Maskierter Mann jagt Frau durch Steinhagener Wohngebiet

Amtsgericht: Angreifer muss sich verantworten. Geschädigte erzählt eine bewegende Geschichte

Anke Schneider

Gericht Symbolbild - © kraximus2010 - Fotolia
Gericht Symbolbild (© kraximus2010 - Fotolia)

Steinhagen/Halle. Es war der 19. August 2017, als eine junge Frau in einem Steinhagener Wohngebiet die Haustür öffnete. Es hatte geklingelt und die Frau, die ihre Eltern besuchte, vermutete den Nachbarn vor der Tür.

Vor ihr stand aber ein vermummter Mann, der eine kleine Spraydose in der Hand hielt und sie damit ansprühte. „Ich habe die Situation sofort erkannt und bin durch die Wohnung auf der anderen Seite des Hauses in den Garten gerannt", berichtete die Frau. Der Beschuldigte sei ihr gefolgt und habe beim Laufen seine Kapuze verloren. Dann habe sie den Mann sehen können.

Das Opfer berichtete weiter, dass sie wie von Sinnen barfuß weiter gelaufen sei, bis ihr eine Frau in einem Auto entgegen kam. „Ich habe mich auf das Auto gestürzt und die Frau gebeten, die Polizei zu rufen." Inzwischen seien auch andere auf den Vorfall aufmerksam geworden und der Mann verschwand in einer Seitenstraße. „Sie können sich nicht vorstellen, wie ich um mein Leben gerannt bin", machte die Frau ihre Angst deutlich.

Keine Erklärung

Auf Nachfrage gab sie an, dass das Spray bei ihr keine Auswirkungen hatte. Sie wisse nicht, was für eine Substanz das gewesen sei. Den Tatbestand der Körperverletzung hatte der Täter nach Auffassung des Anwalts nicht erfüllt.

Schließlich sei die Frau unversehrt geblieben. Eine Nötigung sah der Anwalt auch nicht. Dieser Tatbestand müsse ein Ziel verfolgen, das nicht erkennbar sei. „Ein Dumme-Jungen-Streich war das aber auch nicht", entgegnete die Vertreterin der Staatsanwaltschaft. Am Ende einigten sich die Beteiligten darauf, das Verfahren gegen eine Auflage einzustellen. Der Steinhagener muss nun 900 Euro an den Verein Bellzett in Bielefeld zahlen, der sich für Gewaltprävention und Persönlichkeitsstärkung bei Frauen und Mädchen stark macht.

Warum der Angreifer die Frau einsprühte, wollte er vor Gericht nicht erklären.

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