter hohe Betonmauer direkt angrenzend an den Garten gebaut würde – auch das eine wenig angenehme Vorstellung. Die Kosten, die der Gemeinde für solch einen Riegel entstehen würden, überschlug der Bauamtsleiter auf Nachfrage. „Bei der Größe kämen wir schnell auf 400.000 Euro pro Stück", so Stephan Walter.

Insgesamt kam der geladene Fachmann zu einem eindeutigen Fazit. „Diese Querriegel sind wirtschaftlich unrealistisch", so Brokopf. Im Auftrag des Rathauses hatte er auch den Einfluss der Brücken auf die Lärmverteilung berechnet. „Der Effekt, den die Reflexion an der Stirnseite der Brücke verursacht, beeinflusst den Lärm nicht relevant", so Brokopf. Zu versuchen, die Brücken zu verbessern, bringe keinerlei Nutzen.

„Ich höre, dass es an den Brücken sehr viel lauter ist"

Beschwerden gab es in der Vergangenheit von einigen Anwohnern auch wegen der Dehnungsfugen. Wenn Lkw darüber führen gebe es jedes Mal ein lautes Rattern. „Alle Dehnungsfugen liegen im Toleranzbereich", erklärte Bauamtsleiter Walter.

Natürlich war den Experten klar, dass ihre Ergebnisse für viele der Gäste und die anderen Autobahnanwohner eine Enttäuschung darstellten. So erklärte zum Beispiel Ausschussmitglied Hartmut Düfelsiek von den Grünen: „Ich habe ein ganz anderes Empfinden. Ich höre, dass es an den Brücken sehr viel lauter ist."

Ähnlich geht es Dirk Dobberkau (CDU), der selbst nahe der Trasse wohnt. „Sie kalkulieren mit 130 Stundenkilometern, b ei 200 knallt es aber erst richtig. Dann ist es so laut in unserem Schlafzimmer, dass ich wach im Bett sitze. Ein Tempolimit ist das Minimum." Dass eine Geschwindigkeitsreduzierung wirken würde, bestätigte auch der Fachmann. Der Unterschied zwischen 130 und 80 Stundenkilometern mache rund vier Dezibel aus. Der Unterschied zwischen Hochverkehrszeiten und wenig Verkehr sogar rund zehn DB. Die Lärmbelastung in der Siedlung liegt im Schnitt zwischen 50 und 60 Dezibel.

„Vater Staat steht nicht zur Verfügung"

Klar sei, bei allem subjektiven Empfinden: Grundsätzlich würden die vorgegebenen Werte überall eingehalten. Steinhagen sei eindeutig kein sogenannter »Lärmsanierungsfall«, bei dem das Land den Lärmschutz nachbessern müsste. Auch auf eine Förderung für Lärmschutzmaßnahmen sei nicht zu hoffen. „Vater Staat steht da nicht zur Verfügung", formulierte es Brokopf.

Am Ende war die Empfehlung des Diplom-Physikers eine altbekannte: individueller Schallschutz. Schallschutzfenster hätten sich beispielsweise als sehr effizient erwiesen. Er empfehle zweiflügelige.

Weder die Gäste noch die Politiker waren mit den Ergebnissen so ganz zufrieden. Im Verlauf der Debatte wurde dann sogar der abgeklärte Fachmann noch einmal persönlich. Jutta Ostermann-Lau (BA/STU) hatte nachgefragt, warum den der Tatenhausener Wald in Halle einen besseren Schallschutz habe, als so manche Steinhagener Siedlung. „Das macht auch mich wütend. Dort geht es wohl um die Fledermäuse. Naturschutz ist EU-Recht, da spielt der Aufwand keine Rolle", sagte Klaus Brokopf, „aber beim Menschenschutz wird geknausert."

Am Ende machte der Bürgermeister dann noch mal Mut. „Anders als Halle haben wir lückenlosen Lärmschutz", sagte Klaus Besser. Auf Kosten der Gemeinde habe man bereits nachgebessert. „Allein die Wallpflege kostet uns jedes Jahr 25.000 Euro."

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